Das Ende der Netzneutralität: Was bedeutet das für uns Gamer?

(Kolumne)

von Micky Auer (18. Dezember 2017)

Der 14. Dezember 2017 ist ein Datum, an dem sich die Art und Weise wie wir uns im Internet bewegen und Inhalte konsumieren, voraussichtlich negativ verändert hat. Ob für immer oder wie lange - das sei dahingestellt. Auf jeden Fall hat an jenem Tag die Federal Communications Commission (Kurz: FCC; eine unabhängige Behörde, die Rundfunk, Satellit und Kabel regelt) mit einer Mehrheit von drei zu zwei dafür gestimmt, die Netzneutralität in den USA aufzuheben.

Das bedeutet, dass Internet-Provider fortan ausgewählte Inhalte monetarisieren oder blocken dürfen. Oder anders ausgedrückt: Zukünftig sind in den USA nicht mehr alle Inhalte in der gleichen Geschwindigkeit und/oder Einfachheit erreichbar.

Das Thema schlägt national und international hohe Wellen. Berechtigterweise, denn das Internet hat unser Leben stark verändert. Es ist nicht mehr wegzudenken, es ist in allen unseren Tagesabläufen, in unsere Freizeit, in unsere Berufe, in unser Konsumverhalten eingebunden. Viele von euch kennen vielleicht ein Leben ohne Internet gar nicht mehr, weil sie jung genug und in einer Zeit aufgewachsen sind, die bereits von Netzanbindung und Smartphones geprägt war.

(Quelle: YouTube, Jim Sterling)

Prominente YouTuber protestieren bereits auf recht anschauliche Weise gegen den gefassten Beschluss. Kein Wunder, denn auch sie sind direkt davon betroffen. Schließlich ist für sie die uneingeschränkte Erreichbarkeit ihrer Angebote die Basis für ihren Lebensunterhalt.

Berufe, die erst durch das Internet geschaffen wurden, sind stark betroffen. Ebenso wie vor allem junge Menschen, die - wie oben beschrieben - ein Leben mit dem Internet als völlig normal empfinden. Gerade an diese neue und junge Generation ist nun die Frage gerichtet: Was bedeutet es, wenn die Netzneutralität abgeschafft wird? Im konkreten Fall natürlich auch, wie sich diese Entscheidung auf uns alle als Gamer auswirkt.

Netzneutralität - Was ist das eigentlich und wie wirkt sie sich auf uns aus?

Die grundsätzliche Gleichbehandlung von Daten bei der Übertragung im Internet, sowie der diskriminierungsfreie Zugang bei der Nutzung von Datennetzen. - So lässt sich das Konzept der Netzneutralität in zwei kurzen Sätzen zusammenfassen. Für Netzbetreiber bedeutet das, dass sie alle Internet-User gleich behandeln müssen. Geschwindigkeit und Qualität der Übertragung müssen stets gleich bleiben, egal, welche Inhalte transportiert werden, wer der Sender und wer der Empfänger ist. Nur der vom Kunden gewählte Abo-Typ bestimmt, wie die Geschwindigkeit letzten Endes ausfällt.

Ajit Pai, der Vorsitzende der FCC hat bereits im Februar angekündigt, die Regeln der Netzneutralität wieder abzuschaffen, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet hat. Seine Begründung lautet: Die strikten Regeln hätten Anbieter daran gehindert, in den Ausbau schnellerer Leitungen zu investieren. In Hinsicht auf immer größer werdende Datenvolumen ist das ein Punkt, der nicht gänzlich abgetan werden kann. Die Abschaffung der Netzneutralität soll nun für Anbieter neue Einkommensquellen erschließen, damit sie den Ausbau der Infrastruktur mitfinanzieren können.

Große Name wie AT&T, Comcast oder Verizon dürfen nunmehr die Kunden kräftiger zur Kasse bitten, wenn diese mehr Kapazität benötigen. Direkte Anbieter von Inhalten wie zum Beispiel Facebook, Amazon oder Netflix, die eine schnelle Verbindung benötigen, könnten so von Anbietern beschleunigt werden. Andere Seiten hingegen könnten als zweitrangig betrachtet und mit einer langsameren Verbindung geschlagen werden. Alles, was die Anbieter aufgrund der neuen Regelung tun müssen, ist, die Kunden darüber zu informieren.

Wer nun ein großer Anbieter ist und über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, hat im Endeffekt leicht lachen. Denn fortan lässt sich ein Logenplatz im Internet erkaufen. Das wiederum bedeutet, dass kleinere, nicht so finanzstarke Firmen ausgebremst werden. Außerdem - und das darf nicht übersehen werden - sind viele Internet-Anbieter auch selbst Content Provider, also Anbieter von Inhalten. Klarerweise dürfen sie ihren eigenen Angeboten den Vorzug geben und so eine stärkere Marktposition einnehmen.

Welche Auswirkungen hat die Abschaffung für Gamer?

Bereits im Vorfeld hat die US-Seite Gamesindusry.biz davon geschrieben, dass in den USA das freie Netz seine demokratische Existenz einbüßt. Ein Entscheid, wie er nun am 14. Dezember gefallen ist, würde es "geldgierigen Providern ermöglichen, zu tun und zu lassen, was sie wollen."

Die Befürchtung ist nicht unbegründet. Denn empirische Werte zeigen, dass große Unternehmen nun mal dazu neigen, neu gewonnene Freiheiten dazu zu nutzen, noch mehr Profit zu generieren. Ein Vorteil für den Kunden ist nicht garantiert. Eher werden neu entstehende Kosten inklusive Gewinn-Marge auf den Endverbraucher umgewälzt.

Sehr schnell kann dies Gamer und Online-Spiele betreffen, denn gerade in diesem Bereich ist eine schnelle Datenleitung von größter Wichtigkeit. Daher ist zu erwarten, dass unsere Gamer-Kollegen in den Vereinigten Staaten bald von den Providern finanziell zur Ader gelassen werden, wenn sie Online-Spiele konsumieren möchten.

Gamesindustry zitiert in diesem Zusammenhang führende Manager von Spiele-Studios, dass zum Beispiel große Anbieter wie Steam für eine uneingeschränkte Erreichbarkeit hohe Summen investieren müssten. Dass diese erhöhten Kosten nicht einfach aus dem Nichts heraus gedeckt werden können, sollte jedem klar sein. Im Endeffekt zahlt nämlich nur einer dafür, nämlich der Endverbraucher, also ihr selbst. Solange der freie Wettbewerb nicht entsprechend einsetzt, gibt es so gut wie kein Regulatorium, die Kosten für den Gamer zu unterdrücken.

Auf der anderen Seite steht zumindest die Perspektive, dass die Kosten für einen Internetanschluss tatsächlich sinken könnten. Zumindest dann, wenn tatsächlich die zusätzlichen Gewinne in den Verbesserung der Infrastruktur investiert werden. Auch sollen Content-Provider Gebühren an die Internet-Anbieter entrichten. Wie sich das in der Realität gestaltet, wird sich jedoch noch zeigen. Vollmundige Versprechungen, um so bittere Pillen wie diese zu verkaufen, gibt es viele. Welcher Teil davon gehalten wird ... nun, das steht in den Sternen.

Letzten Endes kann gesagt werden: Gamer, die sich keine Sorgen ums Geld machen müssen, können sich aller Voraussicht nach um die Drosselung ihrer Datenübertragung herumkaufen. Wer nicht lange überlegen muss, wie viel Geld er in eine vorfinanzierte Netzneutralität investieren muss, den interessiert die ganze Debatte vermutlich gar nicht. Alle anderen hingegen - und das dürfte die große Mehrheit sein - werden sich damit auseinandersetzen müssen.

Zumindest in den USA. Aber wie sieht nach dieser Entscheidung die Situation in Europa generell und speziell hierzulande aus?

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Tags: Politik  

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