Was sollen eigentlich "richtige Gamer" sein?

(Special)

von Matthias Kreienbrink (21. Januar 2018)

Immer wieder hören wir in Kommentaren, Artikeln und Videos von dem Mythos "richtiger Gamer". Dabei handelt es sich um ... ja, was eigentlich? Um einen Abwehr-Reflex gegenüber "Casual-Gamern", die vermeintlich das Hobby kaputtmachen? Um eine Auszeichnung für Spieler, die besonders lange, besonders intensiv spielen? Auch wir in der Redaktion haben uns diese Frage gestellt. Die Antworten seht ihr hier.

Dark Souls: Ein Spiel für "echte Gamer"?

Matthias Kreienbrink:

Meine erste Konsole war das Super Nintendo. Darauf habe ich stundenlang Super Street Fighter 2 gespielt. In meiner weiteren Laufbahn als „Gamer“ habe ich dann unter Anderem Resident Evil 4 bestimmt zehn Mal durchgespielt. Habe in so gut wie jedem Mario Kart alle Strecken und Cups freigespielt. Habe zuletzt mit Genuss Bloodborne durchspielt. Ebenso habe ich aber auch kein Problem, Assassin’s Creed im leichtesten Modus zu spielen, oder bei Mario + Rabbids vor besonders schwierigen Kämpfen die Hilfe-Funktion einzuschalten. Weder hat der Abspann von Bloodborne mir das Ego gestreichelt, noch die leichten Gegner in Assassin’s Creed mir den Schlaf geraubt, weil ich nun kein „Gamer“ mehr bin.

Denn das „Gamer“ schreibe ich bewusst in Anführungszeichen. Ich bin kein „Gamer“. Ich bin jemand, der auch gerne Videospiele spielt. Nicht alle, nicht immer – dafür aber immer aus anderen Gründen. Mal ist es die Geschichte, die mich interessiert. Dann vielleicht eine bestimmte Mechanik. Ein anderes Mal die Atmosphäre. Oder vielleicht ist es auch mal so, dass ein Spiel mich an ein Buch oder einen Film erinnert und diese Verbindung mich besonders interessiert. Kurzum, Videospiele sind für mich nicht ein Medium, in dem ich Leistungen erbringen muss.

Vielmehr sagt dieser Ausdruck „richtige Gamer“ mehr über die Sicht auf Spiele aus, als auf die Spieler, die vermeintlich nicht „richtig“ sind. Denn Videospiele sprechen schon sehr lange sehr viel mehr Leute an, als die „Nerds“ und „Geeks“, als die sich „Gamer“ oft gerne sehen. Es handelt sich nicht um eine kleine, missverstandene, womöglich sogar unterdrückte Minderheit. Die Minderheit, die sich als unterdrückt sieht ist nur die, die besonders laut ist. Das sind dann die „Gamer“, die Spiele nur dann als wichtig und richtig sehen, wenn sie genau sie ansprechen – sonst niemanden. Das sind die „Gamer“, die nur Spieler zulassen wollen, die so spielen wie sie. Nämlich um sich zu beweisen.

Diese „Gamer“ mögen sich selbst als richtig sehen. Als einzig-richtig, wahrscheinlich. Für mich aber sind alle Menschen „richtige Gamer“, die – und jetzt wird es heftig – Videospiele spielen. Aus welchen Gründen auch immer. Für wie lange auch immer. Auf welcher Konsole, welchem PC, welchem Smartphone auch immer. Egal ob Candy Crush, League of Legends, Mario Kart oder Dark Souls. Und sehr viel mehr haben diese Menschen meiner Meinung auch nicht gemeinsam. Sie alle spielen – aus den unterschiedlichsten Gründen – Videospiele. Mehr braucht es auch nicht. Wer daraus eine eingeschworene Gemeinschaft machen will, dem geht es wohl nur darum, wer nicht Teil dieser Gemeinschaft sein darf. Das brauch ich nicht.

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