Nintendo Switch: Wie konnte das bloß passieren? - Vermarktung, familienfreundlich und sozial

(Special)

Angebot, Nachfrage und Preis - ein Lehrstück in Sachen Marktpolitik

Zum Verkaufsstart kostete Nintendo Switch 300 Euro respektive 300 US-Dollar. Das ist ein ganzes Stück günstiger als die 400 Euro teure PlayStation 4 oder die mit knapp 500 Euro zu Buche schlagende Xbox One (jeweils Startpreise). Zusätzlich zu dem vergleichsweise attraktiven Preis kommt natürlich noch der Umstand, dass ihr die Konsole überall hin mitnehmen könnt. So schließt sich der Kreis aus Preispolitik und Positionierung auf dem Markt.

300 Euro sind natürlich nach wie vor kein Schnäppchen. Die Investition will für Otto-Normal-Zocker immer noch gut überlegt sein, aber viele Konsumenten, die mit der Anschaffung einer Zweitkonsole geliebäugelt haben, fühlen sich in diesem Preissegment wohler als sich eine Xbox One zusätzlich zur PS4 zu überlegen, oder umgekehrt. Selbst für PC-Spieler, die sich schon lange von Konsolen abgewendet haben, ist die Switch attraktiv, da sie in Funktionalität und Spieleangebote viele Alleinstellungsmerkmale bietet.

The Legend of Zelda - Breath of the Wild: Ein klassischer "System Seller".

Klar, der Preis allein ist ebenso wenig ein Kaufgrund für eine Konsole wie nur die Leistung der Hardware. Dennoch scheint die Preisgestaltung genau richtig geraten zu sein, um viele Interessierte an Bord zu holen und zum Kauf zu animieren.

Dann ist da noch die Frage der Verfügbarkeit. Und die Antwort auf diese Frage kann ein schmaler Grad zwischen Hype und Frust sein. Sind zum Verkaufsstart einer Konsole ausreichend Exemplare in den Läden, kann schnell der Eindruck entstehen, dass sich die neue Hardware nicht verkauft. Solche Eindrücke gebündelt mit der einen oder anderen Pressemeldung kann Leute, die sich noch nicht sicher sind, schnell davon überzeugen, erstmal nicht zuzugreifen.

Auf der anderen Seite: Gibt es zu wenig verfügbare Hardware, macht sich schnell Frust bei den Konsumenten breit. Denn wer will schon Wochen oder gar Monate darauf warten, bis er sich eine neue Konsole anschaffen kann, während der Freundeskreis schon vom letzten Level im brandneuen Spiel schwärmt?

Nintendo weiß, wie man genau die richtige Menge an Hardware-Auslieferungen plant, um gute bis rekordträchtige Verkäufe zu generieren. Gleichzeitig hält die Firma das Angebot rar genug, um Leute eher zu Spontankäufen anzuregen, wenn sie irgendwo noch eine Konsole sehen. Denn: "Wer weiß, bis wann man sonst wieder warten muss?"

Schwierig oder gar unmöglich im vergangenen Jahre eine Switch zu ergattern war es zu keinem Zeitpunkt. Trotzdem blieb die Suche nach der Hardware spannend genug, so dass sich das Finden und Kaufen der Konsole wie ein besonderes Ereignis angefühlt hat. Ein klein wenig so wie in der Kindheit, als die neue Konsole unterm Weihnachtsbaum lag oder in buntes Geschenkpapier zum Geburtstag gewickelt war. Nintendo kennt solche emotionalen Antriebsfedern und weiß, wie man sie gekonnt einsetzt.

Denkt kurz darüber nach: Ihr wollte eine neue Konsole (oder auch ein Spiel) kaufen, das aber nicht mehr so leicht verfügbar ist. Dann erblickt ihr in einem Laden ein Schild mit der Aufschrift: "Neue Lieferung nächsten Montag". Vermutlich macht euer Herz einen kleinen Hüpfer und ihr sucht schnell einen Angestellten, um eine Vorbestellung zu platzieren. Und dann könnt ihr den kommenden Montag kaum erwarten.

Dieses Spiel spielt Nintendo wie kein anderer.

Nintendo ist familienfreundlich - ob die Firma das will oder nicht

Ihr habt Kinder und nur einen Fernseher? Dann wollt ihr nicht in den täglichen Krieg ziehen, wer nun wann was mit dem Monitor machen darf. Eine Nintendo Switch, die über ihren eigenen Bildschirm verfügt und unabhängig vom Fernseher eingesetzt werden kann, ist da ein Segen.

Als Eltern seid ihr hoffentlich auch darauf bedacht, was eure Kinder an Spielen konsumieren. Auf der Switch gibt es durchaus knallharten Stoff, der sicher nicht in Kinderhände gehört. Aber hier kommt der Effekt zum Tragen, der für Nintendo mal Fluch, mal Segen war. Aktuell scheint es wieder ein Segen zu sein: "Nintendo ist ein familienfreundliches Unternehmen."

Mario Kart 8 - Deluxe: Dieses Spiel wird Freundschaften zerstören und Ehen stiften.

Die Switch vermittelt rein optisch den Eindruck, ein harmloses Spielzeug zu sein (im positiven Sinne), die größten Spielemarken kommen ohne Blut, nackte Haut, Gewalt und Horror aus. Auch bauen die Entwickler bei Nintendo seit einiger Zeit Spielmodi ein, die gerade die Zugänglichkeit für Kinder erleichtert. Elter, die sich mit der Materie auskennen, wissen, dass sie ihre Kinder ohne Bedenken zum Beispiel an ein Mario-Spiel setzen können.

Der soziale Aspekt kommt ebenfalls verstärkt zum Einsatz. Die Art der verfügbaren Spiele sprechen so gut wie jede Käuferschicht an. Eltern spielen gerne mit ihren Kindern, ältere Semester, die vielleicht schon Dank der Nintendo Wii Berührung mit Videospielen hatten, sind wieder interessiert und welchen Effekt ein Mario Kart auf eine Gruppe von Leuten hat, die gemeinsam spielen, wisst ihr sicher.

Ein wichtiger Punkt sind dabei die Joy-Cons. Welche andere Konsole kennt ihr, die ihr nicht nur mitnehmen könnt, wohin ihr wollt, sondern von der ihr einfach die Controller abnehmen und jemand anderem in die Hand drücken könnt? Das fühlt sich immer noch besonders an, ist verspielt und gleichzeitig ebenso nützlich wie modern.

Ihr wollt jemanden mitspielen lassen? Ein Handgriff und die Sache ist erledigt.Ihr wollt jemanden mitspielen lassen? Ein Handgriff und die Sache ist erledigt.

Nur ein Kritikpunkt bleibt letzten Endes vorhanden, der beweist, dass es so etwas wie Perfektion dann doch nur höchst selten gibt: Freundescodes. Liebe Leute bei Nintendo, bitte macht es uns Gamern doch nicht so kompliziert, weltweit miteinander zu spielen. Wir leben im Internet-Zeitalter, und nicht ein einer Ära, in der man die Kombination zu einem Safe kennen muss, um sich untereinander zu vernetzen.

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Tags: Hardware  

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