Test Xenoblade Chronicles 2: Über den Wolken, aber auch Über-Rollenspiel?

von Emily Schuhmann (30. November 2017)

Krieg, Konflikt, existenzielle Fragen - davon handelten bisherige Xeno-Spiele. Das neue Rollenspiel schlägt einen leichteren Ton an, aber am Tiefgang des Spiels ändert das nichts.

Hättet ihr gedacht, dass ihr in Xenoblades Chronicles 2 einen Herrscher spielt? Na ja, zumindest dem Namen nach. Rex ist das lateinische Wort für König und gleichzeitig der Name des Hauptcharakters in diesem von vielen Fans sehnlichst erwarteten Abenteuer. Voraussichtlich am 1. Dezember erscheint das Spiel für Nintendo Switch. Alle die ihre Reise sofort antreten und wirklich alles erledigen wollen, haben sich für die kommenden Tage hoffentlich nichts anderes vorgenommen, denn ihr könnt mit einer dreistelligen Spielstundenzahl rechnen.

Rex hat aber tatsächlich so gar nichts Adliges an sich. Er ist ein Teenager und kommt entgegen aller Klischees ohne übertrieben dramatische Hintergrundgeschichte aus. Er lebt einfach vor sich hin und arbeitet als Bergungstaucher, um über die Runden zu kommen. Miete zahlen muss er zu seinem Glück nicht, denn er wohnt auf dem Rücken einer riesigen Kreatur, die er liebevoll Opa nennt. Damit teilt er die Lebensumstände mit den meisten Einwohnern von Alrest, der Welt von Xenoblade Chronicles 2, die von einem gewaltigen Wolkenmeer bedeckt ist. Eine Situation, mit der sich alle arangiert hatten, doch da gibt es ein klitzekleines Problem: Die sogenannten Titanen sind nicht unsterblich und der Lebensraum wird deshalb immer knapper.

Schwerter mit Gefühlen

Opa ist für Rex aber mehr als nur eine Art Wohnmobil. Er leistet ihm seit Jahren Gesellschaft und lehrte ihn beispielsweise den Umgang mit Waffen. Diese Fähigkeiten kommen Rex sehr zugute, denn bei einem seiner Besuche im Handelszentrum macht ihm der Chef der Händlergilde ein lukratives Angebot. Er soll einer Gruppe von Söldnern dabei helfen, etwas zu bergen. Dabei entdecken sie ein Mädchen in einem gläsernen Sarg. Die junge Dame heißt Pyra und stellt sich als "Klinge" heraus, eine lebendige Waffe, die sich an einen Meister binden und ihm im Kampf zur Seite stehen kann. Jedoch ist sie nicht irgendeine der vielen unterschiedlichen Klingen, denen ihr im Spielverlauf begegnet, sondern die Aegis. Hinter diese sagenumwobenen Waffe sind, wie könnte es anders sein, auch viele andere her.

Im Laufe der Geschichte könnt ihr auch andere Charaktere als Gruppenanführer wählen und so deren Fähigkeiten nutzen. Katzenmensch Nia kann beispielsweise auf ihrer Klinge Dromarch reiten.Im Laufe der Geschichte könnt ihr auch andere Charaktere als Gruppenanführer wählen und so deren Fähigkeiten nutzen. Katzenmensch Nia kann beispielsweise auf ihrer Klinge Dromarch reiten.

Die Kämpfe erinnern an die Vorgänger: Ihr lauft in den riesigen Gebieten frei herum und entscheidet welche Monster ihr attackiert. Überschneidet sich der Angriffs-Kreis um euren Charakter mit einem Gegner, greift ihr automatisch an. Dabei laden sich besondere Manöver auf, die mehr Schaden verursachen oder Zusatzeffekte haben. Zunächst wirkt das Kampfsystem ziemlich zäh, doch später eröffnen sich euch immer mehr Mechaniken, die die Auseinandersetzungen wesentlich komplexer machen. Wie das System genau funktioniert, könnt ihr euch in der Bilderstrecke oben anschauen.

Wichtigster Aspekt sind, wie ihr sicherlich schon vermuten konntet, die Klingen des Spiels. Diese haben besondere Fähigkeiten, lassen sich im Kampf austauschen und auf unterschiedliche Arten verbessern. Poppy entwickelt ihr beispielsweise durch ein Minispiel weiter. Abgesehen von den Reibereien, gibt es auf eurer Reise nach Elysium aber auch noch anderes zu tun. In den Städten versorgen euch Charaktere mit etlichen Quests. Oft müsst ihr irgendwelche Laufburschen-Arbeiten übernehmen, aber auch das eine oder ander Rätsel oder eine schöne Nebengeschichte, könnt ihr so entdecken.

Großbritannien liegt in Alrest?

Ihr könnt Xenoblade Chronicles 2 auf Deutsch spielen, aber die gesprochenen Texte bleiben englisch. An beidem ist prinzipiell nichts auszusetzen, aber die Lippensychronität lässt leider hin und wieder zu wünschen übrig. Erschwerend kommt hinzu, dass die Synchronsprecher häufig nicht so richtig zu ihren Rollen passen wollen und oft zu alt klingen.

Dafür lässt euch die eigenwillige, lustige Sprechweise der Nopon sicher das eine oder andere Mal schmunzeln. Ungewöhnlicherweise kamen hauptsächlich Stimmen mit britischem Akzent zum Einsatz - eine nette Abwechslung für eure Ohren. Für alle Liebhaber der japanischen Sprache: Ihr könnt euch die dementsprechende, alternative Vertonung kostenlos herunterladen.

So präsentierte sich Xenoblade Chronicles 2 auf der diesjährigen E3:

Auch ein Seasonpass für knapp 30 Euro ist bereits angekündigt, der euch für das nächste Jahr mit zusätzlichen Inhalten versorgt. Etwas ärgerlich: Wenn ihr nur die versprochene neue Handlung im nächsten Herbst erleben wollt und auf die restlichen Zusatzinhalte verzichten könnt, müsst ihr dennoch das Komplettpaket kaufen. Separat sind die DLCs nicht erhältlich. Wie so oft braucht ihr die Bonusinhalte aber auch nicht, um das Rollenspiel zu genießen.

Zwar kann Xenoblade Chronicles 2 grafisch und technisch nicht mit Optik-Wundern à la Assassin's Creed - Origins mithalten, aber gerade Anime-Fans kommen auf ihre Kosten und die abwechslungsreichen Landschaften sind schön anzusehen. Aufgeräumte Menüs und Kreaturen, die größtenteils schön gestaltet sind, tun ihr übriges. Und ein paar der schönsten Momente könnt ihr erleben, wenn ihr einfach stillsteht, die Aussicht genießt und der Musik lauscht.

Meinung von Emily Schuhmann

Schwämme! Schwämme überall! Einige Monster in diesem Spiel haben einfach viel zu viele Lebenspunkte und das zieht Kämpfe in die Länge. Gerade am Anfang, wenn das Kampfsystem noch nicht sonderlich packend ist, ist es ermüdend nicht endend wollende Lebensbalken zu dezimieren. Glücklicherweise kommen im Laufe des Spiels so viele Mechaniken dazu, dass die Auseinandersetzungen sich reizvoller anfühlen.

Ganz der Pokémon-Sammler macht es mir besonders viel Spaß die unterschiedlichen Klingen zu entdecken und mich mit möglichst vielen dieser lebendigen Waffen zu verbinden. Das ganze System erinnert mich sehr an das angekündigte Spiel Boyfriend Dungeon, in dem ihr eure Schwerter durch Dates mit ihnen verbessert. Zwischen Pyra und Rex gibt es ja auch den einen oder anderen emotionalen Moment.

Viel lieber als den eigentlichen Hauptcharakter spiele ich allerdings das freche Katzenmädchen Nia. Ihre Klinge Dromarch ist eine gigantische Miezekatze, auf deren Rücken sie Gebiete schneller durchqueren kann. Wie so oft lenkt mich ein Reittier mal wieder von meinen eigentlichen Aufgaben ab, aber was solls. Die große Spielwelt lädt einfach zum Erkunden ein und auch wenn Xenoblade Chronicles 2 das Rollenspiel-Genre nicht neu erfindet, so ist es doch ein gelungenes Abenteuer, mit dem ich noch viele Stunden verbringen werden.

82

meint: Anfangs etwas träge, aber mit voranschreitender Stundenzahl flotter. Das Klingen-System sorgt für interessante Kämpfe und weckt den Sammeltrieb.

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Tags: Anime   Singleplayer  

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