Warum "Call of Duty"-Momente mehr sind als pure Effekthascherei

(Special)

von Robert Kohlick (09. Dezember 2017)

Call of Duty - die Spielereihe verkauft sich mit ihren jährlichen Ablegern millionenfach und schafft es immer wieder die Spieler in ihren Bann zu ziehen. Während die Reihe vor allem wegen ihrer schnellen Action und den bombastischen Zwischensequenzen bekannt ist, in denen regelmäßig Haus und Hof in die Luft fliegen, gibt es auch immer wieder Momente, in denen Call of Duty etwas über die Stränge schlägt. Statt sensible Themen mit Samthandschuhen anzufassen, wird lieber zum Vorschlaghammer gegriffen. Wir denken hier vor allem an die Mission "Kein Russisch" aus Call of Duty - Modern Warfare 2, in der ihr aktiv an einem Terroranschlag teilnehmt, der unzähligen Zivilsten und Polizisten das Leben kostet. Ein reiner PR-Stunt? Oder steckt hinter solchen Szenen vielleicht doch mehr, als ihr denkt?

Bis zur Grenze und darüber hinaus

Wehrlose Zivilisten am Flughafen ermorden - geht das zu weit? Call of Duty warf damals im Jahr 2009 mit dieser Szene eine interessante Frage auf, die nicht nur von den Spielemagazinen, sondern auch von Tageszeitungen und anderen Medien aufgegriffen wurde. Dürfen Videospiele solche Dinge überhaupt darstellen? Die Serie versucht stets die Grenzen des Mediums auszuloten und sie gegebenenfalls zu brechen. Wäre diese Szene ein Ausschnitt in einem Film gewesen, hätte sich wahrscheinlich niemand darüber echauffiert, aber die Tatsache, dass es sich hierbei um ein Videospiel handelt, in denen Spieler AKTIV an dem Massaker teilnehmen können, scheint viele Leute vor den Kopf gestoßen zu haben und goss wieder Öl ins Feuer der bundesweiten so genannten "Killerspieldebatte".

Während der Abschuss von Zivilisten in der deutschen Version zum "Game Over" führte, erschien die internationale Version ungeschnittenWährend der Abschuss von Zivilisten in der deutschen Version zum "Game Over" führte, erschien die internationale Version ungeschnitten

Obwohl die Kontroverse rund um diese Szene für negative Furore sorgte, sollten wir den Entwicklern von Infinity Ward und dem Publisher Activision dafür danken. Diese und weitere "schlimme" Szenen haben dafür gesorgt, dass sich Videospiele heutzutage viel mehr trauen dürfen als noch vor zehn Jahren. Dieser Erfolg ist natürlich nicht alleine Call of Duty zuzurechnen, sollte ihnen jedoch trotzdem zu Gute gehalten werden - selbst wenn das Ganze am Ende doch nur als Marketing-Aktion geplant war.

Videospiele sind Kulturgut

Durch diese und andere Kontroversen hat es Call of Duty immer wieder geschafft, nicht nur in der Spielepresse Schlagzeilen zu machen, sondern machte auch andere Medien auf sich aufmerksam. Schlagzeilen in Zeitungen, Erwähnungen im Fernsehen - und das, obwohl es sich doch "nur" um ein Videospiel handelt. So langsam dämmerte den Medien, dass Videospiele inzwischen im Alltag der Menschen eine immer wichtigere Rolle spielen und es sich somit auch für sie lohnen könnte, darüber zu berichten. Das sorgte nicht nur dafür, dass sich inzwischen immer mehr Leute für das Thema interessieren, sondern auch, dass die Gesellschaft anfängt Videospiele und auch Videospieler mit anderen Augen zu sehen.

Wir sind keine bleichgesichtigen, übergewichtigen Kellerkinder, sondern ganz normale Menschen, die einem ganz normalen Hobby nachgehen. Bereits im Jahr 2008 wurden Videospiele vom Deutschen Kulturrat offiziell als Kulturgut klassifiziert, ein echtes Umdenken fand deswegen innerhalb der Gesellschaft jedoch nicht statt. Mit langsamen und vorsichtigen Schritten versucht sich das Medium Videospiel neben Filmen und Kunstwerken als gleichwertige Kunstform zu etablieren - und dabei helfen auch solche kontroversen Szenen aus Call of Duty.

Wie habt ihr diese Szenen damals wahrgenommen, als ihr sie zum ersten Mal gespielt habt? Habt auch ihr hier geschluckt und wart kurz vor den Kopf gestoßen? Oder habt ihr damit bei der Serie noch nie ein Problem gehabt? Schreibt es uns einfach in die Kommentare.

Tags: Singleplayer   Multiplayer  

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