Nintendo Switch: Wie konnte das bloß passieren?

(Special)

von Micky Auer (12. Januar 2018)

Nintendo Switch ist noch nicht mal ein Jahr lang auf dem Markt, überflügelt aber bereits die Vorgängerkonsole Wii-U. Einige Erfolgsgründe sind offensichtlich, andere hingegen sind etwas komplexer gelagert.

Die Wii U ist eine der unbeliebtesten Nintendo-Konsolen aller Zeiten. Das ist keine Anti-Fanboy-Polemik, das ist leider ein Fakt, wie die Verkaufszahlen deutlich belegen. Gerade 13,5 Millionen Mal wurde die Konsole weltweit verkauft. Das mag auf den ersten Blick nach viel aussehen, ist aber im Vergleich in der Branche eine finanzielle und kommerzielle Katastrophe.

Zum Vergleich: Der Nintendo DS wurde während seiner Hochzeit 155 Millionen Mal verkauft. Die Wii ging trotz einer weltweiten Wirtschaftskrise weit über 100 Millionen Mal über die Ladentheke und der Game Boy schlägt mit knapp 119 Millionen Verkäufen zu Buche. Schlechter als der Wii U ging es nur dem gänzlich glücklosen Virtual Boy, den gerade mal rund 770.000 Käufer haben wollten.

Viele haben bereits gemutmaßt, dass nach dem Misserfolg der Wii U für Nintendo das Aus auf dem Konsolenmarkt gekommen wäre, wenngleich die Modelle der 3DS-Familie nach wie vor ein großer Erfolg sind. Doch dann kam alles anders, denn dann kam Nintendo Switch.

Brandneu: In einem Nintendo Direct Mini präsentieren die Japaner die Spiele der kommenden Monate:

Mittlerweile ist die Switch die sich am schnellsten verkaufende Konsole aller Zeiten auf den wichtigen Märkten USA und Japan. Damit ist selbst die legendäre Beliebtheit der PlayStation 2 in den Schatten gestellt. Was hat Nintendo nun so dermaßen anders, so dermaßen richtig gemacht, um einen solchen Erfolg zu generieren? Es gibt da ein paar Kniffe, die eigentlich nur Nintendo tätigen kann, bei anderen Firmen funktionieren sie vielleicht gar nicht.

Es gibt keine Konkurrenz

Wie, es gibt keine Konkurrenz? Was ist mit Sony und Microsoft? Gerade Sony beherrscht mit der PlayStation 4 nach wie vor den Heimkonsolenmarkt! Tja, und genau da liegt die Crux: Nintendo Switch ist keine Heimkonsole. Und auch kein Handheld. Nintendo Switch ist beides, und zwar nicht abwechselnd, sondern stets gleichzeitig. Nintendo selbst hat eine Erhebung durchgeführt, die aufzeigt, dass Spieler beide Konfigurationen gleichermaßen nutzen.

Quelle: NintendoQuelle: Nintendo

Die Grafik zeigt das Spielerverhalten für die USA, Japan und Europa. So hält sich die Zahl der Spieler in etwa die Waage, die entweder bevorzugt auf dem Fernseher, oder bevorzugt auf dem Tablet-Bildschirm spielen. Die breite Masse hingegen nutzt beide Modi gleichermaßen.

Es gibt zurzeit keine andere Hardware auf dem Markt, die diese Kriterien erfüllt. Der hauseigene Nintendo 3DS ist der einzige ernstzunehmende Konkurrent in dieser Hinsicht, jedoch ist er eben "nur" ein Handheld und kommt noch dazu von der gleichen Firma. Der Konkurrenzgedanke ist also hiermit schon wieder zu weiten Teilen hinfällig.

Die Nintendo Switch ist das Flaggschiff für Nintendos größte Spielemarken. Das weiß Nintendo und ist bemüht, das Konsolen-Aushängeschild der Firma mit bekannten Namen wie Link, Mario, Pokémon und neueren Erfolgen wie Splatoon zu beliefern.

Mit der Vielseitigkeit der neuen Konsole hat Nintendo (mal wieder) einen Nerv getroffen. Ihr wollt stationären Spielspaß, die gleichen Spiele aber auch unterwegs ohne Qualitätsverlust erleben dürfen? Das ist ein Konzept, das eben nur Nintendo Switch bietet. So einfach die Idee ursprünglich klingen mochte, so effektiv gestaltet sich das Vorhaben in der Realität.

Egal ob stationär oder portabel: Die Vielseitigkeit der Switch ist eine ihrer größten Stärken.Egal ob stationär oder portabel: Die Vielseitigkeit der Switch ist eine ihrer größten Stärken.

Switch ist transportabel und bietet höhere Qualität als Handy-Games. Die Spiele sind keine schnell hinprogrammierten Mikrotransaktions-Abgreifer, sondern vollwertige und hochwertige digitale Unterhaltung von renommierten Entwicklern. Das Hardware-Wettrüsten der anderen Konsolenhersteller macht Nintendo schon seit der Wii nicht mehr mit. Die Innovation hat nicht immer funktioniert, aber größtenteils. Jetzt zum Beispiel wieder.

Kurzum: Die Switch ist eigentlich eine eigene Sparte in der Konsolenwelt und damit mehr oder weniger konkurrenzlos. Das wird wohl auch in näherer Zukunft noch so bleiben. Weder Sony noch Microsoft haben große Bestrebungen, sich am Handheld-Markt zu versuchen. Speziell Sony liegt der Absturz der PS Vita und der Totalausfall der PSP Go noch schwer im Magen.

Die besten Spiele des Jahres 2017 gibt es exklusiv für Nintendo Switch

Klarerweise ist es immer eine subjektive Behauptung, wenn es um "das beste Unterhaltungsprodukt für XY" geht. Sei es Musik, Fillme oder Videospiele. Zu dem Zweck haben wir zum Jahresende hin die internationalen Bestenlisten und Bewertungsspiegel gewälzt und Durchschnittswertungen für Videospiele errechnet. Und siehe da: Die vordersten Plätze werden von Spielen für Nintendo Switch eingenommen.

Auch hier stellt sich die Frage nach der tatsächlichen Konkurrenz. Denn im Grunde genommen hat Nintendo den Konkurrenzgedanken im Jahr 2017 mit sich selbst ausgetragen. The Legend of Zelda - Breath of the Wild und Super Mario Odyssey sind nicht nur zwei der bekanntesten und größten Marken in der Branche, Nintendo hat für jede Serie im ersten Jahr der Nintendo Switch zwei Neuheiten veröffentlicht.

Dabei handelt es sich nicht um generische Namensträger, um die Bekanntheit der Marke auf die neue Hardware anzuwenden, sondern um zwei hervorragend gestaltete Videospiele, die ihre jeweilige Marke nur noch stärker machen und zu Recht als äußerst kräftige Zugpferde für die neue Konsole dienen. Die beiden genannten Spiele haben die ohnehin schon hoch liegende Messlatte für Nintendo-Produktionen noch ein Stück weiter nach oben gelegt.

Wenn ihr also zwei der besten Spiele des Jahres 2017 spielen wollt, kommt ihr am Kauf einer Nintendo Switch nicht vorbei. "Software sells hardware" (Software verkauft Hardware) - Diesen Grundsatz kennt niemand besser als Nintendo. Für andere Firmen mag es schwierig sein, neue Hardware basierend auf nur zwei Spielen zu vermarkten. Doch Nintendo hat diese Marken bereits vor Jahrzehnten etabliert und ihre Position auf dem Markt weiter gefestigt. Die Konsumenten wollen ein neues Zelda, sie wollen ein neues Mario-Abenteuer.

Wenn damit der Kauf einer neuen Konsole verbunden ist, ist ihnen das nur Recht. Denn im allgemeinen bedeutet das, dass ihre Lieblingshelden in neuem Glanz und neuer Technik erstrahlen und viele neue Ideen mitbringen. Das betreibt Nintendo seit den 80er Jahren. Kein anderes Unternehmen kann auf solche ständig wachsenden Ikonen zurückblicken.

Weiter mit: Vermarktung, familienfreundlich und sozial

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Tags: Hardware  

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