Fliegende Fetzen: Pokémon-Fan gegen Pokémon-Verweigerer - Und warum regen wir uns eigentlich auf?

(Kolumne)

Und warum regen wir uns eigentlich auf?

Schuhmann: "Pokémon ist voll simpel!" - Auer: "Ja, ne, is' klar ..."Schuhmann: "Pokémon ist voll simpel!" - Auer: "Ja, ne, is' klar ..."

Micky Auer:

Genwunner? Sehen Sie? Sie haben schon eine eigene Nomenklatur für Leute entwickelt, die nicht bereit sind, sich dem Kult hinzugeben. Es ist sehr einfach, jemand oder etwas mit einem Label zu versehen und sich selbst vorzutäuschen, damit wäre jedes Argument entkräftet. Damit sollte eigentlich überdeutlich klar sein, worum es hier geht und wie Sie selbst, Frau Schuhmann, es schon bezeichnet haben: Es ist ein Kult. Eine Definition dafür lautet: (übertrieben) verehrungsvolle, unkritische Haltung gegenüber einer Person oder Sache. Und damit landen meine Argumente klarerweise von vorneherein im luftleeren Raum. De facto ist es mir vollkommen Bumms, ob jemand Spaß an diesen Spielen hat oder nicht.

Tatsächlich wollte ich an dieser Stelle noch lauthals über die Einbringung des Aspekts "Geschichte" lachen. Denn wenn Sie, Frau Schuhmann, den Textfetzen an Inhalt, der für ein Pokémon-Spiel als "Geschichte" durchgeht als solche betrachten, haben Sie noch nie eine Geschichte erlebt, gelesen, gesehen oder gehört. Doch das ist in Anbetracht dieser sektenartigen Geisteshaltung wohl überflüssig.

Und jetzt kommt die große Überraschung: Niemals würde ich jemandem den Spaß nehmen wollen, den er aus einem Videospiel bezieht. Schon gar nicht, wenn es sich um etwas wie Pokémon handelt, das gänzlich ohne überbordende Gewalt, nackte Haut und wogende Mega-Brüste auskommt. Wie ich vorhin schon erwähnte: Es ist mir tatsächlich vollkommen egal. Nur möchte ich selbst entscheiden dürfen, ob ich etwas gut oder nicht gut finde. Ebenso verbitte ich es mir, von fanatischen Fans (nicht bloß die von Pokémon) als Spieler zweiter oder letzter Klasse betrachtet zu werden, nur weil ich nicht bereit bin, diesem einen goldenen Kalb zu huldigen. Auch wenn ich absolut nicht nachvollziehen kann, wie man für so etwas wie Pokémon zu begeistern ist, so nehme ich es hin.

Emily Schuhmann:

Ein Genwunner ist jemand, der die erste Generation als die einzig wahre und alles danach nur noch als Abklatsch, zu kompliziert und schlecht bezeichnet. Diese Menschen sind der absolute Kern des "Kults", mit dem die meisten normalen, oft sehr kritischen Pokémon-Fans nichts zu tun haben wollen. Und ja, ich spreche von Geschichte, und eigentlich ist es ziemlich anmaßend von ihnen dagegen zu argumentieren, wenn sie doch sicher keine einzige der in den letzten Jahren erschienen Editionen beendet oder auch nur begonnen haben. Gerade die oft kritisierte fünfte Generation brilliert in puncto Handlung.

Ich habe alle Editionen und unzählige Spinoffs durchgespielt, kenne mindestens 90 Prozent aller Taschenmonster und Attacken auswendig und verbringe meine Freizeit gern damit, stundenlang auf einem virtuellen Fahrrad durch die Gegend zu kurven, immer mit der Hoffnung, dass aus einem der vielen Eier ein Shiny schlüpft. Aber soll ich ihnen etwas sagen? Mir ist es völlig egal, ob irgendjemand außer mir diese Spiele und meine Lieblingsbeschäftigungen darin auch nur ansatzweise so sehr genießt wie ich.

Sie sprechen von "den Pokémon-Fans" als Einheit, aber diese eine Gruppe gibt es nicht. Idiotische Fanatiker gibt es immer und überall und das können weder Sie, Herr Auer, noch ich ändern. Und ich kann ihnen garantieren, dass der Großteil aller Pokémon-Fans niemanden als Spieler zweiter Klasse bezeichnet, nur weil er ihre Leidenschaft nicht teilt. Unzählige Menschen verbinden mit diesen Spielen großartige Erinnerungen und wer weiß? Vielleicht würden sie auch Spaß haben, wenn sie den Taschenmonstern unvoreingenommen eine Chance geben würden.

Micky Auer:

Kuchen?

Emily Schuhmann:

Kuchen.

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Tags: Streitgespraech  

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