Über den Tellerrand: So sehen Zocker-Vorlieben in Fernost aus

(Special)

von Emily Schuhmann (10. Januar 2018)

Ihr benutzt beide Hände zum Zocken? Bei euch sind Konsolen Konkurrenz für den PC? So könnten sich unsere entfernten Nachbarn über unsere Videospielgewohnheiten wundern. Aber wie sieht es eigentlich umgekehrt aus?

Asiaten grinden sich die Seele aus dem Leib und haben kein Problem damit für Spielvorteile zu bezahlen, während die westlichen Spieler das ganz anders sehen. Klischees gibt es wahnsinnig viele über die Unterschiede zwischen der Gaming Kultur bei uns (uns heißt hier Europa, Nordamerika und Australien) und der in Fernost. Natürlich handelt es sich bei diesen Unterschieden meist um Übertreibungen, aber oft steckt da ja auch irgendwo eine Prise Wahrheit drin.

Dieser Artikel nimmt vor allem Online und Mobile Games aus und in Asien in den Fokus. Und ja, wir sind uns bewusst, dass Asien kein Land ist, sondern ein Kontinent mit vielen verschiedenen Nationen, die alle eigene, reiche Kulturen, Traditionen und Eigenheiten besitzen. Natürlich sehen wir die Welt von einem europäischen Standpunkt aus - also entschuldigt einige unausweichliche Verallgemeinerungen.

Maus und Tastatur statt Sportschuhe

Für viele gilt Südkorea als DAS Zentrum der Videospielwelt. Zocken ist dort wesentlich anerkannter und auch angesehen. Die beneidenswert verbreitete und leistungsfähige Internetverbindung und eine Regierung, die die Videospielindustrie früh subventionierte, sorgte dafür, dass das kleine Land zur weltweit angesehenen E-Sport-Nation avancierte. Partien werden live im Fernsehen übertragen, die "Athleten" werden wie Rockstars gefeiert und die nächste Generation eifert ihnen nach. Im Online-Strategiespiel Starcraft 2 ist es mittlerweile soweit, dass jeder Nicht-Südkoreaner bei Turnieren als Ausländer gilt.

Bekannte Bands wie Imagine Dragons oder Against the Current schrieben schon Songs für E-Sports-Turniere:

Eigentlich sollte die Milliardenbevölkerung eines Kontinents nicht über einen Kamm geschert werden, aber ein besonderes Merkmal scheinen tatsächlich sehr viele Spieler aus dieser Ecke der Welt zu teilen: Arbeitsethos. Statt nur als Hobby sehen einige in Videospielen einen Lebensinhalt, mit dem sie Geld verdienen können, einen erstrebenswerten Beruf, und das oft mit Erfolg. Grund dafür sind nicht die Gene oder gar schwarze Magie, diese Menschen folgen einfach nur einem Ansatz, den Malcom Gladwell in seinem Buch "Überflieger" die "10.000 Stunden"-Regel nennt. Trainiert ihr irgendeine Tätigkeit so lang, könnt ihr euch danach mit hoher Wahrscheinlichkeit als Meister bezeichnen.

Zahlen sind alles

Die schiere Zahl an Spielern im asiatischen Raum übertrifft den Rest der Welt um Längen. So ist es kein Wunder, dass wesentlich mehr Videospiele in einer Vielzahl von Sprachen übersetzt werden, da so jeweils riesige Märkte erschlossen wurden. Als Kontrast reicht ein Blick auf Europa. Zwar kommen wir oft in den Genuss deutscher Lokalisierungen und sogar Synchronisation, aber in vielen, vor allem kleineren Ländern sieht das anders aus. Tschechien, Italien, Polen, Finnland und viele weitere Nationen müssen sich oft auf Englischkenntnisse verlassen. Für Publisher lohnt sich eine Übersetzung für ein potenziell riesiges indisches Publikum einfach mehr als für ein paar hundert Niederländer.

Die "The Witcher"-Spiele stammen vom Warschauer Entwickler CD Projekt Red, weswegen Polen hier in den seltenen Genuss einer polnischen Synchro kommen.Die "The Witcher"-Spiele stammen vom Warschauer Entwickler CD Projekt Red, weswegen Polen hier in den seltenen Genuss einer polnischen Synchro kommen.

Besonders großgeschrieben wird in asiatischen MMOs die Zusammenarbeit, etwas das in vielen westlichen Spielen zu wünschen übriglässt. Grund dafür ist häufig eine spielweltweiter PvP-Modus in dem nur eine große Gruppe Sicherheit bietet. Viele westliche Exemplare lassen sich hingegen eigentlich sogar spielen, ohne jemals mit jemandem interagieren zu müssen. Spielerehen oder signifikante Vorteile für Gruppenspieler kommen bei uns deswegen wesentlich schlechter an. In Teilen Südostasiens greift der Wunsch nach Zugehörigkeit sogar auf Mobile Games und das echte Leben über. Gruppen von Spielern schließen sich zusammen, treffen sich und zocken gemeinsam. Häufig haben diese Herden einen Anführer, der regelmäßig Kleinigkeiten springen lässt.

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Tags: Fun   Free 2 play   Politik  

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