ANTARKTIKA: Außergewöhnliche YouTube-Serie aus Deutschland

(Special)

von Emily Schuhmann (02. Dezember 2017)

Minecraft trifft auf Stranger Things. Eine abgelegene Forschungsstation, vermisste Personen und merwürdiger, grüner Schleim ... was lauert unter dem Eis? Eine illustre Runde von YouTubern forscht nach.

Das Telefon klingelt und am anderen Ende der Leitung ist die UFA. Hierbei handelt es sich nicht um eine Variante des UFO, sondern die Universum Film AG. Das Filmunternehmen meldete sich mit einem eher ungewöhnlichen Vorschlag bei einem YouTuber: dem Konzept für eine animierte Serie. Herr Bergmann, unter anderem bekannt für seine "Minecraft"-Kurzfilme, sagte zu und damit fiel der Startschuß für die Produktion von ANTARKTIKA. Wir haben uns mit ihm über das Projekt, das auch in Zusammenarbeit mit FUNK entstand, unterhalten.

Mittlerweile ist die Geschichte in zwölf Folgen abgedreht und jeden Donnerstag um 20 Uhr erscheint eine neue Folge auf dem ANTARKTIKA-Kanal auf YouTube. Die Länge einer Folge variiert zwischen acht und dreizehn Minuten. Das außergewöhnliche: Die Reise ins ewige Eis findet komplett in der Minecraft-Engine statt.

Total verpixelt und trotzdem filmreif - Der Trailer zu ANTARKTIKA

Hauptfigur ist die attraktive Ärztin Myra Johnson, die ihre neue Arbeit auf der Forschungsstation antritt. Dort bricht gerade die Wintersaison an, weswegen nur noch wenige Leute vor Ort sind. Alles Männer und eine sehr männliche Frau, gesprochen von YouTube-Legende Coldmirror. Bereits in der ersten Folge wird klar, dass an diesem Ort so einiges nicht mit rechten Dingen zu geht. Myra kann die Situation nicht auf sich beruhen lassen und forscht nach.

Ihre Stimme dürfte übrigens vielen unter euch bekannt vorkommen, denn ihre Sprecherin Anja Stadlober leiht auch Mila Kunis, Emma Stone oder Olivia Wilde ihre Stimme. Abgesehen von vielen YouTubern, darunter AlexiBexi und Sturmwaffel, mischen auch Neil Patrick Harris und Tom Cruise mit - zumindest stimmlich. "Wir haben natürlich jeden Synchronsprecher von der Idee überzeugen müssen. Und hatten hier das große Glück, dass alle darauf angesprungen sind." verrät uns Herr Bergmann.

Auf den Leib geschneidert

Im Gegensatz zu normalen Filmproduktionen kamen für ANTARKTIKA nicht alle Charaktere zusammen und arbeiteten, bis alle Episoden im Kasten waren. Die Kommunikation lief hauptsächlich fernmündlich über Videocalls: "Die YouTuber und Sprecher wurden in verschiedenen Studios und Fernaufnahmen über ganz Deutschland eingespielt. Ein Autor kam aus Wien. Wir haben also sogar eine internationale Zusammenarbeit aufgestellt!" Herr Bergmann erklärt weiter: "Die Rollen wurden speziell für die jeweiligen Sprecher ausgewählt, teilweise sogar von den Autoren angepasst. Ganz wichtig war dabei: Keiner sollte sich für seine Rolle verstellen müssen."

Coldmirror kennen viele durch ihre "Harry Potter"-Parodien. Ihre Rolle, Jill Snyder, ist ziemlich ... speziell.Coldmirror kennen viele durch ihre "Harry Potter"-Parodien. Ihre Rolle, Jill Snyder, ist ziemlich ... speziell.

Mitarbeiter der UFA kontaktierten die YouTuber, koordinierten die Zusammenarbeit und waren dabei ziemlich erfolgreich. Zumindest gab es nach Herr Bergmanns Wissen lediglich Absagen aus zeitlichen Gründen. "Alle, die wir haben wollten, haben wir auch bekommen." Durch diese Arbeitsteilung konnte er sich auf den kreativen Teil konzentrieren.

Für ihn war es ganz besonders toll, auch mal mit neuen Gesichter außerhalb der Let’s-Play-Szene zu kooperieren: "Die Zusammenarbeit hat immer super funktioniert. Und jeder hat auch eigene Impulse in das Projekt eingebracht. Mir hat das sehr viel Spaß gemacht!"

Kürbisse waren beim Dreh essenziell

Bereits das Serien-Intro lässt Herr Bergmanns Liebe zu den 80er-Jahren durchblicken. Dieses Jahrzehnt ist Schauplatz der erfolgreichen Netflix-Serie "Stranger Things" und auch die Entstehungszeit von "Das Ding aus einer anderen Welt", eines Films von John Carpenter. Bergi, wie seine Fans ihn gern nennen, ist ein großer Fan von beidem und hat gerade beim Intro die Chance wahrgenommen sich davon inspirieren zu lassen.

Die Idee zur Geschichte von ANTARKTIKA stammt allerdings nicht von ihm, sondern von einem Team dreier Drehbuch-Autoren. Tim Bergmann, wie er mit vollem Namen heißt, hat bei der Serie quasi Regie geführt. Tatsächlich könnt ihr das im kleineren Maßstab sogar selbst tun: Mit einem Druck auf "F1" verschwindet in Minecraft die Anzeige, Screencapture-Programm an und schon könnt ihr eure filmreifen Abenteuer für die Nachwelt festhalten.

Dinge wie diese Polarlichter am Himmel, wurden im Nachhinein mit "After Effects" eingefügt.Dinge wie diese Polarlichter am Himmel, wurden im Nachhinein mit "After Effects" eingefügt.

Das Drehen einer kompletten Serie in einem Spiel stellt natürlich vor ganz eigene Herausforderungen. Um Objekte wie das Schiff in der ersten Folge in Bewegung zu setzen, bedienten sich die kreativen Köpfe beispielsweise eines Greenscreens der besonderen Art, bestehend aus grün leuchtenden Kürbislaternen-Blöcken. Für den Bau des gesamten Sets war ein ganzes Team von Baumeistern verantwortlich. Schneemassen, Eisschollen, Pinguine und mittendrin die Forschungsstation, in der der Löwenanteil der Geschichte spielt - so sieht die fertige Kulisse der Serie aus.

Alles voller Bots

Viele der beteiligten YouTuber hätten vermutlich genug Minecraft-Erfahrung gehabt, um ihre Rollen selbst zu spielen, allerdings hätte das wieder enorm viel zeitliche Koordination vorausgesetzt. Wichtige Charaktere wurden zwar von Menschenhand gespielt, allerdings war das Set auch voller programmierter Bots, die alle nach Herr Bergmanns Pfeife tanzten. Er arbeitet nach eigener Aussage gerne nachts und durch die von ihm genutzte Replay-Mod war er auf niemanden angewiesen. Die zahlreichen genutzten Modifikationen waren ein weiterer Grund für die Bots, denn so musste nicht jeder Komparse immer seine Mod-Bibliothek auf dem neusten Stand halten.

Die Hauptfiguren der Serie sind absichtlich sehr differenziert gestaltet. So besteht trotz reduzierter Pixel-Optik keine Verwechslungsgefahr.Die Hauptfiguren der Serie sind absichtlich sehr differenziert gestaltet. So besteht trotz reduzierter Pixel-Optik keine Verwechslungsgefahr.

Die Produktion bestand grob aus drei Phasen: Dreh, Rohschnitt und Final Cut. Pro Folge könnt ihr mit ungefähr zwei bis drei Wochen Arbeit rechnen. Wir haben Tim gefragt, ob er zufrieden mit dem Ergebnis ist. Seine Antwort:

"Absolut! Für mich war das Projekt ein riesiger Schritt und ein toller Einstieg in die professionelle Produktionswelt einer fiktionalen Serie. Ich bin super zufrieden und glücklich damit, was wir in der Kürze der Zeit auf die Beine gestellt haben.

Es ist immer ein ganz besonderer Moment, wenn nach der Vorarbeit, nach dem Dreh und dem ersten Rohschnitt alles zusammenläuft zu einem fertigen Produkt. Dann erkennt man, ob die Ideen wirklich funktionieren, ob Spannung da ist, ob gelacht wird. Davor ist man oft mehr oder weniger „betriebsblind“. Aber wenn man zum ersten Mal alles so sieht, wie man es sich ganz am Anfang vorgestellt hat, dann wird wirklich ein Traum wahr!"

Über die Grenzen hinaus

Zwei Folgen sind bereits erschienen und kommen bei den Zuschauern sehr gut an. "Wenn man sieht, dass die Leute so viel Spaß haben, dann weiß man wirklich, dass sich die ganze Mühe gelohnt hat. Die positiven Reaktionen haben mir gezeigt, dass wir wirklich richtig lagen mit der Story und der Umsetzung." Ein Ärgernis, an dem gerade gearbeitet wird: Bisher lässt sich ANTARKTIKA außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht anschauen. Die Macher selbst waren überrascht, wie viele Menschen aus beispielsweise Belgien oder Luxemburg Interesse an der Serie haben. In Zukunft sollen auch noch Making-ofs und mehrere Livestreams folgen, in denen ihr Fragen stellen dürft.

Ein ganz besonderes Extra: Innerhalb der nächsten Wochen könnt ihr auf Herr Bergmanns Minecraft-Server das Set erkunden. Tim erklärt: "Man kann in den Arbeitsalltag einer Figur eintauchen, selbst auf Entdeckungstour durch die Station gehen und vielleicht findet man hier und da auch ein paar spannende Infos. Ich will aber noch nicht zu viel verraten! Für die Community wird es eine tolle Möglichkeit sein, richtig tief in den Kosmos von ANTARKTIKA einzutauchen." Wenn ihr also schon immer mal den Südpol erkunden wolltet, hier ist eure Chance!

Jetzt eigene Meinung abgeben

Tags: Video  

Kommentare anzeigen

Die unfairsten Waffen im "Call of Duty"-Multiplayer

Die unfairsten Waffen im "Call of Duty"-Multiplayer

Der Multiplayer-Modus ist für viele "Call of Duty"-Spieler das Salz in der Suppe. Während ihr die Kampagne (...) mehr

Weitere Artikel

Counter-Strike - Global Offensive: Hinweise auf "Battle Royale"-Modus à la PUBG gefunden

Counter-Strike - Global Offensive: Hinweise auf "Battle Royale"-Modus à la PUBG gefunden

Findige Spieler haben bereits vor Monaten Hinweise auf einen Überlebensmodus in den Spieldateien von Counter-Strik (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Minecraft (Übersicht)