Vorschau Far Cry 5: Seelen ernten sich nicht von selbst

von Micky Auer (15. Dezember 2017)

Ubisoft lädt zum Anspieltermin von Far Cry 5 und wir nehmen die Einladung natürlich dankend an. Was wir in London zu sehen bekamen, war zwar nicht überraschend, aber auf jeden Fall unterhaltsam.

Das erwartete uns am Eingang zum Event: Seelen ernten sich nicht von selbstDas erwartete uns am Eingang zum Event: Seelen ernten sich nicht von selbst

Die vermeintlich schlechten Nachrichten zuerst: Wie bereits bekannt ist, werden drei kommende Ubisoft-Spiele weiter nach hinten verschoben. Eines davon ist auch Far Cry 5, das wir vor kurzem bei einem Presse-Event von Ubisoft zwei Stunden lang anspielen durften. Damit ist eine Veröffentlichung für PlayStation 4, Xbox One und PC vorerst für den 27. März 2018 anberaumt.

Als Grund gibt Ubisoft an, dass "zusätzliche Verbesserungen" und das beste "'Far Cry'-Erlebnis" mehr Zeit benötigen. Ganz ehrlich? Kein Problem! Ich persönlich unterstütze solche verschmerzbaren Verzögerungen, wenn sie der Produktqualität zugute kommen (nicht jedoch, wenn größere Verschiebungen auf Kernprobleme in der Entwicklung hindeuten; da gehen bei mir die Alarmglocken an).

Nach dem, was wir im Zuge des Events sehen durften, dient die zusätzliche Zeit für die Entwickler wohl wirklich nur für den Feinschliff. Laut Aussagen des Producers benötigt der Koop-Part noch viel Arbeit. Jedoch macht das Spiel in seiner Gesamtheit bisher schon eine äußerst gute Figur.

Das Ende ist nah ... mal wieder

Für jene, die noch nicht wissen, worum es in Far Cry 5 geht: Nach den eher exotischen Schauplätzen der Vorgänger geht es diesmal ins fiktive Hope County im US-Bundesstaat Montana. Joseph Seed, ein dort ansässiger Priester ruft den bevorstehenden Kollaps der Zivilisation aus und erhebt sich selbst in den Stand eines Auserwählten.

Getauft wird hier, ob es euch passt oder nicht. Selbst, wenn ihr gefesselt zur Taufe geschleppt werdet.Getauft wird hier, ob es euch passt oder nicht. Selbst, wenn ihr gefesselt zur Taufe geschleppt werdet.

Um ihn scharrt er Gefolgsleute, die ihm im blinden Glauben unterstehen. Seine Organisation "Eden's Gate" wird schnell zu einem radikalen Kult, der die Menschen in der Abgelegenheit von Montana terrorisiert, einschüchtert, verschleppt, foltert und tötet, wenn sie anderer Meinung sind. Hier kommt ihr ins Spiel: Als Deputy Sheriff (wahlweise männlich oder weiblich) stärkt ihr die Widerstandsgruppe in Hope County, um letzten Endes Joseph Seed zur Strecke zu bringen.

Im Zuge des Events wurde ein bislang ungesehener Teil der Karte freigegeben. Der riesengroße Abschnitt ist unmöglich in der Zeit zu beenden, die uns zur Verfügung stand. Das ist auch so gewollt. Denn alle anwesenden Kollegen sind vom Startpunkt aus in eine andere Richtung losgezogen, um ihre persönlichen Abenteuer zu verfolgen. Das demonstriert, wie offen nicht nur die Spielwelt ist, sondern wie individuell sich die Herangehensweise an die Lösung einzelner Aufgaben gestalten lässt.

Hillbilly-Atmosphäre zu schmissiger Musik: Der neue Trailer zeigt, was euch in Montana erwartet.

Far Cry 5 verfügt über einen eindeutig nachvollziehbaren Handlungsbogen, bietet euch aber unzähle Nebenmissionen, die ihr ganz nach Belieben angehen dürft. Klar, einige Bereiche erfordern den Abschluss wichtiger Missionen, jedoch überwiegt die Freiheit der Erkundung. So bestimmt ihr auch selbst, wie leicht oder wie schwer die Aufgaben für euch werden. Hebt ihr im Alleingang einen Stützpunkt von Eden's Gate aus? Oder sichert ihr euch lieber vorher die Unterstützung eines Verbündeten, der euch im Kampf zur Seite steht?

Die Art der Unterstützung hängt vom jeweiligen Charakter ab. Sniper, Luftunterstützung, tierischer Begleiter - Die Auswahl verspricht Vielfalt und unterstützt ganz bestimmte Spielstile. Die Wahl liegt auch hier wiederum bei euch.

Hope County - Der Ort, an dem jeder eine Waffe trägt

Die zentrale Spielmechanik entspricht der eines Ego-Shooters. Ihr verfolgt das Geschehen strikt durch die Augen der Hauptfigur. Gehen, Rennen, Ducken und Springen sind eure Forbewegungs-Optionen, Waffenwechsel per Auswahlrad, Feuerwaffen, Bogen und diverse Granaten und Explosivstoffe sowie Nahkampfwaffen helfen euch, euer Überleben gegen den Kult zu sichern.

BBQ - Yay! Der nette Herr mit dem Flammenwerfer steht glücklicherweise auf eurer Seite.BBQ - Yay! Der nette Herr mit dem Flammenwerfer steht glücklicherweise auf eurer Seite.

Die Shooter-Mechanik ist auf jeden Fall mindestens stabil, benötigt vielleicht aber an der einen oder anderen Stelle noch etwas Feinschliff. So hatte ich - ebenso wie einige der Anwesenden Kollegen - den Eindruck, dass der Schwierigkeitsgrad mitunter noch etwas harsch ausfällt. Vor allem Spieler, die gerne die vorsichtige und heimliche Herangehensweise wählen, erleben ein paar Mal zu oft, dass sie plötzlich wie aus dem Nichts von allen Seiten unter Beschuss genommen werden, obwohl nicht ersichtlich ist, was sie nun eigentlich falsch gemacht haben.

Selbst versierten Shooter-Spielern fiel auf, dass sie den Ladebildschirm nach dem virtuellen Ableben sehr oft zu sehen bekommen haben. Es bleibt zu hoffen, dass der zusätzliche Monat Entwicklungszeit auch dazu genutzt wird, solche Schwächen in der Balance auszubügeln.

Die Shooter-Mechanik selbst zeigt allerdings so gut wie keine Schwächen. Die Steuerung ist präzise, Kolissionsabfragen funktionieren sinnvoll, Nahkampf ist nicht überpowert. Die Deckungsmechanik ist nicht die bester aller Zeiten, aber sie erfüllt ihren Zweck, erfordert aber ein wenig Eingewöhnung. Der Kampf gegen menschliche Gegner funktioniert aktuell besser als gegen die wilde Tierwelt Montanas. Da kann es schon mal passieren, dass drei Kopftreffer gegen einen angreifenden Hund diesen nicht mal husten lassen. Hier bitte nochmal an den Reglern drehen, Ubisoft.

Ihr kommt allein nicht weiter? Holt euch die Hilfe der "Hired Guns" direkt im Spiel.

Nicht jede Aufgabe erfordert aber eure Fähigkeiten als Schütze. Auch hinter dem Lenkrad/Steuerknüppel geht es zur Sache. Wenn ihr erstmal in einem riesigen Truck sitzt, der schon auf den bezeichnenden Namen Widow Maker (Witwenmacher) hört und mit Vollgas durch die Straßensperren des Kults brettert, braucht ihr euch nicht mehr um Schleicherei und leises Vorgehehn kümmern. In fahrenden und fliegenden Vehikeln liegt der Fokus natürlich nicht auf einem superexakten Simulationserlebnis. Ihr sollt Spaß haben und der soll fühlbar sein. Mit mehreren Tonnen Blech unterm Hintern wollt ihr sicher nicht die Feinheiten eines Wendekreises ausloten, sondern lieber sehen, wie links und rechts von euch alles in Flammen aufgeht.

Erwähnte ich, dass der Widowmaker mit MGs ausgerüstet ist?

Von Bären, Truthähnen und Stinktieren

Hope County ist eine ländliche Gegend mit dichten Wäldern, gepflegten Feldern und idyllischen Seen. Auch Bergbau, Jagd und Fischerei werden für euch eine gewisse Rolle spielen. Der Stil der Präsentation ist realitätsnah, zumeist bunt, sonnig und überaus brutal. Der Kampf gegen einen Kult ist nun mal keine Spaßtour über die Landstraßen. Fanatismus und Menschenverachtung sind eine explosive Mischung, von der eure Gegner viel zu viel gekostet haben.

Rehe gehören noch zu den harmloseren Bewohnern der Gegend. Wartet mal, bis ihr auf Stinktiere trefft.Rehe gehören noch zu den harmloseren Bewohnern der Gegend. Wartet mal, bis ihr auf Stinktiere trefft.

Abseits der Verkehrswege könnt ihr euch einfach querfeldein bewegen, um ständig auftauchenden Vehikeln des Kults auszuweichen oder Straßensperren zu umgehen. Aber denkt nicht, das ihr im Wald gänzlich sicher seid. Die höchst lebendige Fauna von Montana kann euch ebenso schnell das Lebenslicht ausblasen wie zahnlose Hillbillys in Latzhosen. Dabei gibt es die eine oder andere Überraschung: Ein dicker Bär ist ganz klar eine Bedrohung. Aber versucht mal, einen Truthan zu stören oder in das Revier eines Stinktiers einzudringen. Ihr werdet euer blaues Wunder erleben!

Die Missionen sind vielfältig, die Karte öffnet sich rein durch eure eigene Forschungsarbeit. Es scheint, als wären die Zeiten der Ubisoft-Türme, die euch vorgegebene Bereiche der Karte eröffnen, wenn ihr sie erklettert/freischaltet/hackt, hiermit endgültig vorbei. Stattdessen nähern sich die kleineren Missionen viel stärker an den Haupterzählstrang an. Es gibt so viele davon, dass ihr vermutlich immer noch recht schnell vom Hauptgeschehen abgelenkt werden, jedoch lassen euch die Inhalte dieser Aufgaben nie aus dem Fokus verlieren, worum es eigentlich geht. Jede Story passt zur Hauptgeschichte. Eine Tugend, die hoffentlich von Ubisoft in kommenden Spielen nicht zu steril und repetitiv ausgeschlachtet wird.

Schon auf der E3 durften wir uns am Spiel versuchen. Seitdem hat sich viel getan.

Eure Taten bleiben nicht ohne Konsequenzen. Und zwar in jeder Hinsicht. Die Erfüllung von Aufgaben beschert euch Erfahrungspunkte, die für Stufenanstiege sorgen. Dafür wiederum gibt es Skill-Punkte, die ihr in zumeist passive Fähigkeiten investiert. Erwartet keine übernatürlichen Fantasy-Attacken, stattdessen praxisorientierte Verbesserungen wie die Fähigkeit, mehr Munition zu tragen oder Gegenstände schneller herzustellen. Die Charakterentwicklung liegt im Detail und unterstützt keine brachialen Veränderungen, sondern einen eher stetigen Fortschritt.

Je stärker der Widerstand durch eure Taten wird, desto mehr erregt ihr die Aufmerksamkeit des Kultes. Wo ihr hierbei im Fortschritt steht, verrät euch eine entsprechend Leiste. Ist der höchste Punkt erreicht, wird der örtliche Boss echt sauer auf euch und kommt aus seinem Versteck, um euch persönlich das Licht auszublasen. Soll er nur kommen!

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Tags: Open World   Koop-Modus   Singleplayer  

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