Fan-Spiele: Ob es Publishern passt oder nicht - es wird sie immer geben

(Special)

von Micky Auer (26. November 2017)

So schnell wie Fan-Projekte auf der Bühne erscheinen, so schnell sind sie meistens auch schon wieder verschwunden. Große Publisher machen da keine Gefangenen. Es wird Zeit für ein neues Regelwerk.

Ihr kennt das sicher: Eine Privatperson macht sich an die Arbeit, um ein Fan-Spiel zu einer bestehenden Marke zu entwickeln. Meist sind dies Ein-Mann-Projekte, die ausschließlich durch Leidenschaft und Hingabe motiviert sind und in denen viel Freizeit, Herzblut und Schweiß steckt.

Endlich ist der Moment gekommen, an dem der Hobby-Entwickler bereit ist, sein Werk der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und wenige Tage später ist seine harte Arbeit von der Bildfläche verschwunden. Wie ausgelöscht. Als ob sie niemals existiert hätte. Grund dafür ist so gut wie immer ein Publisher, der durch das Fan-Projekt eine Gefährdung seiner IP (Intellectual Property, also geistiges Eigentum) befürchtet.

Dabei werden Fan-Projekte im allgemeinen kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Schöpfer erwirtschaftet keinen Profit und ihm kann nicht vorgeworfen werden, sich mithilfe der Arbeit anderer zu bereichern. Dennoch fällt oft sehr schnell der Hammer. Vor allem, wenn Nintendo im Spiel ist. Fan-Projekte wie Pokémon Uranium und Another Metroid 2 Remake sind nur zwei prominente Vertreter von massenhaft abgebrochenen Fan-Entwicklungen. Dazu gehört auch Breath of the NES, das von einem 20-jährigen Studenten aus dem US-Bundesstaat Massachusetts entwickelt wurde.

Dann zeig es halt niemandem, bevor es fertig ist!

WinterDrake, wie sich der junge Entwickler im Netz nennt, hat im Zuge der Game Developers Conference 2017 einen 2D-Prototypen gesehen, den die Zelda-Designer entwickelt haben, um Mechaniken für The Legend of Zelda - Breath of the Wild auszuprobieren. Der Prototyp orientierte sich optisch am ersten The Legend of Zelda von 1987.

(Quelle: YouTube, Micropig Gaming)

Genau diesen Stil und die Machart des Prototyps hat WinterDrake adaptiert, um sein eigenes Projekt mit dem Namen Breath of the NES zu gestalten. Kaum gelangten die ersten Informationen über sein Projekt in Form von Bildern und Videos an die Öffentlichkeit, reagierte diese sofort mit Warnungen.

"Von einer Unterlassungsklage von Nintendo niedergeschmettert in 3 ... 2 ... 1 ...", schreibt ein Kommentator auf Polygon.

"Darüber zu posten ist ein Garant dafür, den Hammer des Schicksals herauszufordern", sagt ein anderer auf Kotaku.

"Kündige es verf+++t noch mal nicht vorab an, wenn du nicht willst, dass die IP-Inhaber wie eine Tonne Ziegelsteine über dich hereinbrechen", rät ein User auf Reddit, nachdem das Fan-Spiel auf Anfrage eines Nintendo-Anwalts nicht mehr angeboten werden durfte. Weiter schreibt er: "Das passiert jedes Mal. Aber sobald es erst im Internet verfügbar ist, wird keine Unterlassungsklage der Welt die Leute davon abhalten, es auch zu finden."

Wenn es denn nur so einfach wäre ...

Als Außenstehender ist man schnell, manchmal auch vorschnell mit guten Ratschlägen zur Stelle. WinterDrake ist der Ansicht, dass eine wie oben beschriebene Vorgehensweise für ihn unsinnig wäre. Er begründet dies gegenüber den Kollegen von Polygon wie folgt: "

"Ich hätte Monate mit der Entwicklung verbringen können, ohne das Spiel zu bewerben, um es dann einfach in die Öffentlichkeit stellen. Aber dann hätte ich kein Feedback von der Community bekommen. Und ohne diese Informationen und die Aufmerksamkeit der Fans hätte ich viele Details übersehen und hätte auch nicht die Motivation gehabt, weiterzumachen."

Für Fans muss erst ein Recht geschaffen werden

Im kalifornischen Los Angeles residiert Stephen McArthur. Ein Anwalt, der sich speziell diesem Themenbereich widmet. Er ist vor allem darum bemüht, Publisher von harten Verboten abzubringen und stattdessen bei der Erstellung von Regelwerken für Modder und Fan-Projekte zu unterstützen. Auf diese Weise soll einerseits die IP der Publisher geschützt werden, andererseits sollen Fans nicht so dastehen, als würden sie etwas Verbotenes, sondern eher etwas Unterstützenswertes erschaffen.

Auch schon weg vom Fenster: Die Verschmelzung von Red Dead Redemption und GTA 5.Auch schon weg vom Fenster: Die Verschmelzung von Red Dead Redemption und GTA 5. (Bildquelle: GTA Forum)

"Brecht keine Regeln, dann kriegt ihr auch keinen Ärger!" - Dieser einfache Grundsatz dient als Basis für alle Ansätze, die McArthur verfolgt. Dennoch soll jede Veröffentlichungs-Politik eins Publishers das Recht enthalten, Fan-Projekte zu stoppen, sofern unvorhergesehene oder vorher nicht spezifizierte Umstände eintreten. Das mag zwar nach Paragraphenreiterei dienen, jedoch kann ein so komplexes Gefüge auch nicht gänzlich ohne gesetzliche Rahmenbedingungen existieren.

"Vom gesetzlichen Standtpunkt her ist es unnötig und stellt auch eine schreckliche Geschäftspraktik und Vermarktungspolitik für Spiele-Publisher dar, jedes Fan-Projekt zu stoppen, das doch tatsächlich als Huldigung an eine IP gedacht ist", sagt McArthur gegenüber Polygon.

(Quelle: Youtube, PokemonUranium)

In Bezug auf Breath of NES oder zum Beispiel auch Red Dead Redemption V gibt es aber wiederum ein paar wichtige Punkte zu beachten, die die Fälle von "herkömmlichen" Fan-Projekten abheben. Denn die Originalspiele, die diesen Fan-Projekten zugrunde liegen, waren niemals für eine Veröffentlichung für PC gedacht, wo die Modding-Kultur schon fast integraler Bestandteil der Kundenerwartung ist. Damit einher gehen zwangsläufig tiefschürfende Eingriffe in den Code der Original-Spiele, und da werden Publisher schnell sauer.

Weiter mit: Wer ein Spiel cracked, löst Alarm aus

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Tags: Hacks   Mod  

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