Die großen Trends in der Spielebranche: Vier Dekaden voller Richtungswechsel

(Special)

von Micky Auer (25. Januar 2018)

Es gibt viele Gründe, warum ein erfolgreiches Spiel aus den 80ern heute nicht mehr im gleichen Maß für Aufsehen sorgen würde. Technik ist natürlich die eine Seite davon, doch sind auch Trends stark für die Akzeptanz von Spielesoftware ausschlaggebend.

Bevor PCs und Konsolen die Spielewelt nach Hause brachten, war das natürliche Habitat der frühen Videospiele in den Spielhallen, also Arcades angesiedelt. Vereinzelt fand man Arcade-Automaten auch in großen Supermärkten, Bahnhöfen oder in diversen, nicht ganz so schicken Lokalen.

Diese Form der Verbreitung markiert den ersten großen Trend der Videospielindustrie. Nämlich die Positionierung von digitalen Spielen als soziale Aktivität. Die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts (Ist es nicht majestätisch, dass die meisten von euch in einer Position sind, in der ihr sagen könnt, ihr hättet das vergangenen Jahrhundert UND das vergangene Jahrtausend erlebt? Man fühlt sich dabei fast wie eine Asari ...) waren in Hinblick auf Videospiele in zwei große Abschnitte unterteilt: Den großen "Video Game Crash von 1983/84" und die Rettung und Wiederauferstehung durch Nintendos NES.

Seitdem ist viel, wirklich sehr viel passiert! Geht mit auf eine Reise durch die großen Trends, die seitdem die Welt der Videospiele geformt haben.

Die 80er: Die Zeit vor und nach dem großen Crash

Die großen Trends der Zeit:

  • Die Herrschaft der Arcades
  • Der Aufstieg des NES
  • Der Weggang von Arcades

Der Crash in Kurzform: Es gab eine totale Übersättigung durch unzählige Konsolen, entsprechend viele Formate und eine unüberschaubare Flut von Spielen. Viele davon waren billigst produziert, es gab so gut wie keine Berichterstattung darüber. Konsumenten fühlten sich überfordert und waren nicht mehr bereit, viel Geld in Produkte zu investieren, von denen sie nicht vorher sagen konnten, ob sie ihnen zusagen würden. Der Markt brach zusammen.

Space Invaders: Die einfachsten Formen sind oft die unvergesslichsten.Space Invaders: Die einfachsten Formen sind oft die unvergesslichsten.

Zuvor stand man eben vor einem Arcade-Automaten, warf Münze um Münze ein und schaute sich gegenseitig beim Spielen zu. Nicht selten waren vor den sogenannten Cabinets immer Grüppchen von meist männlichen Jugendlichen zu finden, die dem besten Spieler der Runde über die Schulter blickten, während er dem nächsten Highscore hinterherjagte. Anfeuern, hitzige Debatten und das gemeinsame Ersinnen neuer Spielstrategien gehörten oft dazu. Wie gesagt: Es war eine soziale Aktivität, vielleicht schon so etwas wie früher E-Sport.

Die meisten Spiele auf den ersten Konsolen wollten dieses Phänomen ins heimische Wohnzimmer übertragen. Das hat nur bedingt funktioniert. Kurz darauf erfolgte bereits der Crash. Aus dieser Zeit stammen ikonische Spiele, die für die gesamte Industrie damals die Trendgeber waren. Dazu gehören zum Beispiel Pac-Man, Space Invaders, Donkey Kong oder Galaga. Namen, die auch heute noch bekannt sind, im Falle von Donkey Kong sogar noch spielerisch relevant.

Nach dem Crash herrschte erstmal Stille, bevor Nintendo mit einer neuen Konsole den Markt eroberte und gleich den nächsten, wichtigen Trend etablierte: Ein Weggang von den Arcade-Konzepten. Klar, auch für das NES gab es noch zahlreiche Arcade-Umsetzungen. Doch im Laufe der Jahre zeigte sich mehr und mehr, dass die Konsole ein eigenes Spieleuniversum um sich herum aufbauten.

Arcades verließen sich auf stetig stärker werdende Hardware, bessere Grafik und mehr Action, die Heimkonsole hingegen ermöglichte die Etablierung von erzählerischen Inhalten, umfangreichen Szenarien und Spielen, die mehr als nur eine schnelle Runde in der Arcade boten. Nach und nach kristallisierten sich Trends auf dem Konsolenmarkt heraus, die selbst heute noch vorhanden sind.

Die 90er: Videospiele beginnen, auf eigenen Beinen zu stehen

Die großen Trends der Zeit:

  • Spiele werden länger und für Solo-Spieler optimiert
  • Erzählung und Hintergründe für Spiele nehmen an Wichtigkeit zu
  • Beat 'em Ups, Ego-Perspektive und 3D-Grafik treten auf den Plan
  • Brutalität in Spielen sorgt für Kontroversen
  • "Mobile Gaming" wird dank Game Boy etabliert
  • Pokémon erobert die Welt

Die nächste Dekade sorgte für viele große Trends, die sich bis zum heutigen Tag behauptet haben. Man kann in manchen Punkten schon lange nicht mehr von Trends als solche sprechen, da sie mittlerweile zum absoluten Standard geworden sind. Worum es sich dabei handelt, erfahrt ihr im folgenden Absatz.

Eine große Zeit für Jump and Runs: Donkey Kong Country für SNES sorgte für Furore.Eine große Zeit für Jump and Runs: Donkey Kong Country für SNES sorgte für Furore.

Wie wir vorhin festgestellt haben, sind die stationären Heimkonsolen in der zweiten Hälfte der 80er Jahre stark geworden und haben sich ihren festen Platz im Wohnzimmer erobert. So kurz nach dem Crash mag das anfangs noch ein riskanter Trend gewesen sein, in den 90ern jedoch war klar, dass Heimkonsolen ihre Vormachtstellung gegenüber den Arcade-Maschinen, auf denen sie ja basieren, weiter ausbauen.

Für den Konsumenten bedeutete dies noch mehr auf Einzelspieler-Erfahrungen zugeschnittene Spiele. Dieses Unterscheidungsmerkmal zu den Arcades hat sich als äußerst erfolgreich bewiesen und wollte weiter gepflegt werden. Entsprechenderweise entstanden bei den Entwicklern damals noch mehr auf Erzählung basierende Spiele. Selbst die simpelsten Hüpfereien wurden mit einem Hintergrund bedacht, einem Universum, das ausbaufähig war, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergab.

Final Fantasy 7: Untrennbar mit Gamer-Erinnerungen an die 90er verbunden.

Der Trend ging somit weg von abstrakten Konzepten und Spielewelten, hin zu umfangreichen Marken, die für die Ewigkeit ersonnen waren. Natürlich war das kein Garant für den Erfolg, aber vorausschauende Entwickler und Publisher gingen lieber auf Nummer Sicher und sorgten gleich von Anfang an dafür, dass im Falle eines Erfolges auch ein Spieleuniversum vorhanden war, auf das man aufbauen und neue Ideen anbringen konnte.

Die 90er waren nach geglückten Experimenten auch trendbedingt der Ursprung so wichtiger Attribute wie Ego-Perspektive und 3D-Grafik, sowie des Aufstiegs der klassischen Beat 'em ups und der Verschmelzung von Jump and Runs mit 3D-Adventures. Namen, die auch heute noch für Aufmerksamkeit sorgen, stammen aus dieser Zeit. So zum Beispiel Fallout, Silent Hill, Tomb Raider und Grand Theft Auto.

Die erste Hälfte der 90er Jahre gehörte noch den starken 2D-Konsolen wie SNES und Mega Drive, die zweite Hälfte wurde hingegen von der PlayStation dominiert, die sich schnell zu einer Plattform entwickelte, die für Entwickler völlig neue Wege erschloss. Nachdem bereits der erste Teil einer heute noch bekannten Prügel-Serie mit noch nie zuvor dargestellter, vollkommen übertriebener Brutalität von sich Reden machte, zog sich durch die zweite Hälfte des Jahrzehnts eine Blutspur, wie man sie vorher noch nicht kannte.

Mit stärkerer Hardware kam auch verbesserte Darstellung, die brutale und detaillierte Szenen in Spielen ermöglichte. Dieser Trend sorgte und sorgt auch heute noch für Kontroversen, aber auch für Erfolge. Brutalität, Horror, Splatter uns Slasher kamen häufiger in den neuen Produktionen vor. Dabei hat sich schnell herausgestellt: Brutalität allein lockt keine Käufer, es muss auch ein gutes Spielprinzip dahinterstecken. Ein Umstand, der in vielen polemischen Reden und Vorab-Urteilen gerne mal bequem unterschlagen wird.

Und da gab es noch etwas, was gegen Ende der 90er als Geheimtipp begann, zum lawinenartigen Trend wurde und bis heute ein popkulturelles Phänomen bleibt, dessen Erfolg ungebrochen ist. Die Rede ist von Pokémon. Damit verbunden hat Nintendo auch mit dem Game Boy den Trend für mobiles Gaming gestartet. Rein technisch gesehen erschien die tragbare Konsole in Japan bereits 1989, in Deutschland war der Game Boy jedoch erst ab 1990 erhältlich.

Weiter mit: Die 2000er und das jetzige Jahrzehnt

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Tags: Retro  

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