Test Street Fighter 5 - Arcade Edition: Na also, geht ja doch

von Micky Auer (23. Januar 2018)

Der Sturz einer Legende erfolgte im Frühjahr 2016 mit der Veröffentlichung von Street Fighter 5. Jetzt, zwei Jahre später, will Publisher Capcom mit der Arcade Edition die Scharte auswetzen.

Das ging nicht gut ... Mit Street Fighter 2 und seinen unzähligen Updates und Neuauflagen schuf Capcom eine Legende - und hat danach das Zählen verlernt. Street Fighter 3 kam mal hier, mal da zum Vorschein, Street Fighter 4 sorgte für mächtig Ärger, als kurz nach der Veröffentlichung eine verbesserte Version zum Vollpreis erschien. Und dann kam noch eine Arcade Edition hinterher. Nun ja.

Man möchte meinen, Capcom hätte seine Lektion nach der Kritik von Spielern und schlechten Bewertungen seitens der Presse gelernt und würde mit Street Fighter 5 alles richtig machen. Tja, weit gefehlt. Als der fünfte Teil der Prügel-Saga am 16. Februar 2016 auf den Markt kam, wurde schnell klar, dass es sich im besten Fall um eine Demo zum Vollpreis handelte.

Nur wenige Kämpfer standen zur Verfügung, die Spiel-Modi waren ebenso spärlich vorhanden und sperrten Einzelspieler von vorneherein aus. Obwohl auf einem soliden Gerüst basierend, fehlte es dem Beat ’em up an Feinabstimmung und Balance. Da half auch die schicke Optik nichts mehr, ebensowenig wie das Versprechen, dass alles andere per Download nachgereicht werden würde.

Den zahlenden Kunden war klar: Wenn Capcom seine übliche Geschäftspraktik verfolgt, zahlen sie zusätzlich zum vollen Preis für eine unfertige Version mindestens nochmal so viel, wenn sie über einen längeren Zeitraum verteilt die fehlenden Einzelteile zusammensammeln wollen. So war es in der Vergangenheit. Doch dann sorgt Capcom erneut für eine Überraschung, diesmal jedoch im positiven Sinne:

Die zusätzlichen Modi und Änderungen an der Balance von Street Fighter 5 - Arcade Edition sind für die Besitzer der Originalversion als kostenloser Download erhältlich. Kauft ihr das Spiel neu, zahlt ihr nur knapp 40 Euro und erhaltet gleich sämtliche bisher erschienenen DLC-Charaktere mit dazu. Wie der Launch-Trailer verrät, könnt ihr euch auch zukünftige DLC-Charaktere im Spiel verdienen, ohne dafür zu zahlen. Erhältlich ist das Spiel für PlayStation 4 und PC, getestet wurde die PS4-Version.

Die Hauptsache ist aber: Street Fighter 5 - Arcade Edition entpuppt sich als das, was es von Anfang an hätte sein sollen, nämlich ein hervorragendes, umfangreiches, motivierendes und unterhaltsames Prügelspiel. Nicht gänzlich ohne Makel, aber mal ehrlich: Wer oder was ist das schon?

Das "Arcade" in "Arcade Edition"

Nicht umsonst trägt das Spiel "Arcade Edition" im Titel, denn der Arcade-Modus ist der größte Blickfang in der neuen Fassung. Im allgemeinen handelt es sich bei einem solchen Modus um eine Serie von Kämpfen gegen zufällig gewählte Gegner, bis hin zum Boss. Hier wird dieser althergebrachte und beliebte Modus gleich in eine Ehrung der gesamten Geschichte von Street Fighter verwandelt. Eine Geschichte, die nun bereits über 30 Jahre andauert.

Von wegen großes Vorbild: Sakura zeigt Ryu, was sie gelernt hat.Von wegen großes Vorbild: Sakura zeigt Ryu, was sie gelernt hat.

Das funktioniert wie folgt: Statt nur einer "Arcade Ladder" gibt es sechs verschiedene Zeitlinien, die sich an den großen Epochen der Serie orientieren. So gibt es auch spezifische Gegner pro Linie, die in anderen Linien wiederum fehlen. (Ihr werdet zum Beispiel keine Charaktere aus Street Fighter 4 in der Zeitlinie von Street Fighter 2 finden, weil die erst in Teil 4 ihren ersten Auftritt haben.)

Ziel des Arcade-Modus ist ein Highscore in einem Online-Leaderbord. Der gesamte Modus ist hübsch präsentiert und liefert massig Material für nostalgische Rückblicke in entsprechend gestalteten Stages und mit neu aufgelegten musikalischen Themen. Sogar Bonusrunden, wie das Zertrümmern von Fässern, sind wieder mit dabei. Eure Erfolge schalten hunderte Artworks frei, die die Geschichte rund um die einzelnen Kämpfer erzählen und erweitern.

Zusätzlich könnt ihr auch spezifische Vorgaben erfüllen, was wiederum diverse Geheimnisse lüftet. Alles in allem sind diese Erfolge ein klassischer Motivationsfaktor, um noch eine weitere Runde zu versuchen und euch selbst den Antrieb zu geben, stets besser zu werden. Nicht extrem spektakulär in der Gesamheit, aber hübsch verpackt und gern gesehen. Konkurrenzprodukte wie zum Beispiel Injustice 2 bieten in dieser Hinsicht wesentlich mehr für den ambitionierten Einzelspieler, jedoch hat Capcom hier aus dem Nichts etwas gezaubert, das gleichzeitig Spaß macht und die Geschichte der legendären Spieleserie mit einbezieht.

Spürbar positive Veränderungen

Einzelspieler hin, neuer Modus her - im Kern ist und bleibt Street Fighter 5 auch in der Arcade Edition natürlich ein Prügelspiel. Genau genommen ist es eines von der brillanten Sorte. Die Basis, das Grundgerüst dafür, war schon immer vorhanden, jedoch wirkte es gerade zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wie ein leerer Kleiderständer.

Wenn Legenden sich in die Haare kriegen: Chun-Li und Cammy schenken sich mal wieder nichts.Wenn Legenden sich in die Haare kriegen: Chun-Li und Cammy schenken sich mal wieder nichts.

Die Einstiegshürde ist selbst für Neulinge im Genre äußerst gering, die Herausforderung für Veteranen und Turnierspieler hingegen richtig knackig. Der Trainings-Modus gibt jedem Spieler ausreichend Möglichkeiten, Angriffs- und Abwehrmanöver entsprechend zu lernen. Je nachdem, wie weit ihr dabei in die Materie eintauchen wollt, gibt es noch eine Vielzahl von Daten, die eurem Können umfassende Feinabstimmung verleihen.

Die Einblicke gehen dabei so weit, dass ihr genau sehen könnt, ob ein Angriff mit einer Combo weitergeführt werden kann, ob und wann ihr bei Angriffen verletzlich seid und Lücken in der Verteidigung in Kauf nehmen müsst und von wann bis wann ein Frame läuft. Alles wird so präsentiert, dass selbst ungeübte Spieler in die Mechaniken Einblick nehmen (und auch verstehen) können, mit denen sonst nur Profi- und Turnier-Spieler arbeiten.

Heute nicht mehr wegzudenken: Die Online-Umgebung. Zum Start vor zwei Jahren gab es deswegen schlechte Noten von allen Seiten. Dieses Problem gehört der Vergangenheit an. Zahlreiche Spieler tummeln sich auf den Servern, der Modus läuft stabil, es gibt daran nichts Großes mehr auszusetzen. Habt ihr zwar Bock auf menschliche Gegner, nicht jedoch auf Online-Kämpfe, könnt ihr dank "Team Battle Mode" euer Wohnzimmer zur Arena machen. Auch wenn es attraktiv und sinnvoll erscheint: Dieser Modus hat keine Online-Unterstützung erhalten und bleibt Couch-Kämpfern vorbehalten.

Der große Name glänzt wieder

Letzten Endes gibt es noch Veränderungen an der Balance, die natürlich nur jenen Spielern auffallen werden, die bereits ihre Erfahrungen mit Street Fighter 5 gesammelt haben. Was mir persönlich aufgefallen ist, ist die verringere Anfälligkeit von Attacken aus dem Sprung gegen geduckte, kurze Schläge. Im Gegenzug spielen sich desginierte Konter- und Abwehr-Angriffe gegen gesprungene Angriffe wesentlich verlässlicher.

Vega wird es bereuen, jemals die Maske abgenommen zu haben. Schwergewicht Birdie fackelt nämlich nicht lange.Vega wird es bereuen, jemals die Maske abgenommen zu haben. Schwergewicht Birdie fackelt nämlich nicht lange.

Besonders signifikant ist das Hinzufügen eines neuen V-Trigger für jeden Charakter. Das eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten zum Experimentieren, sie verändern bei einigen Figuren die gesamte Grundtaktik und lassen euch überdenken, wie ihr sie in Zukunft spielen wollt. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wie die neuen Mechaniken und veränderten Spielelemente von der Community angenommen und umgesetzt werden. Oft kommen dabei Aktionen und Taktiken raus, die nicht mal die Entwickler so haben kommen sehen.

Jedenfalls sollte mit der Arcade Edition nicht nur eine zufriedenstellende, sondern wirklich rundum großartig inszenierte und durchdachte Ausgabe vorhanden sein, die alle Spieler wieder vor den Monitor holt. Es ist nur jammerschade, dass Capcom sich dazu hat hinreißen lassen, die unfertige Version vor zwei Jahren zu veröffentlichen. Das hat für unnötig viel Schaden und Ärger gesorgt. Beides hätte nicht sein müssen. Wäre Street Fighter 5 in der aktuell vorliegenden Qualität erstveröffentlicht worden, hätte es vermutlich einen vielbeachteten Siegeszug angetreten. Hoffentlich wird der nun nachgeholt.

Meinung von Micky Auer

Ich bin beeindruckt und ein wenig traurig zugleich. Zwei Jahre lang hat Street Fighter 5 mit der Schande seiner Erstveröffentlichung existieren müssen. Ein Makel, von dem man sich nur schwer wieder befreien kann. Ich möchte aber nochmal betonen, dass ich mit der Arcade Edition eine Fassung vorliegen habe, der dieses schwierige Vorhaben gelingen sollte. Ihr müsst es nur zulassen.

Ganz klar: Street Fighter 5 - Arcade Edition ist nicht das perfekte Beat 'em up, aber es darf sich ohne mit der Wimper zu zucken ganz weit oben einreihen. Die Vielzahl der Spielmodi, die charmante Einbindung der eigenen Historie und vor allem die auf Hochglanz polierte Spielmechanik holen den einst so großen Namen wieder in den Vordergrund.

Auch finde ich, dass Capcom das Meisterstück gelungen ist, einen hochkomplexen Fighter an den Start zu bringen, der Profis dazu motiviert, sich an einer Neudefinition ihrer eigenen Perfektion zu wagen, gleichzeitig aber auch ein Spiel abliefert, das niemanden außen vor lässt. Zu oft schon habe ich beobachtet, dass sich Neulinge nicht an ein Spiel wagen, weil sie das elitäre Gehabe von selbsternannten Profis abschreckt. Leute, vergesst das!

Diese Version des Spiels ist der perfekte Einstieg für Neulinge auf dem Sektor. Es erklärt alles und regt euch zum Experimentieren an. Die Grenzen setzt ihr euch selbst. Wer tief ins Spiel hinein will, der wird auch auf tief verborgene Schätze stoßen. Wer einfach nur Spaß haben möchte, wird diesen sehr schnell finden.

87 Spieletipps-Award

meint: Die Arcade Edition hebt Street Fighter 5 in den Prügel-Olymp. Umfang, Präsentation und Balance der Spielmechanik sind tadellos ausgefallen.

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Tags: Singleplayer   Multiplayer  

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