Der Gamerpapa und die Spieleschmiede aus Kyoto (Kolumne)

von Stefan Wild (Mittwoch, 24.01.2018 - 18:17 Uhr)

Auch Gamer können Eltern werden! Doch doch. Unser Autor Stefan Wild kann davon ein Liedchen singen. In dieser Kolumne gewährt er uns einen kleinen Einblick in den Alltag eines leidenschaftlichen Gamers und seinem kleinen Zuschauer. Er dankt bei der Gelegenheit auch einem Spielehersteller, der ihn schon lange begleitet.

“Nochmal der T-Rex, Papa!” Nochmal? Es gibt doch noch so viele andere Dinge zu entdecken! Wir können die Rückseite des Mondes erforschen, geheime Wasserwelten erkunden oder unsere Bestzeiten auf den Rennstrecken der wunderbaren Welt von Super Mario Odyssey unterbieten!

Aber man muss eben Einschränkungen machen, wenn ein fünfjähriges Kind neben einem auf der Couch sitzt.

Dass sich die Gewohnheiten beim Gaming mit dem Alter verändern, haben wir schon mal besprochen. Die große Tragik im Leben eines Gamers ist auch hinreichend bekannt: In den jungen Jahren ist Zeit im Übermaß vorhanden, jedoch nicht genug Geld für all die schönen Spiele. Später kehren sich die Verhältnisse um; wenn Freizeit plötzlich zur wertvollen Ressource wird und immerhin ein bisschen Geld im Monatstakt auf dem Konto eintrudelt.

Ein optionaler Boss

Doch das Erwachsenendasein hat noch eine weitere Dimension, die sich ganz entscheidend auf das schöne Hobby Videospielen auswirkt. Allerdings steht es jedem frei, ob man sich dieser Aufgabe stellt - eine Art optionaler Boss: Das Kinderkriegen.

Neben vielen Veränderungen im Leben bedeuten Kinder eben auch, dass nicht mehr jedes Spiel zu jeder Zeit gezockt werden kann. Denn sobald ich mich, von den Mühen und Lasten des Tages gezeichnet, niederlasse, um mich der Kontemplation eines guten Videospiels hinzugeben, passiert es: “Spielst du jetzt, Papa?” Ja. Und schon sitzt ein erwartungsvoller kleiner Mensch neben mir: “Das mit dem T-Rex?” Ja, was denn sonst?

Sicher, Switch-Spiele kann man auch auf der Toilette spielen, “Papa braucht wieder länger”, oder im Bett, “Papa ist ganz müde”. Und für Spiele auf PC oder anderen Konsolen bleibt auch die späte Stunde, wenn der Nachwuchs schon im Bettchen liegt und von Dinosauriern träumt. Leider fordert jedoch auch der eigene alte Körper seinen Tribut und besteht seinerseits auf ausreichend Nachtruhe.

Kindheitserinnerungen seit 30 Jahren

Es bleibt deshalb eigentlich nur, sich nach Spielen umzusehen, die beiden Generationen Freude bereiten. Auch darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass in der Regel noch ein weiteres Elternteil der Schicksalsgemeinschaft angehört, welcher das Geschehen auf dem Bildschirm hinsichtlich der Kindertauglichkeit nach ganz eigenen Kriterien beurteilt.

Alle Gamer-Eltern, zu deren Sprecher ich mich hiermit kurzfristig machen möchte, danken deshalb einer traditionsreichen Spieleschmiede aus Kyōto. Diese Firma versorgte schon vor 30 Jahren Menschen mit kostbaren Kindheitserinnerungen. Heute haben diese Menschen selber Kinder und können immer noch ihre Games spielen, in dem guten Gewissen, dass ihr eigener Nachwuchs daran keinen Schaden nehmen wird.

“Tut mir leid, der T-Rex ist nicht mehr da.” Die Augen meines Sohnes füllen sich mit Tränen, doch er bleibt tapfer. Ich möchte ihn eigentlich nicht anlügen, aber ich bin verzweifelt. “Du musst nicht traurig sein, ich habe hier ein anderes Spiel - mit Autos! Und Mario ist auch dabei!” Seine Gesichtszüge hellen sich auf. Danke Nintendo!

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