Über Videospiele schreiben: So sahen die ersten Schritte von bekannten Medienleuten aus

(Special)

von Matthias Kreienbrink (25. Dezember 2017)

Es gibt sehr viele Wege in die Videospiele-Branche. Ihr könnt Entwickler werden oder in die PR gehen. Ein Weg jedoch steht vor allem denen offen, die gerne schreiben. Denn auch der Videospiel-Jouranlismus ist ein großer und wichtiger Teil des Videospiel-Kosmos. Die Wege zu diesem Ziel jedoch sind ganz unterschiedlich. Über Praktika oder freie Mitarbeit. Über ein geisteswissenschaftliches Studium oder den Besuch einer Journalistenschule. In diesem Artikel möchten euch einige bekannte Menschen aus dem Medienbereich von ihren ersten Schritte in dieses weite Feld erzählen.

Unser Chefredakteur bei der Arbeit. Hier der Mittlere der drei Menschen.

Unserem Chefredakteur Markus Rehmann möchten wir hier den Vortritt lassen. So sahen seine ersten Schritte im Videospiel-Bereich aus.

Markus Rehmann: "Liebe Kinder, hört gut zu: Es war einmal, damals, kurz nach der Jahrtausendwende, ein junger Markus, der so gar keinen Bock mehr auf seinen seriösen Job als Verlagskaufmann hatte und einfach nicht glauben wollte, dass Geldverdienen per se keinen Spaß machen kann …

Also überlegte ich, wie ich am besten meine Interessen mit etwas kombinieren könnte, das zumindest im Entferntesten mit Arbeit zu tun hat. Für einen Rockstar hatte ich damals noch zu wenige Tattoos, DJs waren nur in Technokreisen (bäh!) gefragt und zum Profiskater - das musste ich mir leider eingestehen - reichten weder Talent noch Mut. ... Ehrlich gesagt fehlte für alle drei Optionen das Talent. Blieben also noch Games. Aber Spieletester will bestimmt jeder werden, wie soll man da nur einen Fuß in die Tür bekommen?

Eines Abends war ich bei einem Kumpel und dessen neuer Freundin zum Essen eingeladen. Irgendwann kamen wir auf das leidige Thema Arbeit und nach dem dritten Wein verriet ich meinen illusorischen Zukunftsvisionen. Da meinte die neue Freundin plötzlich: “Bei mir im Bürogebäude, da sitzt so einer, der macht irgendwie so Games-Magazine und ich glaub, der hat da auch immer irgendwelche Typen, die für ihn Spiele testen. Den könnte ich ja mal fragen.”

Eine Woche später hatte ich ein “Vorstellungsgespräch” bei Richie Löwenstein - seines Zeichens Branchen-Urgestein, ehemaliger Chefredakteur vom Amiga Joker und zu der Zeit gerade Macher des Cube-Magazins. Ich kann mich noch an seinen imposanten Händedruck, seine sehr freundliche und überhaupt nicht cheffige Art sowie ein paar witzige Insider-Geschichten über andere Branchen-Urgesteine (= damalige Helden von mir) erinnern. Mir war sofort klar: Das ist meine Welt. Hier darf ich spielen, hier will ich sein! Wieder eine Woche später verfasste ich meinen ersten Test zu “Metal Gear Solid: Twin Snakes” für das Cube-Magazin - in meiner Freizeit und unentgeltlich. Letzteres übrigens freiwillig! Ich war so heiß auf den Job, dass ich Richie sogar anbot, für umme zu schreiben. Ihr seht schon: Es ist wirklich kein Kaufmann an mir verloren gegangen.

Trotzdem sollten sich diese ersten Artikel mehr als bezahlt machen: Nochmal ein paar Wochen später erfuhr ich, dass eines meiner Lieblingsmagazine - die “Play The PlayStation” - einen Redakteur zur Festanstellung sucht und ich konnte mich direkt mit bereits gedruckten Tests von mir bewerben. Der Rest ist Geschichte. Eine sehr absurde, turbulente und spaßige Geschichte. An dieser Stelle vielen Dank an Richie, ohne den das wahrscheinlich alles ganz anders gekommen wäre. Die furchtbar kitschige Moral davon: Verfolge deine Träume, oft sind sie realistischer, als du denkst!

Weiter geht es mit Maxi Gräff, Xbox Communications Manager, früher Redakteurin bei Gamestar.

(Quelle: Facebook)

Maxi Gräff: "Schon während meines Studiums (Medienmanagement: PR und Kommunikation) habe ich meine ersten Erfahrungen mit der Branche gemacht und für die Website Gamergirls.de Artikel zu Videospielen verfasst. Hier war ich sehr aktiv, sodass wir dann auch gemeinsam zur gamescom gefahren sind. Hier durfte ich als Autorin zum ersten Mal in Pressevorstellungen und Entwicklern direkt Fragen stellen. Ich weiß noch wie heute, wie aufgeregt ich war, Bungie zu treffen und ich tausend Fragen zu Halo hatte. Ich war überglücklich endlich die ersten Schritte in meiner Traum-Branche machen zu dürfen. Auch nach 10 Jahren vergeht dieses Gefühl nicht und ich wertschätze jeden Tag. Ein Fan-Girl bin ich übrigens immer noch: Ich will zum Beispiel unbedingt DICE in Stockholm besuchen, da ich ein riesen Battfield-Fan bin.

Doch wie ging es weiter? Auf meiner ersten Presse-gamescom habe ich auf der Branchenparty auch das Team von GameStar/GamePro zum ersten Mal gesehen. Zufällig suchten sie gerade nach Trainees und zufällig hatte ich mein Studium gerade abgeschlossen. Ein großartiges Team bei dem ich viel lernen durfte und mich dann schlussendlich zu meinem Job bei Microsoft führte. Und ja: Auch hier war ich aufgeregt, als ich zum ersten mal mit den Mitarbeitern von 343 Studios über Halo sprechen durfte."

Fabian Siegismund ist auf YouTube bekannt und war lange Zeit Redakteur bei Gamestar.

Fabian Siegismund, links im BildFabian Siegismund, links im Bild (Quelle: Wikipedia)

Fabian Siegismund: "Dass ich irgendwie in die Spielebranche will, war mir immer schon klar. Und dass ich dafür wohl was »Ordentliches« lernen muss auch. Also habe ich Jura studiert und dabei ein Praktikum bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) gemacht, wo ich dann Spiele getestet und in den Gremiumssitzungen präsentiert habe. Nach einer dieser Sitzungen hat mich EA tatsächlich mal zu sich eingeladen und mir einen Job in der Rechtsabteilung in Aussicht gestellt – aber dafür brauchte ich natürlich erstmal mein Examen. Eher aus einer Laune heraus habe ich mich trotzdem noch bei der GameStar beworben. Vorkenntnisse hatte ich zwar keine (von meinen Indizierungs-Entscheidungstexten mal abgesehen, die natürlich in grottigstem Juristen-Deutsch verfasst waren), aber mein Anschreiben war offenbar unterhaltsam genug, und so lud mich GameStar zu einem Vorstellungsgespräch ein. Nach 45 Minuten hatte ich den Job. Ohne Examen. Glück gehabt."

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Tags: Schwerpunkt Jobs  

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