Cloud Gaming: Was ist nun daraus geworden?

(Special)

von Micky Auer (13. Januar 2018)

Seit Jahren wird Cloud Gaming als der Heilsbringer der Spieleindustrie angepriesen. Und ja, das Konzept klingt hervorragend! Aber warum nutzt es dann kaum jemand? Gibt es das überhaupt noch?

Damit wir zu Beginn auf dem gleichen Nenner sind: Was genau ist Cloud Gaming eigentlich? Unter die Kategorie Cloud Gaming fallen Videospiele, die nicht bei euch im Schrank stehen oder sich auf einer eurer Festplatten befinden, sondern nur auf dem Server eines Anbieters vorhanden sind. Ihr könnt das Spiel nutzen, indem ihr auch einen Client installiert, der Zugriff auf den entsprechenden Server bietet.

Der Vorteil für Publisher liegt in erster Linie darin, dass Veränderungen, Updates und Fehlerbehebungen gemacht werden können, ohne auf die Hardware-Spezifikationen der User Rücksicht nehmen zu müssen. Denn die Berechnung des Spiels erfolgt ebenfalls auf dem eigenen Server, nicht im trauten Heim der Konsumenten. Der Vorteil für den User liegt auf der Hand: Ihr könnt auf eurer Hardware Spiele spielen, die sie von sich aus niemals verarbeiten könnte.

Der Client ist im allgemeinen ein datentechnisches Leichtgewicht. Soll heißen: Es ist keine hohe Rechenleistung erforderlich, um ihn zu betreiben. Über den Client wählt ihr dann die verfügbaren Spiele und spielt sie direkt auf dem Server. Das größte Hindernis in dieser Infrastruktur ist eure Netzstabilität und Internet-Geschwindigkeit. Denn im Falle von Cloud Gaming werden oft große Datenmengen in kurzer Zeit durchs Netz gejagt.

Insgesamt soll also hochwertige Spiele-Software auf vergleichsweise schwacher Hardware gespielt werden können, da die Berechnung außer Haus erfolgt und das Geschehen auf eure Bildschirme gestreamt wird.

PlayStation Now ist zum Beispiel ein solcher Cloud-basierter Streaming Dienst. Um ihn zu nutzen, empfiehlt Sony eine Breitbandgeschwindigkeit von mindestens 5 Mbit/s und die Verwendung einer kabelgebundenen Verbindung. Zusätzlich solltet ihr die Verwendung anderer Geräte, die mit demselben Netzwerk verbunden sind, einschränken.

Und da liegt die große Crux im Cloud Gaming. Zumindest in Deutschland. Denn hierzulande ist die Netzanbindung nicht so hochwertig, wie sie eigentlich sein sollte.

Die Zukunft beginnt ... ja, wann denn nun?

Es stimmt schon: Cloud Gaming ist durchaus in der Lage, Full-HD-Auflösung bei hohen Detailgraden und einer stabilen Bildwiederholrate von 60 FPS zu bieten. So verspricht es zum Beispiel der Service LiquidSky, der sich - mal wieder und wie gefühlt jeder andere Streaming-Dienst - als die "Zukunft des Gamings" präsentiert.

The Witcher 3: Euer Rechner schafft die Grafikpracht nicht? Dank Game-Streaming sollt ihr trotzdem in den Genuss kommen.The Witcher 3: Euer Rechner schafft die Grafikpracht nicht? Dank Game-Streaming sollt ihr trotzdem in den Genuss kommen.

Das machen auch Firmen wie OnLive oder Gaikai, die vielen von euch ein Begriff sein dürften. OnLive wollte ursprünglich für die Vereinigten Staaten von Amerika ein Spieleerlebnis per Streaming ermöglichen, das dem Kunden suggerieren sollte, er säße an einem High-End-PC. All die aufwendigen Spieleberechnungen sollten im firmengeigenen Rechenzentrum abgewickelt werden, der User kommt ohne großen Aufwand in den Genuss des Streams und muss nur seine Steuerungseingaben per Controller oder Maus und Tastatur übermitteln.

Nun, OnLive und Gaikai haben den Betrieb mittlerweile eingestellt und die wichtigsten Unternehmensteile an Sony verkauft. Nun nutzt der japanische Konzern die bereits vorhandene Technologie, um PlayStation Now damit zu betreiben. Auch Nvidia versucht sich auf dem Sektor. Im Rahmen der Fachmesse CES 2018 in Las Vegas hat das Unternehmen die offene Beta des Streaming-Dienstes Geforce Now angekündigt und auch gleich gestartet. Das aktuelle Angebot liegt bei einem Gratismonat zum Testen, danach fallen monatliche Gebühren in der Höhe von 9,99 Euro an.

Der Dienst greift zum Beispiel auf Steam, GoG.com, Battle.net, Origin und Uplay zu. Anders als bei PlayStation Now empfiehlt der Anbieter hier aber eine Internetverbindung mit mindestens 25 Mbit/s. Und wiederum stoßt ihr als User mitunter auf das gleiche Problem: Vor allem in Städten ist eine so schnelle Internetverbindung ein geringeres Problem als in ländlichen Gegenden, aber längst nicht selbstverständlich.

Während das Streamen von Musik und Filmen dank Diensten wie Netflix oder Amazon Prime heute im allgemeinen unproblematisch verläuft, sieht es im Bereich Gaming noch anders aus. Es sind hier vor allem die technischen Anforderungen an die Infrastruktur, die einen reibungslosen Ablauf oft unmöglich machen. Denn ein Streaming-Dienst hat in dem Moment gänzlich verloren, sobald das übertragene Angebot anfängt zu stottern.

Ist das was für mich und wie gut ist es wirklich?

Aktuell ist die User-Erfahrung mit so gut wie allen Streaming-Diensten höchst unterschiedlich. Selbst bei ein und demselben User kann die Qualität extrem schwanken, je nachdem wie stabil das Netz und wie hoch die Serverauslastung ist. Im Selbstversuch hat sich gezeigt, dass zum Beispiel Geforce Now allein an einem Tag erstaunlich gute Qualität lieferte, wenige Stunden später aber absolut unbenutzbar war.

Ihr wollt Super Mario Odyssey streamen? Das wird nichts. Nintendo hat zurzeit kein Angebot für Spiele-Streaming.Ihr wollt Super Mario Odyssey streamen? Das wird nichts. Nintendo hat zurzeit kein Angebot für Spiele-Streaming.

Es ist jedoch stets - auch bei hoher Übertragungs-Qualität - eine gefühlte Verzögerung zwischen Eingabe und Ausführung vorhanden. Die ist im besten Fall äußerst gering und es ist kaum ein Unterschied zwischen lokalen und gestreamten Spielen festzustellen. Jedoch ist das der erste Punkt, der euch auffallen dürfte, sobald die Verbindung auch nur minimal unter "optimal" abrutscht.

Wenn der Server nicht mitspielt, ist es auch völlig egal, ob ihr Standard-Nuter seid oder euch vielleicht in eine entsprechende Premium-Variante eingekauft habt. Denn vor einem nicht reibungslos laufenden Server sind dann letzten Endes alle gleich. Ihr bleibt ausgesperrt oder euer Gaming-Stream läuft so ruckelig, dass allein der Versuch, etwas Sinnvolles im Spiel zu machen, vollkommen sinnlos und frustrierend ist.

PlayStation Now ist ein ständiges Auf und Ab. Es wird klar, dass der Dienst noch nicht reif dafür ist, ein reibungsloses Erlebnis zu bieten. Sony selbst dreht noch ständig an den Schrauben, wie auch aktuell in der US-Version von PlayStation Now:

Die gesamte "Cloud Gaming"-Geschichte ist nach wie vor eine große Testfläche, die gleichermaßen mit erstaunlichen Spiele-Erfahrungen, wie auch mit großen und langen Frustmomenten gespickt ist. Die Idee ist grandios. Ihr müsst euch quasi kaum noch Gedanken darüber machen, ob und wie ihr eure Hardware aufrüstet. Denn im Grunde könnt ihr die Dienste fast mit jedem Rechner nutzen.

Doch kommt es wirklich darauf an, wie Netz und Server gerade drauf sind. Hat einer von den beiden einen schlechten Tag, werdet ihr auch einen haben. Zumindest, wenn ihr euch vorgenommen habt, euch gemütlich vor den Rechner zu pflanzen und zu spielen. Das wird dann nämlich nichts.

Dann wiederum darf man nicht vergessen, dass zum Beispiel Dienste wie Geforce Now noch in der Beta-Phase sind. Und die dient nun mal dazu, einen knallharten Leistungstest durchzuführen. Aufgrund der großen Stabilitätsprobleme in so gut wie allen Diensten mag aber noch viel Wasser den Flus hinabfließen, bevor die Qualität von Film- und Musik-Streams erreicht wird.

Sollte aber irgendwann alles einwandfrei klappen, sind derlei Streaming-Dienste vor allem für Gelegenheits-Zocker attraktiv, die durchaus Interesse an neuen Spielen haben, jedoch dafür keine teuren Investionen in bessere Hardware stecken wollen.

Tags: Hardware   Online-Zwang  

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