Zensur in Deutschland: Warum nicht jeder Schnitt eine Zensur bedeutet

(Special)

von René Wiesenthal (08. Dezember 2017)

„Eine Zensur findet nicht statt.“ – so steht es im Grundgesetz. Doch nicht jedes Videospiel erreicht Deutschland unverändert, manche sind überhaupt nicht erwerblich. Skandal! Zensur? Nicht unbedingt. Wir sagen euch, was es wirklich heißt, wenn von Zensur die Rede ist.

Schnittmaßnahmen bei Videospielen haben unterschiedliche Gründe, werden aber häufig pauschal mit dem Vorwurf der Zensur quittiert. Dem in der Verfassung verankerten Grundsatz der Zensurfreiheit wird Deutschland dadurch gerecht, dass keine sogenannte Vorzensur stattfindet. Das bedeutet, dass Videospiele nicht in erster Instanz durch die Hände staatlicher Beamter gehen, oder gar geprüft wird, ob Meinungen oder Darstellungen regierungskonform sind. Das ist ein hohes Gut! Natürlich kann aber nicht jeder Entwickler alles auf den Markt werfen, wonach ihm der Sinn steht.

Ohne Kontrolle bestünde die Gefahr, dass durch Spielinhalte Gesetze verletzt werden könnten, beispielsweise der Jugendschutz. Wie wird dieses scheinbare Dilemma gelöst? Zunächst stuft die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) Spiele nach ihrer Alterstauglichkeit ein. Dabei orientiert sie sich an gesetzlichen Vorgaben. Seitens der Entwickler ist die Prüfung freiwillig, wird aber fast ausnahmslos durchgeführt, da ein Vertrieb andernfalls erschwert würde. Oft geben Publisher deshalb schon im Vorfeld Anpassungen am eigenen Spiel in Auftrag, um vom Herkunftsland abweichenden Gesetzen gerecht zu werden, oder die Chance auf eine niedrigere Alterseinstufung zu erhöhen.

Zu jung, zu nackt - Schnipp, schnapp!

Auch kulturelle Eigenheiten verschiedener Länder können Anlass für Änderungen und Schnitte sein. Beispielsweise entschied Nintendo bei Xenoblade Chronicles X, dass einige freizügige Outfits für die 13-Jährige Lin im Westen Anstoß erregen würden und bedeckten sie präventiv.

Publisher erhoffen sich durch solche Anpassungen, dass die Akzeptanz für deren Spiele und somit auch der Absatz steigt. Stellt die USK fest, dass Spielinhalte grenzwertig sind, schaltet sie die BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) ein. Je nach Spielinhalt hat diese dann tatsächlich die Möglichkeit der Indizierung. Doch was heißt das?

Lin aus Xenoblade Chronicles X (links im Bild) wurde für den deutschen Markt zugeknöpft.Lin aus Xenoblade Chronicles X (links im Bild) wurde für den deutschen Markt zugeknöpft.

Wird ein Spiel bei Indizierung auf die so genannte Liste A gesetzt, darf es zwar verkauft, aber nicht mehr beworben werden. Spiele, die auf Liste B landen, dürfen unter Umständen nicht verkauft, aber nach wie vor straffrei besessen werden. In so einem Fall spricht man von einer Beschlagnahmung. Diese Maßnahme kann also durchaus als Nachzensur bezeichnet werden. Allerdings dient sie nicht der Unterdrückung unliebsamer Meinungen. Ein solch extremer Eingriff soll vielmehr sicherstellen, dass keine verfassungsfeindlichen Inhalte in Umlauf geraten.

Im Original voller verfassungsfeindlicher Symbole: Wolfenstein 2 - The New Colossus

Trotz - oder vielleicht sogar wegen - des komplexen Regulierungsapparates werden Schnitte und Zensuren in Deutschland kontrovers diskutiert. Was haltet ihr von den gesetzlichen Regelungen bezüglich Videospielinhalten? Würdet ihr euch seitens der Publisher mehr Mut bei Lokalisierungen wünschen? Schreibt es uns in die Kommentare!

Tags: Indizierung   Politik   Uncut  

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