Kein Preisverfall: Pokémon lässt euer Konto weinen

(Special)

von Emily Schuhmann (17. November 2017)

Seid ihr bereit dazu, für ein mehrere Jahre altes Spiel fast den gleichen Preis wie bei der Veröffentlichung zu zahlen?

Was ist euer liebstes Videospiel? Einige unter euch dürften jetzt an eines der Pokémon-Spiele gedacht haben. Auch bei Kollegin Chiara steht mit Pokémon Colosseum ein Spiel der Serie ganz oben auf der Liste ihrer Favoriten. Hoffentlich hat ihre Version des Rollenspiels noch ein langes Leben, den für Ersatz zu sorgen kann mühsam und kostspielig sein. Gebraucht bekommt ihr das Spin-off auf Ebay momentan als Sofortkauf nicht unter 20 Euro. Das ist für ein Spiel von 2003 kein schlechter Wert, aber bei weitem noch nicht die höchste Summe, die ihr für ein Pokémon-Abenteuer hinblättern müsst.

Pokémon ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Franchise. Dieses Jahr erschien bereits der 21. Kinofilm:

Woran liegt das? Gerade die Haupteditionen, in denen ihr auf die klassische Jagd nach allen Taschenmonstern und dem Champion-Titel geht, existieren millionenfach; selten sind sie also nicht. Dennoch kosten die Spiele sogar gebraucht noch eine Stange Geld. Pokémon Kristall Edition erschien beispielsweise vor 16 Jahren, aber auf Ebay wird es sogar im benutzten Zustand für mindestens 30 Euro gehandelt, und bei den Preisen für originalverpackte Spiele fallen euch die Augen aus dem Kopf, wenn ihr denn überhaupt über eine solche Variante stolpert.

Das tut eurem Geldbeutel richtig weh

Bei gebrauchten Spielen besteht immer die Chance, dass ihr eine zerkratzte CD oder ein gefälschtes Modul mit einem merkwürdigen Bootleg erhaltet. Und falls in eurer Brust ein Sammlerherz schlägt, kommt sowieso nichts anderes als die Originalverpackung infrage, am besten noch mit Plastikhülle.

Ein Extrembeispiel: neue Exemplare von Pokémon Goldene Edition - Heartgold inklusive des beigelegten Pokéwalkers kosten auf Amazon momentan satte 270 Euro. Da liegt der Gedanke nah, dass sich diese Spiele direkt als Wertanlage eignen könnten. Tatsächlich sind die meisten Haupteditionen mit den Taschenmonstern in der Hauptrolle Teil dieses Phänomens.

Nintendo produziert stets nur eine gewisse Menge an Spielen, und auch wenn es sich dabei um Millionen von Exemplaren handelt, leert sich der Markt kontinuierlich. Irgendwann kommt nichts mehr nach, und wie viele Menschen verkaufen ihre Pokémon-Spiele? Nicht nur, dass viele eine besondere Bindung zu ihren Begleitern aufbauen und sie ungern weggeben, auch der Sammelaspekt ist entscheidend. Eine Edition mit vollständigem Pokédex geben die wenigsten wieder her.

Zusätzlich werden die meisten, die einmal in den Bann der Taschenmonster geraten sind, irgendwann rückfällig und müssten sich die Spiele erneut kaufen. Spätestens Remakes wie Pokémon Omega Rubin und Alpha Saphir schüren wieder Interesse an den Ur-Versionen. Deshalb ist Gebrauchtware vergleichsweise selten.

Der Nintendo-Effekt

Pokémon ist allerdings nicht die einzige Spieleserie, die einen so stabilen Wert hat. Marken wie The Legend of Zelda, Super Mario und Fire Emblem zählen beispielsweise ebenfalls dazu. aber was zeichnet diese Spiele aus? Antwort: Nintendo steckt dahinter!

Für jede Konsole erschien bisher immer nur ein Mario Kart. So wird der Vorgänger nicht entwertet.Für jede Konsole erschien bisher immer nur ein Mario Kart. So wird der Vorgänger nicht entwertet.

Das Unternehmen hat eine in der heutigen Spieleindustrie einzigartige Vermarktungsstrategie, mit der es versucht, aktiv gegen die Entwertung seiner Produkte vorzugehen. Während auf Steam regelmäßig selbst großartige Spiele wie Dark Souls 3 für Schnäppchenpreise über die virtuelle Ladentheke gehen, bleibt der Preis von Ablegern der "Mario Kart"-Serie über Jahre hinweg auf demselben Level.

Nintendo-Spiele sind oft einzigartig und zeitlos in ihren Spielmechaniken und ihrer Optik. Schaut euch Pokémon an: die Serie ist in ihrem Bereich seit Jahren konkurrenzlos. Zwar gibt es beispielsweise Yo-Kai Watch, aber das kommt in der westlichen Welt bisher nicht zu so großen Ehren wie sein Vorbild.

Das Unternehmen hat sich einen Kundenstamm herangezüchtet, der bereit ist, für Qualität den diktierten Preis zu zahlen. Dadurch, dass Nintendo-Spiele nicht oder zumindest nur sehr langsam im Preis sinken, fällt auch das Zögern zum Release weg. Sogar bei großartigen AAA-Produktionen wie The Witcher 3 - Wild Hunt könnt ihr mit ein wenig Geduld Geld sparen, nicht so bei Mario und Co.

Die Jagd nach Schnäppchen

Der Gebrauchtmarkt ist eine der beiden Alternativen für Sparfüchse. Im Zeitalter des Internets kann allerdings jeder Verkäufer sehr leicht herausfinden, was seine Schätze tatsächlich wert sind und so wird ein günstiger Überraschungsfund auf dem Flohmarkt seltener als ein schillerndes Pokémon.

Die zweite Alternative ist der Verzicht auf physische Editionen. Pokémon Goldene und Silberne Edition wurden beispielsweise erst vor wenigen Monaten für die Virtual Console des 3DS veröffentlicht und sind dadurch sogar aufwärtskompatibel. Dennoch bevorzugen viele Spieler die ursprüngliche Erfahrung, auf der entsprechenden Konsole.

Wer sich Pokémon Goldene oder Silberne Edition im Nintendo eShop kauft, kann sich das mysteriöse Celebi nach Alola holen.Wer sich Pokémon Goldene oder Silberne Edition im Nintendo eShop kauft, kann sich das mysteriöse Celebi nach Alola holen.

Der Fakt, dass es Nintendo-Spiele auch nur für Nintendo-Geräte gibt, ist übrigens ein weiterer Grund für die Stabilität des Preises. Einkommen wird nur über Verkäufe auf einer Konsole generiert. The Elder Scrolls 5 - Skyrim ist ein hervorragendes Gegenbeispiel. Bethesdas Allzweckwaffe existiert auf jeder verfügbaren Plattform und kann somit auch mit einem niedrigeren Verkaufspreis viel Gewinn machen.

Auch der 2015 verstorbene Präsident von Nintendo, Satoru Iwata, ist Teil der Antwort auf die Frage warum Pokémon-, beziehungsweise Nintendo-Spiele, nicht im Preis sinken. Er war besorgt über die Entwicklung, dass viele Studios ihre Mitarbeiter mit enorm straffen Zeitplänen regelrecht ausbrannten und dann am Ende dennoch ein unfertiges Spiel ablieferten. Seiner Meinung nach ist es wichtig, dass die Konsumenten nicht vergessen, wie viel Arbeit tatsächlich in einem Spiel steckt und vielleicht sollten wir uns das wirklich hin und wieder bewusst machen.

Tags: Retro  

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