Und plötzlich sind Strategiespiele wieder Teil meines Lebens

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (02. Januar 2018)

Der Titel dieser Kolumne könnte locker ersetzt werden durch "Wie Anno 1404 meine Feiertage gerettet hat". Das mag traurig klingen, ist aber ein freudiges Ereignis. Wie es dazu kam, erfahrt ihr im Folgenden.

Zu den Feiertagen gehören Geschenke, ein Baum, possierliche Musik und zu viel Essen. Für mich gehört zu den Feiertagen jedoch auch, dass ich regelmäßig danach krank werde. Direkt nach den besinnlichen Tagen stellen sich bei mir die Viren ein und vertreiben jede Entspannung, die die Feiertage gebracht haben mögen. Die letzten Jahre quälte ich mich mit einer dicken Erkältung durch Silvester. Ich wollte kein "Spielverderber" sein und blieb bei meinen Plänen, feierte mit Freunden in das neue Jahr.

Diesmal jedoch entschied ich mich dazu, diesem Druck nicht nachzugeben. Diesmal wollte ich einfach und ohne Kompromisse krank sein. Wie schön, dass Steam zur gleichen Zeit einen Sale veranstaltete. Mit letzter Kraft scrollte ich durch die Angebote, als mir eine Erinnerung kam. Früher, sicherlich vor gut 15 Jahren, beschäftigte ich mich regelmäßig mit Strategiespielen. Besonders dann, wenn ich zuviel Zeit hatte. Also besonders dann, wenn ich krank war. Caesar 3, Age of Empire 2. Das waren die Spiele, die mir damals dabei halfen, mich vom Kranksein abzulenken.

Also schaute ich mal, was Steam in diesem Genre gerade zu bieten hatte. Und siehe da, Anno 1404 im Angebot. Zugeschlagen, runtergeladen, installiert. Direkt fühlte ich mich irgendwie heimisch. Der Gedanke, mich in einem Endlosspiel zu verlieren und damit Silvester und Neujahr zu verbringen, gaben mir eine sonderbare innere Ruhe.

Ich habe an diesen beiden Tagen 17 Stunden in das Spiel gesteckt. Und ich bereue nicht eine Minute. Die Selbstverständlichkeit, mit der ich mich intensiv damit beschäftigte, wie ich nun eine Insel finde, auf der ich Weizen anbauen kann, um dann daraus Mehl zu machen, um dann daraus Brot zu machen, um dann meine Bürger dazu zu bewegen, doch endlich Patrizier zu werden - wie hätte ich dabei noch meine verstopften Nasennebenhöhlen oder die böllernden Nachbarn beachten können?

Spätestens als das Spiel mir eine Auszeichnung dafür gab, fünf Stunden in der Nah-Ansicht verbracht zu haben, wurde mir wieder klar, wieso mich diese Spiele damals so gefesselt haben - und wieso ich sie so lange nicht gespielt habe. Diese Aufbau-Strategiespiele wollen nicht nur gespielt werden, sie wollen bestaunt werden. Man muss sich für sie Ruhe und Zeit gönnen. Erst wenn der Alltag, die Arbeit, die Verpflichtungen, ruhen, können diese Spiele für mich die richtige Wirkung entfalten.

Dann ist es fast wie eine Meditation, zu beobachten, wie meine Städte immer weiter wachsen. Wie Bauern zu Bürgern, Bürger zu Patriziern und Patrizier zu Adligen werden. Erst mit der richtigen Ruhe - also der richtigen Krankheit oder dem richtigen Feiertag - wird es zu einem Erlebnis, diese Welt zu steuern, sie mit einem liebevollen Auge zu kontrollieren. Und jetzt, plötzlich, ist die Aufbau-Strategie wieder in meinem Leben.

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