Videospiel-Psychologie: Sagt uns, wie ihr spielt und wir sagen euch, wer ihr seid

(Special)

von Emily Schuhmann (10. Dezember 2017)

Persönlichkeitstests sind absoluter Unsinn, oder? Eigentlich macht ihr sie doch nur, um euch über das Ergebnis lustig zu machen. Allerdings bestätigen Ausnahmen die Regel.

Blaue Teams sind besser in taktischen Spielen, rote Teams dominieren hingegen in Wettkämpfen, bei denen es auf schnelle Reaktionen und Aggressivität ankommt - das ist wissenschaftlich bewiesen. Unsere Psyche hat einen großen Einfluss auf unsere Art zu spielen und umgekehrt gibt unser Verhalten in virtuellen Welten oft Aufschluss darüber, wie unser Kopf eingestellt ist. Farbenpsychologie ist nur einer der vielen Bereiche in denen Wissenschaftler forschen.

Es gibt viele unterschiedliche Arten von Spielen und nicht jedes Spiel ist für jede Person gleichermaßen interessant. Was uns anspricht, ist Geschmackssache und darüber lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Es gibt allerdings zahlreiche Theorien und Modelle, die versuchen zu erklären, welcher Typ Mensch, mit welcher Art Spiel glücklich wird, beziehungsweise versuchen abzuschätzen, wie sich dieser oder jener Spieler in einer bestimmten Situation entscheiden würde.

Game Designer arbeiten mit vielen psychologischen Tricks, um euch zu lenken oder orientieren sich an definierten Spielertypen, um eine Erfahrung perfekt auf die Zielgruppe zuzuschneiden. Zwei bekannte Persönlichkeitstests spielen hierbei eine wichtige Rolle. Einer von beiden richtet sich zwar eigentlich an Spieler von MMORPGs, doch da unglaublich viele Genres immer mehr in diese Richtung driften (Spiele als Dienstleistung sind jahrelang aktiv und jedes zweite Spiel hat bereits einen Online-Modus) sind die Ergebnisse mittlerweile auch für andere Bereiche relevant.

200 Prozent Gamer

Der Bartle-Test klassifiziert Spieler von Mehrspieler-Onlinespielen in vier Typen: Killer, Socializer, Achiever und Explorer. Dr. Richard Bartle beschäftigte sich in seiner Forschung mit virtuellen Welten und definierte diese Archetypen. Der Test stammt jedoch nicht von Dr. Bartle selbst, basiert aber auf seinen Forschungen. Er wird einerseits von neugierigen Spielern eingesetzt, aber andererseits auch von Entwicklern, um ihre Spiele besser auf ihre Spielerschaft abstimmen zu können.

Nach insgesamt 30 Fragen mit je zwei Antwortmöglichkeiten teilt euch der Test euren "Bartle-Quotient" mit. Insgesamt verteilt er 200 Prozentpunkte, aber keine einzelne Kategorie kann 100 Prozent übersteigen. Achiever wollen möglichst viel erreichen. Das können Level, Gegenstände oder eine hohe Ranglistenplatzierung sein. Erkundung ist das oberste Ziel der Explorer, sie wollen alles über das Spiel in Erfahrung bringen. Für Socializer steht die friedvolle Interaktion mit anderen im Vordergrund. Im Gegensatz dazu strebt der Killer Konflikt und Wettbewerb mit anderen Spielern an.

Ob World of Warcraft, The Elder Scrolls Online oder Guild Wars 2 - in allen MMOs tummeln sich Menschen mit sehr unterschiedlichen Spielmotivationen.Ob World of Warcraft, The Elder Scrolls Online oder Guild Wars 2 - in allen MMOs tummeln sich Menschen mit sehr unterschiedlichen Spielmotivationen.

Wer sein Spielverhalten gern selbst analysieren möchte, kann das hier tun. Die Website "4you2learn" hat zwar Killer durch Griefer ersetzt, aber der Test ist originalgetreu. Der Wortwechsel liegt wohl am jungen Zielpublikum und vermutlich sind sich die Betreiber der Seite nicht bewusst, dass Griefer tatsächlich die Bezeichnung einer Spielergruppe ist. Griefer sind Spielverderber und machen anderen mit Absicht das Leben schwer. Dagegen sind Killer mit ihrer PvP-Leidenschaft direkt harmlos.

ENFP-A, ISTJ-T ... äh, bitte was?

Psychologe Carl Gustav Jung hatte ziemlich sicher keine Ahnung, dass er mit seinen Beobachtungen des menschlichen Verhaltens einen so großen Trend begründen würde. Er bemerkt, dass der Umgang von Menschen mit ihrer Umwelt sehr unterschiedlich war, notierte Charakteristika und benannte sie. Katherine Cook Briggs und ihre Tochter Isabel Myers griffen seine Arbeit auf und führten Messungen durch. Sie nutzten die Ergebnisse, um Persönlichkeitseinschätzung in Form des Myers-Briggs-Typenindikators kommerziell anzubieten.

Der Original-Fragebogen ist nur gegen Gebühr über lizenzierte Trainer erhältlich, in der Regel verbunden mit einem anschließenden Beratungsgespräch. Beispielsweise wird er sogar von Eheberatern eingesetzt. In Amerika findet der MBTI in den Personalabteilungen zahlreicher großer Unternehmen Anwendung. 16 Personalities ist eine der kostenlosen Varianten des Tests, die in über 35 Sprachen übersetzt wurde und das Konzept sogar noch erweitert. Die Teilnahme dauert knapp zehn Minuten und ordnet euch einem der besagten 16 Persönlichkeitstypen zu.

Unser eigener Test ordnet euch hingegen gleich einer bestimmten Spielerkategorie zu:

Jeder MBTI-Typ ist einer Kombination von fünf Buchstaben zugeordnet, die für bestimmte Eigenschaften stehen. Introvert oder Extrovert. INtuitive und ObServent sind weniger offensichtliche Gegenstücke. N-Typen orientieren sich an existierenden Mustern, während S-Typen Dinge selbst erfahren müssen. Thinking und Feeling sind schon wieder verständlicher: hier stehen sich Logiker und Gefühlsmenschen gegenüber. Dann kommt noch die Unterscheidung zwischen ordnungsliebend (Judging) und flexibel (Perceiving). Das letzte Buchstabenpaar gibt es nur in dieser Variante und es gibt an, wie selbstbewusst ihr seid. Assertive, also sehr sicher oder doch eher Turbulent?

In der Praxis

Auch wenn es für viele spannend genug ist, mehr über die eigene Psyche zu erfahren: Was genau hat der Myers-Briggs-Typenindikator jetzt mit Videospielen zu tun? Nun, wie auch schon der Bartle-Test erlaubt er es Entwicklern, ihr Game Design auf bestimmte Typen abzustimmen, die den Großteil ihrer Zielgruppe ausmachen.

"The Game Theorists"-Kanal auf YouTube hat vergangenes Jahr ein interessantes Experiment durchgeführt, das die Korrelation zwischen diesem Test und verschiedenen Arten von Spielern aufzeigt. Für alle die Life is Strange noch nicht durchgespielt haben und das noch vorhaben: dicke, fette Spoilerwarnung! Mittelpunkt des Experiments sind die letzten Spielmomente. Zockt es zu Ende, kommt dann wieder und lest weiter.

SPOILER - SPOILER - SPOILER

Über 25.000 Menschen beantworteten eine simple Umfrage der Spieletheoretiker: Was ist euer Persönlichkeitstyp nach Myers-Briggs und habt ihr Chloe am Ende von Life is Strange zum Wohl der Stadt Arcadia Bay geopfert? Die Entscheidung zwischen der besten Freundin und tausenden von Unschuldigen ist ein Albtraum. Im Spiel könnt ihr Entscheidungsstatistiken einsehen und diese Wahl teilt die Spielerschaft ziemlich genau in zwei gleichgroße Lager teilt.

MatPats Experiment zeigt ein anderes Ergebnis: knapp 72 Prozent entschieden sich gegen Chloe. Und auch bei den MBT-Typen zeigte sich etwas Außergewöhnliches. Normalerweise lassen sich zwei Drittel aller Menschen dem S-Typ zuordnen, während die N-Typen klar in der Minderheit sind. Unter den Befragten war das Verhältnis genau umgekehrt und das häufigste Gesamtergebnis war INPF - der "Mediator", der laut Beschreibungen, mit Vorliebe Theorien aufstellt. Das Publikum passt also zum Kanal und besteht aus einer ganz bestimmten Spielergruppe: rational denkenden Chloe-Mördern.

Wie sehen eure Ergebnisse aus? Geben sie euer Verhalten und Spielen und der echten Welt wieder? Verratet uns doch in den Kommentaren, was ihr von der Kombination aus Psychologie und Gaming haltet.

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