Cyber-Währungen in Games: Gehen diese Auswüchse zu weit?

(Special)

von René Wiesenthal (15. Dezember 2017)

Derzeit kann man das Internet kaum betreten, ohne vom Bitcoin zu lesen. Da geben Menschen doch wirklich Geld für etwas aus, das nicht in physischer Form vorliegt. Das sollte gerade für Gamer eigentlich nicht ungewöhnlich sein. Der Handel mit Ingame-Währung treibt schon seit langem außergewöhnliche Blüten.

Virtuelle Währungen sind faszinierend, da ihre Existenz für viele Menschen schwer zu begreifen ist. Wie kann es sein, dass etwas einen Wert hat, das gar nicht wirklich da ist? Dabei leben wir längst in Zeiten, in denen virtuelle Güter und Währungen einen Geldwert besitzen. Wenn jemand zum Beispiel Ingame-Inhalte von seinen „echten“ Ersparnissen erwirbt, sind ihm zusätzliche Erweiterungen offensichtlich weitere Zahlungen wert.

Oft wird in Spielen mit eigens für sie entwickelten, digitalen Währungen bezahlt. Diese haben eine Gemeinsamkeit mit besagtem Bitcoin: Je größer die Akzeptanz, desto höher die Nachfrage. Und ab einem gewissen Punkt lassen sich Einheiten des digitalen Mammons mit hohen Echtgeldbeträgen aufwiegen. Damit bekommen Cyber-Währungen für die Realität zunehmend Bedeutung, was mitunter erstaunliche Entwicklungen in Gang setzt.

Venezuela – Nebenjob: Browsergamer

Was passiert zum Beispiel, wenn der Wert von Ingame-Geld so hoch ist, dass er den einer nationalen Währung übersteigt? So geschehen in Venezuela, wie wir bereits im August berichteten. Vor wenigen Tagen meldete nun Gameswirtschaft erneut kuriose Vorgänge aus dem südamerikanischen Staat.

Inflationsbedingt ist der Bolivar, die Währung des Landes, so gut wie nichts mehr wert. Um über die Runden zu kommen, farmen mehr und mehr Teile der Bevölkerung digitales Geld in Online-Games und tauschen dieses wiederum gegen US-Dollar oder Bitcoins. Besonders skurril ist, dass dadurch das Browsergame „Tibia“ vom Regensburger Entwicklerteam CipSoft in Venezuela boomt. Der Grund ist, dass das Spiel dank seines hohen Alters auch auf schwachen Rechnern mit schlechter Internetverbindung läuft und somit perfekt geeignet ist für den Nebenerwerb.

Durch die Mengen an gefarmtem Ingame-Geld zeichnet sich aber auch hier schon wieder ein Werteverlust ab. Die Geschichte wiederholt sich.

WoW rechts außen: Steve Bannon und World of Warcraft

Stephen Kevin Bannon, kurz Steve Bannon, ist unter anderem Leiter und Redakteur der rechtspopulistischen Webseite Breitbart News und war kurzzeitig Mitarbeiter im Stab von US-Präsident Donald Trump. Was viele nicht wissen: Vor alledem war er Teilhaber an einem Unternehmen namens „Internet Gaming Entertainment“. Wie wir berichteten, verdient IGE sein Geld damit, Inhalte aus Spielen wie World of Warcraft gegen Echtgeld zu verkaufen. Die meisten Einnahmen generiert das Unternehmen durch den Verkauf von Ingame-Gold.

Im Fall von Steve Bannon hat das dazu geführt, dass er auf recht einfache Weise finanzielle Ressourcen für spätere Projekte erwirtschaften konnte. Oder anders gesagt: Die Goldkäufe der Spieler haben dazu beigetragen, eine der einflussreichsten Figuren der so genannten "Alt-Right" in Amerika zu unterstützen. Grundsätzlich ist es ratsam, Angebote für Ingame-Währungen durch Drittanbieter zu meiden. Auch den Publishern sind sie meist ein Dorn im Auge.

Eve Online – Teurer Blechschaden im Cyber-All

Das MMO-Science-Fiction-Spiel Eve Online ist bekannt dafür, dass die Community sehr viel Zeit, Geld und Energie darauf verwendet, ein konsistentes Universum zu bieten, in dem sie eigene Geschichten und Koalitionen erschaffen. Ein festes Element des Spiels sind sogenannte PLEX.

„Das Blutbad von B-R5RB“ hat Spieler einiges an Schiffen gekostet - und Echtgeld. „Das Blutbad von B-R5RB“ hat Spieler einiges an Schiffen gekostet - und Echtgeld.

Diese werden unter anderem genutzt, um auf dem internen Marktplatz Handel zu betreiben. Spieler können sich beispielsweise neue Raumschiffe von der Ingame-Währung kaufen, die man gegen echtes Geld eintauschen kann. Wer Eve Online kennt, weiß, dass die zwischen Spielern geschlossenen Fraktionen dort mitunter in wochenlangen Weltraumschlachten gegeneinander antreten. Wie die Kollegen von GameStar berichten, wurden in einem dieser Gefechte, das als „Das Blutbad von B-R5RB“ bezeichnet wird, digitale Schiffe im Wert von umgerechnet rund 240.000 Euro zerstört. Die Summe wurde in einer Zeitspanne von etwa 21 Stunden verheizt.

In Eve Online könnt ihr in riesige, kostspielige Weltraumschlachten geraten

Lordmancer 2 – Der freie Markt

Wie am Beispiel von World of Warcraft bereits erwähnt, wollen Publisher in der Regel verhindern, dass sich Dritte durch den Verkauf von Ingame-Inhalten bereichern. Es gibt aber auch das genaue Gegenteil: Lordmancer 2 ist ein MMO-Rollenspiel, das sich derzeit im Beta-Test befindet und den freien Handel forcieren möchte. Spieler sind dazu angehalten, Inhalte mittels der spieleigenen Kryptowährung zu tauschen.

Quelle: Lordmancer 2 - FacebookQuelle: Lordmancer 2 - Facebook

Die so genannten "Lord Coins" wiederum sind gegen echtes Geld erhältlich und sollen wie Bitcoins auch außerhalb des Spiels ausgegeben werden können. Damit stellen sie eine Fusion aus Ingame- und Kryptowährung dar. Es gehört bei Lordmancer 2 also zum erklärten Spielprinzip, durch das Spielen echte Werte zu erwirtschaften.

Sollten Kryptowährungen weiter in ihrer Popularität steigen, wird es spannend zu sehen, inwieweit die Verflechtungen zwischen Spielwelt und Echtgeld voranschreiten. Am Beispiel von Lordmancer 2 zeigt sich, wie weit diese schon weiterentwickelt und zum Teil auch gewünscht sind. Was haltet ihr von diesen Entwicklungen? Schreibt uns eure Meinungen dazu in die Kommentare!

Tags: Multiplayer   Politik  

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