Test Husk: Ja, es ist Horror, aber aus dem falschen Grund

von Micky Auer (03. Februar 2017)

Husk soll in der Tradition klassischer Horror-Spiele für Angst und Schrecken sorgen. Das tut es tatsächlich auch, jedoch nicht so, wie ihr es vermutlich erwartet habt.

Was hab ich mich gefreut! Der polnische Entwickler Undead Scout veröffentlicht mit Husk ein Horror-Abenteuer, das sich an großen Namen wie Silent Hill und Alan Wake orientiert. Das klingt ganz schön ambitioniert. Erwartet habe ich mir natürlich keine auf Hochglanz polierte Triple-A-Produktion, sondern lediglich ein gut durchdachtes Indie-Abenteuer, das vor allem durch Kreativität glänzt.

Vorfreude und Erwartungshaltung haben sich hier zwar etwas gebissen, letzten Endes konnte ich mich aber dazu durchringen, einen erstmal wertfreien Blick auf das Spiel zu werfen. Das Ergebnis: Ich wurde in jeder Hinsicht enttäuscht. Warum ich Husk als eines der schlechtesten Spiele dieses Jahres sehe, will ich euch in den folgenden Zeilen vermitteln.

Das Gegenteil von gut

Was ich Husk zugute halten muss: Es versucht nicht, durch billige Schockeffekte zu überzeugen, bei denen Leuten wie PewDiePie das Höschen wegfliegen würde. Stattdessen setzt es auf eine Atmosphäre, die mich am ehesten an das von mir so geliebte "Twin Peaks"-Universum erinnert. Schauplatz des Geschehens ist das britische Örtchen Shivercliff, eine Küstenstadt, die vor allem von der Produktion und dem Verkauf von Schaufensterpuppen lebt. (Hinweis: Das soll besonders gruselig wirken.)

Das Städtchen Shivercliff lebt von der Produktion von Schaufensterpuppen. Heimelig ...Das Städtchen Shivercliff lebt von der Produktion von Schaufensterpuppen. Heimelig ...

Die Stadt selbst ist absolut kein architektonisches Meisterwerk. Alle Ecken sind exakt rechtwinklig gehalten, Gassen und Wege sind schnurgerade und endlos lang. Dafür versucht euer Hauptcharakter mit einer komplexen Psyche aufzuwarten, scheitert dabei aber am Unvermögen der Autoren. Die ständigen Selbstgespräche, die er führt, sind aufgesetzt und dienen nur dazu, dem Spieler - also euch - ansatzweise zu vermitteln, was hier gerade vor sich geht. Komplett mit inneren Dämonen und alten Geheimnissen, die allesamt langweilig sind. Er sucht übrigens nach seiner verschollenen Familie, aber das interessiert euch wahrscheinlich schon bald nicht mehr, weil ihr keinerlei Beziehung zur Hauptfigur und ihrem Schicksal aufbauen könnt.

Husk bemüht sich in jeder Hinsicht und in jeder Facette und scheitert überall. Es wird schnell klar, dass das Spiel versucht alles zu sein, dabei aber niemals seine eigene Identität findet. Allein das ist schon ein guter Grund, sich weit davon fern zu halten. Aber es kommt noch schlimmer.

Fehlversuch auf der ganzen Länge

Fast hat es den Anschein, als hätte jemand das Spiel lieblos in seinem Keller oder seiner Garage zusammengeschustert. Nahezu alle Beispiele von schlechtem Spieldesign werden hier abgeklappert. Das geht von fehlenden Worten in Dialogen, über schwere Animationsfehler, bis hin zu einer Bildwiederholungsrate, die sich ohne ersichtlichen Grund mal mit 60, mal mit 20 Bildern pro Sekunden präsentiert.

Husk bietet so manchen verstörenden Anblick, verzichtet dabei aber auf "Jump Scares".Husk bietet so manchen verstörenden Anblick, verzichtet dabei aber auf "Jump Scares".

Die Finesse, die man sich von kleinen Produktionen erhofft, fehlt hier ganz und gar. Husk hangelt sich an den typischen Elementen bekannter Horror-Spiele entlang, führt aber keines dieser Konzepte zu Ende. Die Entwickler scheinen entweder nicht verstanden zu haben, warum ein bestimmtes Element in ein bestimmtes Genre passt, oder aber sie sind schlicht und ergreifend nicht in der Lage, es umzusetzen.

Abgerundet - wenn man das so sagen darf - wird das Drama durch ein vollkommen versetztes Spielgefühl. "Versetzt" deswegen, weil man als Spieler stets den Eindruck hat, dass irgendetwas nicht richtig funktioniert. Die Kollisionsabfrage ist fragwürdig, Animationen wirken unfertig, jede Aktion fühlt sich schwammig und träge an. Zu keinem Zeitpunkt entsteht das Gefühl der Immersion. Stattdessen wird der Spieler schon aufgrund der technischen Unzulänglichkeiten ausgesperrt.

Das zeigt sich auch und vor allem in den Echtzeit-Kämpfen gegen abstruse Kreaturen. Es gibt sogar eine Stealth-Komponente, die ist allerdings total nutzlos, weil sie nicht funktioniert. Ansonsten bleiben euch Nah- und Fernkampf. Die funktionieren zwar auch nicht, aber hin und wieder habt ihr Glück und gewinnt einen Kampf. Der Sprint-Knopf ist euer bester Freund, denn anstatt mit Geschick und taktischer Herangehensweise einen Kampf zu bestreiten, könnt ihr auch einfach abhauen. Das funktioniert sogar. Meistens, zumindest.

Positiv: Nach fünf bis sechs Stunden ist es auch schon wieder vorbei. Nach unserer Meinung ist das immer noch zu lang und resultiert in verbrannter Lebenszeit.

Meinung von Micky Auer

Es klappt nicht. Es klappt einfach nicht. Es will nicht klappen, oder es kann nicht klappen. - Ist auch völlig egal. Kein zweites Mal werde ich versuchen, Husk in irgendeiner Form etwas abzugewinnen. Dafür sind die offensichtlichen Mängel viel zu - nun ja - offensichtlich.

Grausliche Grafik, schlechtes Design, miserable Technik - Husk lässt wirklich nichts aus, um sich so unprofessionell wie nur irgendwie möglich darzustellen. Auch die so wichtige Atmosphäre strebt zwar in eine ganz bestimmte Richtung, kommt dort aber niemals an. Die Texte wirken hingeschmiert und unüberlegt. Es ist insgesamt wirklich Horror, bloß nicht von der Sorte, die als Unterhaltung gewertet werden kann.

Es gibt an dieser Stelle für den Entwickler Undead Scout nur zwei Wege: Entweder von Grund auf lernen, wie das Handwerk eines Spieleentwicklers funktioniert und dabei gleich richtige Talente an Bord holen, oder aber alles hinschmeißen und was anderes versuchen.

Ganz ehrlich: Ich würde dringend zu Option 2 raten.

16

meint: Ambitioniertes Horror-Spiel, das in jeder Hinsicht versagt. Grafik, Technik, Steuerung und Erzählung sind schlich vergessenswert übel.

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Tags: Horror   Indie  

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