Gedankenexperiment: Eine Welt in der Spiele erscheinen, wenn sie fertig sind

(Kolumne)

von Emily Schuhmann (17. Dezember 2017)

Gestrichen, unterbrochen, verschoben - das sind Worte, die kein Spieler im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des ungeduldig erwarteten Videospiels hören möchte. Aber wie sähe eine Welt ganz ohne Ankündigungen aus? Kein Release-Datum, kein Trailer, nichts.

Als ich klein war, also noch kleiner als jetzt, hatte ich keine Ahnung wann irgendein Spiel erscheint. Besuche in Elektronikmärkten waren wie eine Wundertüte, da ich nie wusste, was mich erwartet. Eine neue Pokémon-Edition oder vielleicht mal wieder ein Spiel der "Mario Kart"-Reihe? Das Internet steckte damals, genau wie ich, noch in den Kinderschuhen. Mal eben kurz online gehen und nachschauen, wann ein Spiel erscheinen soll war keine Option. Natürlich gab es schon damals Videospielmagazine, aber so sehr ich mein Hobby liebte, das Taschengeld war oft knapp.

Erst kürzlich kündigte Ubisoft die Verschiebung dreier Spiele an, darunter Far Cry 5. Auch Fans von Ni No Kuni - Der Fluch der weißen Königin, die sehnsüchtig auf die Fortsetzung warten, müssen sich ein wenig länger gedulden. Keine Einzelfälle, denn verschobene oder sogar gestrichene Spiele sind heutzutage bei weitem keine Seltenheit. Anfang des Jahres wurde Scalebound aufs Abstellgleis verlegt und Sea of Thieves dümpelt auch schon seit über zwei Jahren seiner Veröffentlichung entgegen. Zwei fast schon absurde Beispiele sind The Last Guardian und Final Fantasy 15. Ersteres erschien sieben Jahre nach seiner Ankündigung, das Abenteuer von Prinz Noctis lies sogar zehn Jahre auf sich warten.

Seit kurzem lässt mich deshalb ein Gedanke nicht mehr los: Was wäre, wenn wir das ganze Konzept einer Ankündigung einfach vollkommen streichen würden? Spiele würden dann erscheinen, wenn sie fertig sind und vorher hört ihr nichts von ihnen.

Vorfreude im Tausch gegen Sicherheit

Vorfreude auf ein Spiel könnte so natürlich nicht mehr aufkommen. Mir fallen aber spontan einige Menschen ein, die damit kein Problem hätten. Mehrere meiner Bekannten haben sich beispielsweise nur wegen des neuen, angekündigten "The Legend of Zelda"-Spiels eine Nintendo Wii U zugelegt. Jahre vergingen, die Konsole floppte und als das Spiel unter dem Namen The Legend of Zelda - Breath of the Wild endlich erschien, kam es verbessert auch für Nintendo Switch. Solche Momente würden ohne Ankündigungen der Vergangenheit angehören.

Zum Zeitpunkt dieses Entwickler-Specials war Breath of the Wild nur für Wii U geplant

Ihr könntet euch ohne Trailer und Vorabinformationen auch nicht mehr spoilern. Zugegebenermaßen gehört die Zeit vor der Veröffentlichung, in der die Community anhand von klitzekleinen Details Theorien aufstellt, zu meinen liebsten. Das gemeinsame Rätseln würde mir definitiv fehlen. Insgesamt wäre die Zeit vor einem Spiel weniger emotional, aber dafür wäre nach dem Release die Aufregung umso größer und alle könnten mit dem gleichen Wissensstand loszocken und die jeweilige virtuelle Welt erforschen.

Weniger Stress und keine Vorbestellungen

Vermutlich wären viele Entwickler vollkommen begeistert von so einer Änderung. Designer, Programmierer und Artists stehen ständig unter Strom, um ihre Arbeit pünktlich abzuliefern, damit es keine langen Gesichter bei den Spielern gibt. Ein Verzicht auf öffentliche Ankündigungen würde selbstverständlich nicht den vollständigen Wegfall von Deadlines bedeuten. Innerhalb des Unternehmens können Verzögerungen natürlich noch immer für gigantische Probleme sorgen. Da aber nichts nach außen kommuniziert wird, bleibt den Entwicklern immerhin der Kritik-Hagel der Spielerschaft erspart.

Ein großartiges Spiel, aber die unzähligen, verschiedenen Vorbesteller-Editionen waren einfach nur verwirrend und unnötig.Ein großartiges Spiel, aber die unzähligen, verschiedenen Vorbesteller-Editionen waren einfach nur verwirrend und unnötig.

Weniger glücklich wären vermutlich die Zuständigen in den Marketing- und PR-Abteilung. Ohne eine Ankündigung, also ohne Trailer, Pressemeldungen und Beta-Phasen ist Werbung natürlich unmöglich. Diese Berufsgruppen müssten ihren gesamten Einsatz auf die Zeit der Veröffentlichung und die folgenden Tage, Wochen und Monate konzentrieren. Auch die oft kritisierten Vorbestellungen wären nicht länger möglich, niemand kann etwas vorbestellen, von dem er nichts weiß.

Möglicherweise wäre so eine Umstellung sogar endlich ein Anlass Schluss mit den verfluchten "Day 1"-Patches zu machen und endlich wieder fertige Videospiele zu verkaufen.

Mein Fazit

Natürlich sind das alles nur Spinnereien, aber meiner Meinung nach sollten wir immer mal wieder den Status Quo hinterfragen und uns überlegen, ob es auch anders ginge. Persönlich könnte ich zwar gut und gerne auf die Enttäuschung verzichten, die mit verschobenen oder abgebrochenen Projekten einhergeht, aber im Endeffekt bin ich trotzdem gegen die Idee. Zum einen genieße ich Zeit zwischen Ankündigung und Veröffentlichung mit all den Theorien und Informations-Schnipseln zu sehr und zum anderen liebe ich meinen Job zu sehr.

Was haltet ihr von diesem kleinen Gedankenexperiment? Würdet ihr gern in so einer Welt leben? Verratet uns eure Meinung in den Kommentaren?

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