Für mich das besonderste Spiel des Jahres: What Remains of Edith Finch

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (21. Dezember 2017)

Das Spielejahr 2017 hat einige grandiose Spiele geboten. Horizon - Zero Dawn hat mich viele Stunden beschäftigt. The Evil Within 2 hat Kunst und Horror gekonnt zelebriert. Doch kein Spiel ist mir so sehr im Gedächtnis geblieben wie What Remains of Edith Finch.

What Remains of Edith Finch bietet euch keine 20 Stunden Spielzeit. Es wird euch auch nicht groß herausfordern, nicht euer spielerisches Können testen. Stattdessen bietet euch das Spiel eine Erfahrung, die ihr so kaum vorher erlebt habt.

Aus diesem Grund ist das Spiel auch für mich das Spiel des Jahres. Denn es hat mir eine ganz besondere Erfahrung beschert, hat mir Neues in einem Videospiel gebracht, so wie ich es schon seit Jahren nicht mehr erlebt habe.

Doch worum geht es in dem Spiel eigentlich? In What Remains of Edith Finch steuert ihr eine junge Frau durch das verlassene Haus ihrer Familie. Hier sind auf mysteriöse Art alle Verwandten ziemlich plötzlich nach und nach verstorben. Die Räume der Verstorbenen wurden daraufhin versiegelt.

Eure Aufgabe ist es nun, diese Räume wieder zu betreten. In ihnen findet ihr dann persönliche Gegenstände: Ein Tagebuch, ein Comic-Heft oder eine Fotografie. Berührt ihr diese, werdet ihr in kurzen Episoden die letzten Tage und Stunden der Verwandten durchspielen.

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Das klingt nun ziemlich tragisch und traurig. Ist es teilweise auch. Viel mehr aber ist es unglaublich fantastisch. Denn in diesen Episoden verwandelt ihr euch. Ihr werdet zu einem Vogel, oder einem Seeungeheuer. Oder einem jungen Mann, der an Depressionen leidet. Jede dieser Figuren steuert sich anders, fühlt sich anders an. Und jede dieser Episoden wird andere Gefühle in euch wecken. Mal sind die bittersüß, mal zutiefst traurig. Immer jedoch hinterlassen sie einen Eindruck. Die Stilmittel des Spiels lassen dabei staunen. Denn What Remains of Edith Finch kombiniert wie sonst kaum ein Spiel verschiedene Mechanismen. Es fallen Buchstaben ins Spiel. Wie ein Roman sind sie Teil des Spiels. Sie erzählen euch Geschichten, sind jedoch auch Gegenstände im Spiel, die ihr durchbrechen könnt. Wie im Tanz bewegt sich jede Spielfigur anders. Ihr Körperlichkeit ist im Spiel beinahe spürbar. In einer Episode etwa spielt ihr auf der linken Bildschirmhälfte den Alltag eines jungen Mannes in einer Fabrik. Auf der rechten Seite erlebt ihr derweil seine Tagträume. Ihr müsst beide Seiten gleichzeitig spielen. Die Zerrissenheit des Charakters wird damit auf euch übertragen.

Wenn ihr also dieses Jahr noch Zeit für ein kurzes Spiel habt, holt euch What Remains of Edith Finch. Lasst euch auf das Spiel ein und es wird euch nicht mehr loslassen.

Tags: Singleplayer  

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