Die großen Trends in der Spielebranche: Vier Dekaden voller Richtungswechsel - Seite 2 (Special)

Die 2000er:

Die großen Trends der Zeit:

  • Open World startet durch
  • Musikspiele und Peripherie-Instrumente erobern die Wohnzimmer
  • Nintendo Wii macht Bewegungssteuerung salonfähig
  • Die Unterteilung in Casual- und Core-Gaming spaltet die Spielewelt
  • Genres verschmelzen
  • Online-Gaming hält Einzug auf Konsolen

Die erste Dekade des neuen Jahrtausends brachte drei große Trendgeber hervor. Nämlich die PlayStation 2, die Xbox 360 und Nintendo Wii. Jede Hardware brachte ihre eigenen Trends mit auf den Markt, die für richtungsweisende Änderungen in der Branche sorgten.

Der Anfang der 2000er war fest in der Hand von Sonys PlayStation 2. Die Dominanz der PS2 sorgte dafür, dass die stärksten Trends dieser Zeit auf eben dieser Konsole ihren Ausgang nahmen. Die Marke GTA wurde zu detailliert dargestellten "Open World"-Spielen und setzte damit den entsprechenden Trend, der noch bis heute andauert.

Assassin's Creed erscheint und zeigt, wie grandios eine "Open World" sein kann.

Die nächste Hardware-Generation wurde von der Xbox 360 dominiert, obwohl die gleichzeitig vorhandene PlayStation 3 auch mit für die damals stärksten Trends verantwortlich war. Denn Peripherie für beide Plattformen sorgte bei den Spielern für Furore. Rhythmus-Spiele und die dazugehörigen Pseudo-Musikinstrumente wurden den Händlern regelrecht aus den Händen gerissen. Der Trend war ein vergleichsweise kurzlebiges, aber äußerst hell aufloderndes Phänomen, das von Namen wie Guitar Hero und Rock Band getragen wurde.

Im letzten Drittel des Jahrzehnts, als die Welt von einer schweren Wirtschaftskrise gebeutelt wurde, trat Nintendo wieder in den Vordergrund. Trotz stetiger Erfolge auf dem Handheldmarkt (Game Boy Advance und Nintendo DS sei Dank) führte der japanische Hersteller seit den Tagen des Nintendo 64 ein Schattendasein hinter Sony und Microsoft, die mit wesentlich stärkerer Hardware und um ein Vielfaches diverserer Software die Spitzenpositionen am Markt für sich beanspruchten.

Dann kam Nintendo mit der Nintendo Wii zurück und verpasste der Wirtschaftskrise einen kritischen Treffer, der im Endeffekt auch Sony und Microsofot mit offenen Mündern zurückließ. Nintendo Wii stellte durch die Bewegungssteuerung etwas ganz Neues dar und brachte damit auch neue Trends zum Vorschein. Videospiele waren plötzlich nicht mehr nur ein Luxusprodukt für eine stark abgegrenzte Käuferschicht, sondern sollten jeden, wirklich jeden ansprechen. Der Trend ging hier stark in Richtung Casual Gaming und wird heute als zweischneidiges Schwert betrachtet.

Denn die sogenannten Casual Games mögen zwar ein breites Publikum ansprechen, jedoch fühlte sich die anderen Seite, die "Core Gamer" dadurch zurückgelassen. Der Trend brachte zu seinen Hochzeiten vor allem Nintendo großen Erfolg, brach aber danach ab und verlagerte sich in weiterer Folge stark auf den Smartphone-Markt.

Auf Xbox 360 und PS3 hingegen fühlten sich Core Gamer nach wie vor wohl, denn große Marken wie Mass Effect, Bioshock und Assassin's Creed nahmen wichtige Positionen ein. Sie vereinten bestimmte Trends zu neuen Konzepten und führten diese konsequent weiter. Mass Effect war an vorderster Front mit dabei, Rollenspiel-Elemente in ein Spielprinzip zu implementieren, das auch als reiner Shooter funktionieren hätte können. Bioshock tat etwas Ähnliches, verließ sich dabei auf eine Adventure-Mechanik, die ohne RPG-typische Erfahrungsstufen auskam. Assassin's Creed hingegen zeigte eindrucksvoll, wie Open World aussehen kann. Diese drei Trends wurden von vielen weiteren Produktionen aufgegriffen und sind heute genreübergreifend beinahe überall zum Standard geworden.

Ein besonders wichtiger Trend, der mal Fluch, mal Segen sein kann, verlagerte sich aus dem PC-Lager auf die Konsolen: Online Spielen. Damals sorgte vor allem die Xbox 360 dafür, dass sich das Online-Element auch auf Konsolen etablierte. Heute ist es fraglich, ob Einzelspieler-Spiele dadurch in Gefahr geraten und ob es wirklich noch immer nötig ist, jedes Spiel mit einer Online-Komponente zu versehen. Der nächste Trend in dieser Richtung hat sich noch nicht zur Gänze herauskristallisiert.

Die 2010er:

Die großen Trends der Zeit:

  • Die Branche versucht, digitalen Vertrieb zu etablieren
  • DLCs und Mikrotransaktionen sorgen für Unmut bei den Konsumenten
  • Videospiele verbessern ihren Status in der Gesellschaft
  • Aufstieg der Indie-Szene
  • Erzählung und Geschichten sind wichtiger denn je zuvor

Da sind wir jetzt, da sind wir schon bald nicht mehr. Das Jahr 2018 stellt bereits die letzten Züge des auslaufenden Jahrzehnts dar. Welche Trends haben also die vergangenen Jahre bis hierher bestimmt?

The Last of Us markiert einen Meilenstein in der hochwertigen Produktion von Videospielen.

Die Branche ist zu einem riesigen Wirtschaftsbereich gewachsen. Produktionen werden teurer, erinnern vom Aufwand her mitunter an Hollywood-Projekte. Mit dem Wachstum der Industrie hat sich natürlich ein stark wirtschaftliche Komponente etabliert. Diese resultiert nicht einfach nur in gestiegenen Preisen, sondern auch in Trends, die nur die wenigsten gutheißen. Ihr wisst, wovon die Rede ist ...

Neben digitalen Veröffentlichungen, die nach und nach die physischen Exemplare verdrängen wollen, kamen auch die DLCs und Mikrotransaktionen an die Macht. Kaum einer will sie, dennoch werden sie so bereitwillig und zahlreich genutzt, dass kein Publisher, der bei klarem Verstand ist, darauf verzichten will. Der neueste Auswuchs: Lootboxen.

Solcherlei Geschäftsmodelle haben ihren Ursprung in Handy-Games, sind mittlerweile aber auch am PC- und Konsolenmarkt omnipräsent. Der Trend ist besorgniserregend, denn wenn große Publisher wie EA bereits davon sprechen, dass sie "Spiele als Dienstleistung" ansehen, steht eine Transformation des Mediums vermutlich kurz bevor. Das ist jammerschade, den andere, wichtige Trends haben gezeigt, wie hochwertig und wertvoll Videospiele sein können.

Spiele werden heute gesellschaftlich anders wahrgenommen als noch zu ihren Anfängen. Das Medium entwickelt sich weiter und die Möglichkeiten, die es bietet, finden auch in Bereichen wie Gesundheitswesen und Medizin Anwendung. Vielerorts werden Videospiele als Kunstform deklariert. Und selbst heute noch ist einer der großen Trends aus den 80ern immer noch stark vorhanden und hört nicht auf, sich stets neu zu inszenieren: Erzählkunst in Spielen ist heute wichtiger denn je zuvor. Werke wie The Last of Us oder Senua's Sacrifice wären nicht möglich, würde die Spielebranche nicht talentierte Autoren beschäftigen.

Vor allem die Indie-Szene, die ihren eigenen, starken Trend markiert, sorgt hierbei immer wieder für Überraschungen. Ein Sub-Trend, genannt "Walking Simulator", ermöglicht eine interaktive Basis für tiefgreifende Geschichten, die ein Jahrzehnt vorher noch nicht möglich gewesen wären. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist Firewatch.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, was mit Trends geschieht, die von ihren Schöpfern nicht bloß ausgereizt, sondern weiterentwickelt werden: Super Mario, GTA und Pokémon sind auch heute noch ganz vorne mit dabei, sorgen stets für neue Trends und sind nicht mehr wegzudenken.

Wohin das Medium nun als nächstes geht? Um dies zu beantworten, wäre wohl ein Blick in die Kristallkugel nötig. Neue Technik, neue kulturelle Interessensgebiete, neue Mode, neue Musik, neue Filme, neue Bücher: Sie alle werden dafür sorgen, dass auch der Welt der Videospiele so schnell die Trends nicht ausgehen werden. Und letzten Endes darf der wichtigste Faktor nicht außer Acht gelassen werden: Ihr selbst seid es, die einen Trend leben oder sterben lasst. Die Zukunft liegt in eurer Hand.

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