Marketing mal anders: Nichts ist okidoki nach Doki Doki Literature Club!

(Kolumne)

von Emily Schuhmann (05. Januar 2018)

Seit der Veröffentlichung dreht das Internet am Rad und YouTube erlebt eine Flut von Videos dazu. Doki Doki ist japanisch für Herzklopfen und glaubt mir, dafür sorgt das Spiel nicht nur mit süßen Mädels.

Fangen wir mit einer ungewöhnlichen Bitte an: Hört auf zu lesen! Spielt erst das Spiel und kommt dann zurück. Es ist kostenlos, dauert nur knapp vier Stunden, und je weniger ihr darüber wisst, desto besser. Ich spreche aus Erfahrung. Ihr werdet es nicht bereuen.

Ein letzter Hinweis: Wenn ihr Doki Doki Literature Club! eine Chance gebt, dann hört nicht auf, bevor auch wirklich der Abspann über den Bildschirm läuft, auch wenn das Spiel vorher schon mehrfach vorgibt, zu Ende zu sein.

Lasst euch von der Prämisse des Spiels nicht abschrecken, da steckt mehr dahinter!

Immer noch da? Na gut, ich habe euch gewarnt.

Anfangs habe ich den gesamten Hype vollkommen ignoriert, da ich mit solchen kariesverursachenden Spielen wie Doki Doki Literature Club! eigentlich mal so gar nichts anfangen kann. Dating Sims mag ich zwar sehr, aber solche Visual Novels, in denen ich eigentlich nichts zu tun habe, finde ich lahm. Nach knapp zwei Stunden eher schleppender Unterhaltung war ich allerdings froh darüber, dass ich mich doch dazu durchgerungen habe.

Zuckersüß und abgrundtief böse

Ihr spielt einen Teenager, der sich dazu überreden lässt, an einem Literaturclub teilzunehmen. Die anderen Mitglieder sind ausnahmslos attraktive Damen und erfüllen alle Klischees, vom quirligen Sonnenschein bis hin zur unnahbaren Schönheit. Die Geschichte rund um Gedichte, Flirts und Eifersüchteleien läuft mehr oder weniger automatisch ab.

Die hübsche Monika möchte euch ganz für sich alleine. Um das zu erreichen ist ihr jedes Mittel recht.Die hübsche Monika möchte euch ganz für sich alleine. Um das zu erreichen ist ihr jedes Mittel recht.

Aufgrund der vorherrschenden "Friede-Freude-Eierkuchen"-Stimmung traf mich der Richtungswechsel vollkommen unvorbereitet. Ich sage mal so: Es hat seinen Grund, warum das Spiel im Nachhinein einen Warnhinweis erhielt, dass es nicht für Kinder und Personen geeignet ist, die leicht zu verstören sind. Ohne Vorwarnung verwandelt sich die unschuldige Romanze in eine Art Psychotrip, der mit Anlauf die vierte Wand einrennt.

Genies bei der Arbeit

Ein Horrorspiel, das vorgibt eine niedliche Dating-Sim zu sein ist schon außergewöhnlich, aber hier endet das Matrjoschka-Prinzip noch nicht. Und hier wird es für mich erst so richtig spannend: DDLC scheint nämlich cleveres Marketing für das nächste Projekt des Studios, Team Salvato, zu sein.

Mittlerweile ist es ja fast schon "normal", dass Indie-Entwickler überall Geheimnisse verstecken. Siehe Scott Cawthon und sein Fable für "Five Nights at Freddy's"-Hinweise in den Quelltexten seiner Webseiten. In diesem Fall stecken die meisten Hinweise in den .chr-Charakter-Dateien. Darin verbirgt sich eine Geschichte, die weit über die von DDLC hinausgeht.

Project Libitina, die Öffnung des dritten Auges, das mysteriöse Mädchen Elyssa, Experimente an Menschen, das fiktive Buch "Portrait of Markov", verschlüsselte Nachrichten im Spiel und in dessen Dateien, die beispielsweise erst in eine Tonspur und dann durch einen Sonographen in einen QR-Code umgewandelt werden müssen, um sie lesen zu können - das alles haben Spieler seit der Veröffentlichung am 22. September 2017 entdeckt. Schon beeindruckend, oder?

Eine Datei enthält nach ihrer Decodierung eine Nachricht von der Hauptfigur Monika. Sie lautet übersetzt: "Es ist Zeit, ein verdammter Held zu sein. Zeit für uns beide. 2018." Nun, wir haben 2017 hinter uns gelassen und ich für meinen Teil bin sehr neugierig, was das Entwicklerstudio in petto hat.

Bis dahin: Just Monika!

Tags: Horror   Gratis  

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