Unsichtbare Hasen kontrollieren das Spielgeschehen ... Äh, bitte was?

(Special)

von Emily Schuhmann (09. Januar 2018)

Vergesst Pyramid Head, in Fallout 3 gibt es Train Head! Und das ist nicht der einzige Trick der Entwickler. Auch unsichtbare Hasen, Katzen und andere Tierchen sind häufige Handlanger der Designer.

Wisst ihr wirklich, was in eurem liebsten Videospiel abgeht? Viele Programmierer folgen zwei interessanten Mottos: "Solang es funktioniert muss es nicht hübsch sein", und "Was der Spieler nicht weiß, macht ihn nicht heiß." Beispielsweise ist die U-Bahn im "Fallout 3"-DLC "Broken Steel" in Wirklichkeit ein Ausrüstungsgegenstand. Nachdem ihr sie repariert habt, verschwindet ihr unter der Erde und für die Dauer der folgenden Zwischensequenz tragt ihr in Wirklichkeit den Zug wie einen Hut auf dem Kopf. Zahlreiche Spiele sind voll mit der schwarzen Magie der Programmierer. Manche Probleme erfordern einfach ... ungewöhnliche Lösungsansätze.

Einer der häufigsten Workarounds: unsichtbare NPCs. Es ist immer einfacher etwas bereits existierendes umzufunktionieren als extra etwas Neues zu erschaffen. Entwickler nutzen hierfür gern kleine Umgebungstiere, da diese wenig Rechenleistung benötigen. So kommt es, dass oft Eichhörnchen, Hasen, Katzen und andere unscheinbare Kreaturen hinter den Kulissen für Sound- und Lichteffekte zuständig sind oder auch mal einen Meteorit auf die jeweilige Videospielwelt loslassen.

Hasen sind Diener des Bösen

Langjährige Fans von World of Warcraft dürften sich an den Kampf mit der mächtigen Drachenbrutmutter Onyxia erinnern. Was allerdings sicher nur die wenigsten wissen: Unsichtbare Häschen, die ihr nicht anvisieren könnt, sind die eigentlichen Gegner in diesem epischen Aufeinandertreffen. Die meisten Angriffe stammen nämlich gar nicht von der Drachenlady selbst, sondern werden von den niedlichen Vierbeinern ausgelöst.

Das funktioniert so: Viele Dinge in der Welt des Kriegshandwerks, die nicht auf den ersten Blick ein Zauber sind, arbeiten dennoch mit genau diesem System. Und Magie braucht Magiewirker. In einem anderen Bosskampf nimmt euch ein Geschützturm ins Visier. Der rote, euch verfolgende Punkt ist nicht eigens programmiert, sondern in Wirklichkeit ein süßer Hase, der in regelmäßigen Abständen Feuerzauber wirkt.

Etwa bei 2:30 seht ihr Meister Lampe in Aktion: (Quelle: YouTube, FatbossTV)

Encounter Designer Nathaniel Chapman erklärte auf Twitter, dass das eine gängige Problemlösung ist.. Unterschiedliche Videospiele nutzen unterschiedliche Tiere, aber im Fall von WoW sind es meistens Hasen. Es gibt sogar eine knapp 1.000 Einträge lange Liste aller sichtbaren und unsichtbaren Häschen in der Spielwelt. Abgesehen von zahlreichen seriösen Camera Bunnies, gibt es beispielsweise auch das Electrified Pool Bunny oder ein Beer Bunny.

Aber warum bedienen sich Entwickler dieses Tricks? Kurz gesagt: Die Zeit eines Programmierers ist begrenzt, die Zeit eines NPCs ist es nicht. Chapman erklärt: "NPCs sind bereits in der Lage Wege zu finden oder Waffen und Magie zu benutzen. Theoretisch könnte ein Programmierer jeden Effekt von Hand ins Spiel implementieren, aber es wäre Zeitverschwendung nicht die bereits existierenden Systeme zu nutzen. NPCs können alles, was wir wollen, außer von den Spielern unerkannt zu agieren. Also machen wir sie unsichtbar."

Der für Server zuständige Programmierer Kurtis McCathern erklärt, dass die verfügbaren Werkzeuge mittlerweile wesentlich besser sind und die Entwickler deshalb nur noch selten unschuldige Nagetiere mit Klebeband an Massenvernichtungswaffen befestigen müssen.

"Manchmal bemerkt man erst dass Designer eine Küche brauchen, nachdem sie mit einem Bügeleisen Ramen in einer Blumenvase gekocht haben."

Einige Probleme machen menschliches Eingreifen einfach notwendig und Tierschützer dürfen beruhigt sein: Mittlerweile müssen sich wesentlich weniger Azeroth-Kleintiere mit solchen Arbeiten ihren Lebensunterhalt verdienen.

Ja sind wir denn im Zoo?

WoW-Hasen sind aber längst nicht die einzigen Kreaturen, die unerkannt eine wichtige Rolle ausüben. Spieler der "Fallout 4"-Mod "Old World Radio: Boston" dachten, sie drehen durch. Die qualitativ hochwertige Mod fügt dem Radio-Netzwerk 30 neue Stationen hinzu. Zahlreiche Nutzer wunderten sich über plötzlich auftauchende, geisterhafte Katzen - flackernde Wesen, die manchmal sogar die Umgebung verzerrten. Modder CDante konnte die besorgten Spieler beruhigen: Er nutzte eine unsichtbare Katze als Transmitter, die 500 Einheiten hinter dem Spieler erzeugt wird. Normalerweise sollte das Tier stumm und unsichtbar sein, aber das hat nicht immer funktioniert, was die armen Nutzer an ihrem Geisteszustand zweifeln ließ.

Ein X-Marker ersetzte die Katze in späteren Versionen der Mod: (Quelle: YouTube, CDante)

Wenn ihr öfter mal eine Partie League of Legends spielt, ist die Chance groß, dass auch ihr schon unsichtbare NPCs kommandiert habt. Viele Fähigkeiten bestehen tatsächlich aus unsichtbaren Minions - den kleinen Kreaturen, denen ihr für Gold und Erfahrungspunkte den Garaus macht. DotA nutzte für Zufalls-Attacken oder Hindernisse ignorierende Angriffe unsichtbare Wölfe, doch verbesserter Code verdrängte die Vierbeiner irgendwann. Eines der bekanntesten Beispiele in LoL ist das Beschleunigungstor von Champion Jayce, das als Reihe von Minions programmiert wurde. Wegen eines Bugs konnte die ultimative Fähigkeit des Helden Azir diese Minions töten und so mit einem Streich reichlich Gold und Erfahrung einsacken.

Im Spiel sah das dann so aus: (Quelle: YouTube, Philip Re)

Von Hasen zu Katzen zu Minions zu Wölfen und nun zu Eichhörnchen. Gamasutra sammelte unübliche Programmierlösungen aus der Industrie und Arthur Bruno, Lead Designer von Titan Quest, offenbarte einen Trick, der dem Erfinder sogar eine Beförderung einbrachte. Der Code ließ keine Verzögerung zwischen der Aktivierung eines Ereignisses und dessen Ausführung zu. Da sich die Produktion dem Ende zuneigte, waren alle gestresst und es blieb keine Zeit für eine richtige Lösung. Einer der QA-Tester kam auf die Idee die Leerlauf-Animation der unsichtbare Eichhörnchen als Timer zu benutzen. Aktionen wurden also nach so und so vielen Animationen nach Aktivierung ausgelöst. Diese kreative Lösung garantierte ihm beim nächsten Projekt einen Job als Designer.

Vielleicht besser so

Die Spieleentwickler sind vermutlich ziemlich froh, dass ihr nicht genau wisst welcher Behelfslösungen sie sich hinter den Kulissen bedienen. Und auch für uns Spieler ist es im Endeffekt vermutlich besser so. Geisterhaftes Stöhnen ist doch beispielsweise längst nicht mehr so schaurig schön, wenn ihr wissen würdet, dass es von eingesperrten NPCs in einem für euch unzugänglichen Raum stammt ... wobei das schon wieder auf seine ganz eigene Art unheimlich wäre.

In diesem Artikel stellen wir nur ein paar Beispiele vor und vielleicht ist es ganz gut, das wir im Normalfall nicht mitbekommen, welche Schwerstarbeit unschuldige, kleine Tierchen leisten. Statt solche Dinge infrage zu stellen, sollten wir vielleicht einfach darüber staunen, was alles nötig zu sein scheint, damit ein Spiel so funktioniert wie es soll.

Tags: Bug   Fun  

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