Über den Tellerrand: So sehen Zocker-Vorlieben in Fernost aus - Anders, aber ähnlich?

(Special)

Meistens geht es ums Geld

Der im Westen vorherrschende Konsolenkrieg lockt in den meisten asiatischen Ländern niemandem hinterm Ofen vor. Insgesamt ist der PC dort die mit großem Abstand dominanteste Plattform; einzige Ausnahme ist Japan. Unter anderem in China waren PlayStation, Xbox und Konsorten für knapp 15 Jahre offiziell verboten. Das führte nicht nur zu einem Schwarzmarkt, sondern auch zum rasanten Aufstieg von Computern und Internetcafés. Letztere nehmen zwar ab, aber sie sind nach wie vor ein Treffpunkt für Jugendliche, die vor engen Wohnverhältnissen und den urteilenden Augen anderer Familienmitglieder fliehen wollen.

Westliche Entwickler und Publisher schauten sich das "Free to play"-Modell von Unternehmen aus Fernost ab, und darüber sind viele Spieler nach wie vor unglücklich. Hauptgrund für die dortige Verbreitung dieses Spieltyps ist das vergleichsweise niedrige Einkommen in vielen Teilen Asiens. Ein Produkt, das nur für optionale Zusatzinhalte Geld verlangt ist automatisch zugänglicher für eine größere Gruppe Menschen. Je nach Land gibt es allerdings auch hier Unterschiede im Zahlverhalten. Thailänder und Vietnamese sind zum Beispiel durchschnittlich gern bereit, Geld für Zeitersparnis auszugeben. Auf den Philippinen und in Indonesien funktioniert hingegen ein faires System mit Werbung im Spiel besser - also eher so wie bei uns.

Kultur treibt manchmal seltsame Blüten

Unsere Hände wandern wie automatisch auf die WASD-Tasten und zur Maus, im Gegensatz dazu sind viele asiatische MMOs darauf ausgelegt, einhändig spielbar zu sein. Das hat seine Wurzeln in der Verbreitung von Rauchern. Heute können Nutzer solcher Spiele dann nebenbei auch noch etwas auf dem Smartphone machen. Aus demselben Grund sind auch Autoplay-Funktionen sehr beliebt auf dem asiatischen Markt. Aber nicht nur die Steuerung, auch das UI unterscheidet sich enorm von der westlichen Variante. Wir fühlen uns überfordert von all den Icons und aufdringlichen Zahlen, die in einem Kampf den Bildschirm füllen, viele Asiaten fühlen sich dabei wie Zuhause. Sie sind durch Fernsehen und Internet an Informationsflut gewöhnt.

Die niedliche Elin-Rasse des MMOs Tera stand schon häufig in der Kritik, aber hauptsächlich bei uns:

Kulturelle Unterschiede führen unausweichlich zu Unterschieden in der Videospielkultur. Als Beweis dafür reicht schon ein Blick auf die globalen App-Charts. USA, Europa und Australien sehen nahezu identisch aus, während Japan, Südkorea und China vollkommen andere Lieblingsspiele haben. Nicht nur die Optik ist anders, auch das Spielerlebnis unterscheidet sich und ist häufig wesentlich komplexer. Kombiniert man das mit der Liebe zu MOBAs ist es kein Wunder, dass Spiele wie Arena of Valor oder Vainglory in Teilen Asiens durch die Decke gehen. Insgesamt zeigt die E-Sport-Szene einen Trend zur Mobilität.

Ähnlich, aber dann doch anders

In den meisten asiatischen Kulturen herrscht die Mentalität vor, dass alles Wertvolle große Anstrengungen wert ist, und das zeigt sich bei Spielern und in den Spielen. Beispielsweise in einem Punkt, den wir im Westen gern anprangern: Asiatische MMOs und Mobile Games sind ein einziges Grindfest. Was viele dabei allerdings übersehen ist, dass auch westliche Spiele dieser Art auf dem repetitiven Widerholen derselben Tätigkeit, also dem Grind aufbauen. Bei uns ist er zwar meistens hübsch in Quests verpackt, aber im Endeffekt baut jedes Spiel, das auf Jahre der Nutzung ausgelegt ist, auf demselben Prinzip auf. Dabei ist es ganz egal ob das Ziel das Levelmaximum oder ein schickes Ausrüstungsteil ist.

Für dieses WoW-Reittier braucht ihr den Gegenstand "Unbesiegbars Zügel" und der hat eine sehr geringe Droprate.Für dieses WoW-Reittier braucht ihr den Gegenstand "Unbesiegbars Zügel" und der hat eine sehr geringe Droprate.

Wenn ein europäischer oder amerikanischer Entwickler auch in Asien Erfolge verbuchen möchte, muss er all diese Punkte bedenken und berücksichtigen. Große westliche MMOs wie World of Warcraft oder Guild Wars 2 tun dies zum Beispiel, indem sie ihre Monetarisierung anpassen. Im eigentlichen Buy2play-Spiel von Arenanet können sich Chinesen in ein VIP-Programm einkaufen, das mit regelmäßigen Gegenständen belohnt. In WoW musste einiges für eine Veröffentlichung in China angepasst werden: unter anderem mussten Knochen, Blut und Totenschädel weichen. Auch im Mobile-Markt kommen angepasste Spiele besser an: Subway Surfers führte beispielsweise spezielle chinesische Charaktere ein und die App Wo ist mein Wasser? ist kaum noch widerzuerkennen.

Sun ist ein "Subway Surfers"-Charakter der extra für China eingeführt wurde und sogar ein Mönchs-Outfit besitzt.Sun ist ein "Subway Surfers"-Charakter der extra für China eingeführt wurde und sogar ein Mönchs-Outfit besitzt.

Bei all den Unterschieden könnte man glatt meinen, es gäbe massive Unterschiede zwischen Kulturen oder dann auch noch – Schockschwerenot! - zwischen Individuen. Trotz allen Differenzen sind wir aber im Endeffekt dann halt doch nicht so verschieden. Wir sind Spieler und lieben unser Hobby oder in seltenen Fällen unseren Beruf. Dennoch ist es immer mal wieder interessant einen Blick über den Tellerrand zu werfen und zu sehen, wie es anderswo aussieht.

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Tags: Fun   Free 2 play   Politik  

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