So hart ist der Einstieg in die Spielebranche

(Kolumne)

von Emily Schuhmann (26. Dezember 2017)

Das Hobby zum Beruf machen - davor warnen die einen und träumen die anderen. Ich habe den Weg gewählt und Game Art & Animation studiert. Für alle die mit diesem Gedanken spielen: Hier ein Einblick, was euch erwarten könnte.

Tatsächlich hatte ich nach dem Gymnasium ganz klare Pläne. Ich wollte Landschaftsarchitektur studieren. Eigentlich war dafür sogar schon alles unter Dach und Fach, aber wie man so schön sagt: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich konnte mein Studium nicht antreten und ganz spontan habe ich mich stattdessen bei der Games Academy Frankfurt für den Studiengang Game Art & Animation beworben. Gezeichnet, modelliert und gemalt hatte ich schon immer gern und Videospiele waren und sind noch immer mein Leben.

In den kommenden Jahren habe ich gelernt, dass die Videospielentwicklung wesentlich komplexer ist als sie nach außen hin scheint. Besonders der Beruf des Game Designers wird außerhalb der Industrie stark romantisiert. Natürlich gibt es diejenigen, die sich Spielwelten, Geschichten und Mechaniken ausdenken, aber die meisten verbringen den Großteil ihrer Zeit vor Tabellen und schubsen Zahlen hin und her, um eine virtuelle Wirtschaft oder das Kräftegleichgewicht zwischen Charakteren auszubalancieren.

Träume sind Schäume

"Ich zeichne sehr gern und gut, deswegen möchte ich Concept Artist werden." Über diesen oft gehörten Wunsch kann ich mit meinem heutigen Wissensstand leider nur noch müde lächeln. Viele Studios haben einen einzigen Zuständigen für ihre Konzepte oder es ist Teil der Jobbeschreibung der "normalen" Artists. Mit Zeichentalent allein habt ihr in der Branche schlechte Aussichten. Technikversierte Menschen sind da schon eher gefragt. Charaktere erstellen, Welten bauen, Bewegungsabläufe animieren - das alles läuft über umfangreiche Programme, die für den Laien kaum Sinn ergeben.

Mit beispielsweise ZBrush können geübte Nutzer atemberaubende Dinge erschaffen:

Einige unserer Dozenten waren leider nicht die besten Lehrer, da sie einfach schon sehr tief in der Materie waren und es ihnen schwer fiel sich in uns Noobs hineinzuversetzen. Andere unterrichteten glücklicherweise so, dass ich sie gar nicht missverstehen konnte. Für mich hat sich schnell herauskristallisiert, dass ich die durchaus komplexen Animations-Prozesse unglaublich interessant finde. In den folgenden Semesterprojekten war ich deshalb quasi als Puppenspieler tätig und habe die Charaktere nach meiner Pfeife tanzen lassen.

Vitamin B ist kein Mythos

Die Arbeit hat mir großen Spaß gemacht, aber mir hat der Bezug zur Gesamtheit der Videospielwelt gefehlt. Deswegen bin ich nach meinem Abschluss in Richtung Journalismus gedriftet. Beide Bereiche haben eine große Gemeinsamkeit: es ist unglaublich schwer reinzukommen. Wie so oft garantiert ein Studium keinen Job im erlernten Fach. Für mich hat sich die Zeit an der GA schon vor allem deswegen gelohnt, weil ich viele Menschen kennengelernt habe, die nicht nur gut Freunde wurden, sondern die mir auch beim Einstieg ins Berufsleben geholfen haben.

Daedalic Entertainment arbeitet gerade am futuristischen "State of Mind". Das Hamburger Entwicklerstudio ist weltweit bekannt.Daedalic Entertainment arbeitet gerade am futuristischen "State of Mind". Das Hamburger Entwicklerstudio ist weltweit bekannt.

Ohne Beziehungen oder absolut herausragende Fähigkeiten ist es wirklich schwierig Zugang zur immer noch recht kleinen deutschen Szene zu finden. Die Zahl der Studios im Heimatland ist begrenzt und statt am nächsten Crysis zu arbeiten, müsst ihr eure neugewonnenen Fähigkeiten vielleicht erstmal für etwas nutzen, dass so gar nicht mit eurem Traum vom Videospielentwickler zu tun hat. Natürlich ist aber nicht alles so schwarz zu sehen. Mit Durchhaltevermögen, harter Arbeit und Geduld könnt ihr es auch zu Bethesda oder Ninja Theory schaffen und den Beruf ausüben, von dem andere nur träumen.

Tags: Schwerpunkt Jobs  

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