Durch fremde Augen: Die Angst vor der Hand in Resident Evil 7

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (22. Januar 2018)

Am Wochenende saß ich mit Freunden in einem Restaurant zusammen, die allesamt nicht zocken. Wir kamen auf das Thema Virtual Reality und dessen Möglichkeiten zu sprechen. Dabei fiel mir wieder ein, wie ich einer guten Freundin wohl für immer VR vergrault habe.

In dieser Reihe betrachten wir Spiele durch fremde Augen. Dazu drücken wir Freunden, Bekannten oder Verwandten einen Controller in die Hand und lassen sie ein ihnen fremdes Spiel zocken. Wie sie mit dieser Situation umgehen - belustigt, verängstigt, total überfordert oder irgendwas dazwischen - das erfahrt ihr in unseren Geschichten.

Es begab sich an einem Samstag-Abend, dass ich auf die Idee kam, einer guten Freundin mal zu zeigen, wie Virtual Reality so ist. Resident Evil 7 schien mir in meinem Leichtsinn eine gute Idee für die ersten Gehversuche. Ich selbst hatte das Spiel zu dem Zeitpunkt schon zwei Mal durchgespielt, kannte also jeden Erschrecker, kannte die Wege durch das schummrige Haus.

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich die VR-Brille sonst wohl auch nicht aufgesetzt. Ich weiß nicht, ob ihr schon mal so eine Brille auf dem Kopf hattet. Doch wenn, dann kennt ihr sicherlich das Gefühl, an einem anderen Ort zu sein.

Ihr seht eure Umgebung nicht. Habt Kopfhörer auf, hört also nur die Klänge des Spiels. Nichtmal kurz auf euer Smartphone könnt ihr schauen. Kurzum, wenn ihr in VR spielt, dann tut ihr nur das und nichts anderes.

So saß ich nun also mit der guten Freundin - die auch heute noch, so viel sei verraten, eine gute Freundin ist - auf dem Sofa. Ich erklärte ihr, wie das mit VR funktioniert. Wie sie das Headset der PlayStation VR richtig justiert, wie die Steuerung des Spiels funktioniert. Auch versprach ich ihr, dass ich mir keine Späße erlauben würde, sie nicht erschrecke, während sie die Brille trägt.

Darüber hinaus sprach ich sogar ununterbrochen mit ihr. Sagte ihr, an welcher Stelle etwas Gruseliges passieren würde. Als ich so neben ihr saß, wurde mir so richtig bewusst, welchen Effekt Virtual Reality auf die Menschen hat, die es benutzen. Besonders dann, wenn es sich um Menschen handelt, die eigentlich nicht spielen. Das Überwältigungsmoment ist für viele dieser Spieler einfach viel zu groß.

Die Freundin wollte sich kaum von der Stelle bewegen. Erlebte die virtuelle Realität so, als wäre sie echt. Es ging ihr direkt unter die Haut. Schon nach kürzester Zeit fing sie stark an zu schwitzen. Aus Reflex bewegte sich ihr gesamter Körper, obwohl sie doch eigentlich nur den Controller für die Bewegung nutzen konnte. Auch meinen beruhigenden Worten wollte sie nicht ganz glauben, erwartete hinter jeder Ecke den größten Schock ihres Lebens.

Den größten Schrecken erlebte sie jedoch, als die virtuelle Realität gebrochen wurde. Dann nämlich, als sie eine Treppe erklimmen wollte und die virtuelle Hand des Protagonisten plötzlich ins Bild griff. Denn für den Bruchteil einer Sekunde dachte sie wohl, dass es ihre Hand war. Darum schrie sie auch HAND!!! in atemberaubender Lautstärke. Danach war es dann vorbei. Der Ausflug in die Welt der VR-Möglichkeiten war zuende. Das Headset flog vom Kopf.

Ein interessantes Experiment war es. Zu sehen, wie so ein komplett neues Medium, ein Medium, für das es keine Erfahrungswerte gibt, unerfahrene Spieler wohl vollkommen überfordert. Wir haben uns jetzt überlegt, dass wir es bald nochmal versuchen. Dann aber vielleicht mit einem Spiel wie Skyrim VR. Das ist idyllischer. Was dabei herumkommt, erfahrt ihr vielleicht bald hier.

Dieses Spiel konnte ich vor der Veröffentlichung in einem Hotelzimmer spielen, veranstaltet von Sony selbst. Was soll ich sagen? Am Ende der halbstündigen Anzockmöglichkeit musste ich eine nassgeschwitzt VR-Brille vom Kopf ziehen. Virtual Reality hinterlässt wirklich einen starken Eindruck.

Tags: Durch fremde Augen   Virtual Reality  

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