Vorschau Metal Gear Survive: Solide ohne "Solid" zu sein

von Micky Auer (Mittwoch, 17.01.2018 - 09:41 Uhr)

Wenig Metal Gear, dafür aber erstaunlich viel Überlebenskampf. So zeigt sich Metal Gear Survive beim Anspieltermin bei Konami. Ganz anders als wir es auf der E3 erlebt haben.

Das ganze Theater rund um das Zerwürfnis zwischen Publisher Konami und "Metal Gear"-Erfinder Hideo Kojima sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt. Es geht hier in erster Linie darum, was Metal Gear Survive als Spiel bietet, wie es sich im Schatten des großen Namen schlägt und ob es sich lohnt, weiter ein Auge darauf zu haben.

Die Antwort auf die letzte Frage lautet: Ja und Nein. Dafür gibt es standhafte Gründe, die wir euch im Anschluss erläutern. Eines vorweg zur Klärung: Schaut euch bitte den Namen des Spiels nochmal genau an. Darin werdet ihr nämlich nicht den Begriff "Solid" vorfinden. Konami betont diesen Umstand. Vermutlich vor allem deswegen, weil die Ankündigung eines "Metal Gear"-Spiels ohne Kojima, dafür mit zombieähnlichen Kreaturen bei den Fans für hohe Wellen gesorgt hat. Nicht im positivsten Sinne ...

(Dennoch wird kommuniziert, dass die Story von Survive direkt an die Hauptreihe anknüpft. Nun ja.)

Bereits zur E3 2017 hatten wir die Gelegenheit, das Spin-Off in Los Angeles anzuspielen. Zu diesem Zeitpunkt lag der Fokus der spielbaren Version auf Mehrspieler- und Online-Action. Per Wurmloch landet ihr auf einem kargen Planeten, auf dem ihr euch gegen die tödliche Umwelt und noch tödlichere Weltraum-Zombies erwehren müsst.

Beim erneuten Anspieltermin in Frankfurt offenbart sich jedoch eine große Überraschung, die das Spiel in einem gänzlich neuen Licht erscheinen lässt.

Überleben als Einzelkämpfer

Strategisches Koop-Gameplay, wie auf der E3 präsentiert, wird es nach wie vor geben. Daran hat sich nichts geändert. Allerdings baut sich das Geschehen rund um ein astreines Survival-Abenteuer für Einzelspieler auf. Das stand auch im Mittelpunkt der Anspiel-Session in den Büros von Konami. Dafür wurde uns ungewöhnlich viel Zeit zur Verfügung gestellt. Der Grund dafür offenbarte sich nach wenigen Schritten in die Spielwelt.

Anfangs ist eure Basis fast nur ein Haufen Schrott.Anfangs ist eure Basis fast nur ein Haufen Schrott.

Der PR-Mitarbeiter von Konami meinte zu Beginn des Termins noch zur versammelten Fachpresse: "Wir werden vermutlich heute ein Game Over sehen." Wie sich herausstellte, lag er mit seiner Vermutung richtig. Gefühlt lag er damit sogar circa 1.000 Mal richtig. Das "Survive" im Spieletitel steht da nämlich nicht von ungefähr.

Von Anfang an stehen euch nur minimale Ressourcen zur Verfügung. Ständig nagen Hunger und Durst an euer Lebensenergie. Die Gefahr durch Infektionen und schwere Verletzungen ist allgegenwärtig. Nahrung ist nicht vorhanden, Wasser ist meist schmutzig, nicht alle Lebensformen, auf die ihr trefft, sind friedfertige Pflanzenfresser.

So startet ihr in einem kargen Basislager, das euch die grundlegenden Einrichtungen zur Verfügung stellt, die ihr zum Überleben braucht: Eine Feuerstelle zum Zubereiten von Nahrung, diverse Werkbänke zur Herstellung, Reparatur und Verbesserung von Waffen, Verteidigungsanlagen und wichtigen Hilfsmitteln wie zum Beispiel Luftfilter.

Doch mit all dem könnt ihr zu Beginn nicht viel anfangen. Erstmal wagt ihr ein paar zaghafte Schritte in die Ödnis, um nach Wasser und Nahrung zu suchen. Das gestaltet sich noch quasi als Tutorial-Mission und ist schnell erledigt. Dann hört das Spiel allerdings recht schnell damit auf, euch an der Hand zu nehmen. Kurz darauf sollt ihr einen wichtigen Gegestand aus einer Basis holen, die von Zombies überrannt ist. Dort hat uns zum ersten Mal das "Game Over" begrüßt. Und zum zweiten Mal. Und dritten Mal. Und vierten Mal. Und ...

Metal Gear Survive schenkt euch nichts. Alles will hart verdient sein, von sauberem Wasser bis hin zur verbesserten Machete. Ein Kampf gegen ganze Zombie-Horden ist gerade zu Beginn des Spiels nahezu aussichtslos. Zwar könnt ihr mit den spärlich vorhandenen Ressourcen zum Beispiel Zäune errichten, um die Flut an Angreifern aufzuhalten, doch diese Sperren halten nicht lange stand.

Wer schleicht, Deckungen nutzt und Gegner mit geworfenen Gegenständen auf die falsche Fährte lockt, ist da meist besser dran. So überlebt ihr den Einstieg ins Spiel Schritt für Schritt, erkämpft euch jede Sekunde Leben und trotzt allen Widrigkeiten.

Beige, grau, braun, Sand, Stein

Eine Spielwelt, in der das Überleben im Mittelpunkt steht, ist sicher kein Tropenparadies. Die Umgebung von Metal Gear Survive zeigt sich in farbarmen Tönen voller Sand und Felsen. Gelegentlich auftretende Pflanzen stechen aus der Optik hervor, zumal sie oft sammelbare Ressourcen enthalten.

Wer schmutziges Wasser trinkt, übergibt sich ununterbrochen. Da passt die Stimmung zur kargen Grafik.Wer schmutziges Wasser trinkt, übergibt sich ununterbrochen. Da passt die Stimmung zur kargen Grafik.

Zu Beginn seht ihr im Hintergrund eine Wand aus Sand, Wind und Staub. Dies stellt die erste Barriere dar, die ihr erst überwinden könnt, sobald ihr eine Atemmaske gefunden habt. Die kommt natürlich auch mit Einschränkungen daher, denn ewig reicht der Sauerstoff natürlich auch nicht.

Die Grafik ist in ihrer Gesamtheit zweckdienlich, jedoch bei aller Liebe nicht schön oder mit besonders eindrucksvollen Ideen gewürzt. Das muss sie zwar nicht, jedoch werdet ihr lange Zeit in den weitläufigen Arealen verbringen, wenn ihr euch auf den Überlebenskampf einlasst. Vielleicht lauert in späteren Abschnitten auch mehr optische Abwechslung. Zu Beginn werdet ihr jedoch mit der "Sand und Felsen"-Optik auskommen müssen.

Eure Spielfigur könnt ihr euch selbst zusammenbasteln. Dafür braucht ihr natürlich keine Ressourcen, auch keine wertvollen Energiekristalle. Die haben übrigens eine besondere Bedeutung: Ihr findet sie als natürliches Vorkommen in der Umgebung oder als Hinterlassenschaft besiegter Gegner. Sie dienen quasi als Zahlungsmittel, Treibstoff, Erfahrungspunkte und sogar als Nachfüllration für zur Neige gehenden Sauerstoff. Ähnlichkeiten zu den Seelen in Dark Souls sind vorhanden.

Diese Kristalle sind die Grundlage für all eure Fortschritte im Spiel.Diese Kristalle sind die Grundlage für all eure Fortschritte im Spiel.

Das zeigt sich auch mit euren gesammelten Vorräten, wenn ihr im Spiel das Zeitliche segnet. Dann wartet am Ort eures Todes ein Container mit all den mühsam erbeuteten und gesammelten Gegenständen. Schafft ihr es bis dorthin, dürft ihr alles einsammeln und zur Basis transportieren. Dort angekommen, kann euch das Zeug niemand mehr wegnehmen. Schafft ihr es nicht ... nun: Pech gehabt. Alles nochmal.

Action in moderater Dosierung

Wie ihr eine Aufgabe löst, bleibt weitestgehend euch überlassen. Gegen wilde Tiere werdet ihr wohl kämpfen müssen, andere Gegner könnt ihr vielleicht umgehen oder in die Irre führen. Dabei ist die Wahl eurer Waffe von höchster Wichtigkeit. Lanzenähnliche Geräte könnt ihr durch selbst errichtete Barrieren hindurch (wie zum Beispiel Zäune) verwenden, stumpfe Gegenstände lassen diese Taktik jedoch nicht zu.

Knappe Ressourcen, schwer verwundet, zu viele Gegner auf den Fersen: Hier hilft nur noch Flucht.Knappe Ressourcen, schwer verwundet, zu viele Gegner auf den Fersen: Hier hilft nur noch Flucht.

Die bereits erwähnten Energiekristalle könnt ihr dazu nutzen, im Level aufzusteigen. Das bringt euch wiederum Talentpunkte ein, die ihr ganz klassisch in entsprechende Talentbäume investiert. Laut Aussagen von Konami sollen diese sich im Laufe des Spiels auch noch erweitern, so dass höhere Fähigkeiten für Spezialisierungen hinzukommen. Ob es eine Level-Obergrenze gibt, konnte uns jedoch nicht verraten werden. Wir werden sehen.

Die Talente machen den Überlebenskampf subtil leichter. Längere Angriffskombos sorgen für mehr Schaden, ein Ausweichschritt mag aber vielleicht die bessere Lösung sein. Erspielt muss beides erst werden. Gesammelte Ressourcen wachsen nach, das dauert aber mitunter recht lange. So seid ihr gezwungen, neue Teile des Gebietes zu erforschen und euch somit auch neuen Gefahren zu stellen.

Die Dynamik aus Schritt für Schritt Vorankommen, Management aller Ressourcen, Verbesserung von Fähigkeiten und Ausrüstung sowie das Erforschen der Umgebung greift von einem Element ins nächste. Es fühlt sich durchaus so an, als wäre der gesamte Aufbau gut durchdacht, jedoch hatte ich auch den Eindruck, dass das Überleben ein wenig zu harsch gestaltet und mit zu vielen Frustmomenten durchsetzt ist. Das mag vielleicht an meinem spielerischen Unvermögen liegen, jedoch zeigten mir die unterdrückten Flüche aus den Reihen der Kollegen, dass es ihnen wohl ähnlich erging wie mir.

Konami betont: Metal Gear Survive ist ein Spiel für "Core Gamer". Als solcher sehe ich mich zwar, aber dann muss ich mich wohl entweder mehr anstrengen oder ... die Balance im Spiel stimmt noch nicht so ganz. (Klar liegt es an der Balance. Ich bin natürlich unfehlbar! -> Ironie: OFF)

Bewertung von Micky Auer

Ich ging mit gemischten Gefühlen zum Anspieltermin und bin auch mit gemischten Gefühlen von dort wieder weggegangen. Allerdings mit gänzlich anderen Gefühlen, die da zum Cocktail gemixt wurden. Danke, Konami, dass ihr es noch schafft, mich so aufzuwühlen! Aber ernsthaft: Was ich erwartet habe, war ein vollkommen auf Mehrspieler-Action ausgerichteter Shooter. Was ich gespielt habe, war ein durchaus ausgefeiltes Survival-Abenteuer mit großem Fokus auf Ressourcen-Management.

Ein großer Fan des Genres bin ich zwar nicht, jedoch kann ich auch nicht leugnen, dass ich bis zu einem gewissen Grad durchaus motiviert war, im Spiel voranzukommen. Daraus schließe ich, dass jene Spieler, denen dieses Genre zusagt, vielleicht Feuer und Flamme für das Konzept sein werden. Was Konami da präsentiert hat, hat schon Hand und Fuß. Zumindest, was die Spielmechanik und den Aufbau betrifft.

Rein technisch gibt es wenig zu meckern. Eine recht hohe Framerate gab es während der gesamten Spielzeit zu bestaunen. Allerdings ist das bei der recht karg gehaltenen Optik auch keine große Kunst. Apropos Optik: Wie ich schon erwähnte, ist die Umgebung für ein Survival-Spiel natürlich zweckdienlich. Jedoch lassen sich auch lebensfeindliche Umgebungen, in denen nicht viel wächst und lebt, durchaus ansprechend gestalten. In dieser Hinsicht hinkt Metal Gear Survive anderen Produktionen hinterher.

Und dann wäre da noch die Sache mit dem großen Namen. Metal Gear Survive hat in meinen Augen so viel mit Metal Gear zu tun wie Graf Duckula mit Vlad dem Pfähler. Soll heißen: Es gibt Elemente, die dem großen Vorbild entlehnt sind, jedoch handelt es sich nicht um eine Weiterführung der Hauptreihe. Es ist und bleibt ein Spin-Off. Genau das will Konami auch darstellen. Auf der anderen Seite hat man sich im Management doch dafür entschieden, einen der zugkräftigsten Namen im Repertoire dafür zu nutzen.

Aus meiner Sicht wäre es für das Spiel zuträglicher gewesen, keinerlei Verbindung zu Metal Gear aufzuweisen. So sorgte die Ankündigung allein für jede Menge Zorn im Fan-Lager. Wäre Metal Gear Survive "nur" irgendein Spiel, würde es vermutlich mit weniger Kritik in der Öffentlichkeit gesehen werden. Ein zweiter Blick lohnt sich nämlich auf jeden Fall. Gerade dann, wenn ihr euch von euren Spielen nichts schenken lassen wollt.

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