Scheißt auf euren Pile of Shame!

(Kolumne)

von Daniel Kirschey (21. Dezember 2017)

Jeder zweite sogenannte Gamer babbelt gefühlt einmal im Monat über seinen "Pile of Shame" - den Haufen der Schande. Der bezeichnet den Haufen an Spielen, der sich ansammelt und den ihr noch nicht durchgezockt habt. Unbedingt, bevor ein ein neues Call of Duty, Fallout oder sonstwas auf den Markt kommt, muss noch dies und jenes durchgespielt werden. So viel Spiele angefangen, so wenig Spiele durchgespielt.

Liegt dieses Spiel auf eurem Shame of Pile?

Ich sage: Scheißt auf euren Pile of Shame! Warum? Ganz einfach: Spiele sind keine Filme. Spiele sind keine Bücher. Sie sind etwas Eigenes. Und nicht jedes Spiel muss beendet werden, um es vollends zu genießen. Nehmt als Beispiel Just Cause 3. Ist es wirklich wichtig, wie das Spiel zu Ende geht, wie Rico den faschistischen General stürzt? Nein. Viel eher ist es wichtig, wie viel Spaß ihr habt, in dem vom Entwickler gezauberten Sandkasten Sandburgen kaputt zu hauen.

Wenn ihr eine Zeit lang mit Just Cause 3 Spaß hattet und es dann zur Seite legt, macht euch kein schlechtes Gewissen. Schmälert nicht durch den Gedanken, ihr müsstet es noch "zu Ende spielen", den Spaß, den ihr mit dem Spiel hattet. Natürlich gibt es Spiele, bei denen das Ende, die Auflösung der Geschichte, wichtig sind. Bioshock Infinite oder Nier oder What Remains of Edith Finch sind Spiele, die davon leben, dass ihr sie zu Ende spielt.

Meist ist es doch aber auch so, dass wenn die Geschichte das ist, was euch beim Zocken antreibt, ihr das Spiel auch beendet. Und selbst wenn ihr es totzdem nicht beendet, haben doch die Stunden, die ihr Bioshock Infinite gespielt, habt Spaß gemacht. Das Hobby Zocken erlangt nicht erst seine Sinnhaftigkeit, wenn ich oder ihr ein Spiel beendet. Spielen funktioniert ohne Zweck. Spielen ist sein Selbstzweck. Ihr spielt, um zu spielen. Da ist es doch völlig egal, ob ihr ein Spiel beendet.

Statt euch einen eigenen Leistungsdruck in eurem Hobby aufzubauen, genießt einfach. Videospiele sollten euch ermöglichen den Kopf mal auszuschalten. Statt auch in eurem liebsten Hobby den Druck, Stress, Optimierungswahn und übertriebene Erwartungshaltungen als Messlatte anzulegen, die ihr aus Schule, Ausbildung, Universität oder Arbeit kennt, lasst los. Scheißt auf euren Pile of Shame. Genießt euer Zocken ohne Bedingungen. Genießt bedingungslos.

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