Lootboxen: Schei** oder O.K.? Ein Streitgespräch

(Kolumne)

von Daniel Kirschey (23. November 2017)

Nun ist es soweit. Die belgische Spielekommission hat Lootboxen als Glücksspiel deklariert. Hawaii und Australien ziehen wohl nach. Electronic Arts und Warner Bros. haben mit den Lootboxen und Mikrotransaktionen in Star Wars Battlefront 2 und Mittelerde - Schatten des Krieges einen ganz schönen Rattenschwanz nach sich gezogen. Damit haben die Publisher wohl nicht gerechnet. Und noch weniger haben wohl Spieler damit gerechnet, dass so schnell Regierungen Lootboxen als ein Problem anerkennen und reagieren.

Doch wie ist das denn mit den Lootboxen so? Einige finden sie gar nicht so schlimm. Zumindest, wenn sie in einer Form genutzt werden, wie es beispielsweise in Overwatch der Fall ist. Andere sehen schon in der Mechanik ein Problem.

Auch bei uns in der Redaktion sind wir nicht immer einer Meinung - schockierend, nicht wahr? Wir präsentieren euch in dieser Reihe zwei Perspektiven zu einem Thema. Zwei Redakteure streiten sich, damit ihr euch eure eigene Meinung bilden könnt.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienen Artikel.

Meinung von Chiara Bruno

Das Thema Lootboxen sehe ich etwas zwiegespalten. In Spielen wie Overwatch haben Lootboxen lediglich einen kosmetischen Nutzen. Da ist es jedem selbst überlassen. Wer die besten Skins haben will, muss also entweder in die Taschen greifen und über Mikrotransaktionen diese kaufen oder Spielwährung sammeln, um den Charakter optisch aufzuhübschen.

Kosmetische Verbesserungen bringen also keinen spielerischen Vorteil. Meine Toleranz gegenüber Lootboxen hört allerdings auf, wenn diese an Mikrotransaktionen gebunden sind und ein gewisses "Pay 2 Win"-System entsteht, wie es zum Beispiel in Star Wars Battlefront 2 der Fall ist. Finanzielle Mittel sollten nicht über das „Können“ eines Spielers entscheiden.

Solange also Lootboxen oder Mikrotransaktionen nicht den eigentlichen Spielfluss beeinträchtigen, in dem sie Spielmechaniken grundlegend ändern, habe ich nichts dagegen und freue mich eher darüber, wenn ich ein paar neue Skins oder Kostüme aus den Lootboxen bekomme. Übrigens: Ich habe die coolsten Skins überhaupt.

Meinung von Daniel Kirschey

Ich stimme der belgischen Komission zu. Auch wenn es sich im Falle von Overwatch um Lootboxen und Mikrotransaktionen handelt, die nicht in den Spielablauf eingreifen, sondern nur kosmetische Änderungen bringen: Es ist und bleibt eine Art Glücksspiel. Das Problem ist zum einen, dass Leute, bei denen der Zufall einfach nicht mitmacht, einen Teil des Spiels niemals zu Gesicht bekommen. Und wenn er noch so klein ist. In Schatten des Krieges sind beispeislweise Spieler dazu gezwungen entweder lange zu grinden oder noch mehr Geld zu bezahlen. Eigentlich sollte der Erwerb eines Spiels einem auch - ohne Tricks - das ganze Spiel bieten. Zum anderen sind Glücksspiele Sucht erzeugend.

Das liegt einfach an unserem Belohnungssystem. Wir fühlen uns belohnt, wenn wir aus der Lootbox tolle Sachen fischen - aber auch, wenn wir uns etwas kaufen, uns vielleicht sogar damit belohnen. Deshalb sind die Lootboxen in Battlefornt 2 so perfide.

Für mich sind aber auch die Lootboxen in Overwatch schon Ursache des Problems. Auch wenn es "nur" kosmetische Änderungen sind, ist es für mich schon ein Glücksspiel. Spieler, die beispeilweise unbedingt einen bestimmten Skin wollen und immer wieder Lootboxen erspielen oder gar kaufen; diese anfängliche Vorfreude, die Erwartung, die erfüllt oder gebrochen wird - das erzeugt eine Spirale. Wenn nun Publisher eine Art des Glücksspiels als neue Einnnahmequelle in ihren Spielen entdecken, bekommt das ganze für mich eine Art "Geschmäckle".

Tags: Streitgespraech  

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