Männer in Videospielen - von Macho-Machtfantasien zur Vielschichtigkeit - Seite 3 (Special)

Wie sieht der Mann in Videospielen also heute aus? Nun, die Optik ist definitiv besser. Ein Nathan Drake etwa ist wunderbar modelliert. Durch Motion-Capturing sind seine Bewegungen ziemlich realistisch. Aber der idealisierte Körper ist der gleiche geblieben. Denkt mal darüber nach: Habt ihr in einem Videospiel schonmal einen korpulenten Mann gesteuert? In einem Spiel, das eine ernsthafte Geschichte erzählen will? Habt ihr schonmal einen Mann gespielt, der klein ist und eine Glatze hat? Ein Mann aber, den das Spiel selbst auch ernst nimmt? Wahrscheinlich ist euch das noch nicht allzu oft passiert.

Auch ein Videospiel-Mann: Ein Vater, der sich mit dem Tod des Kindes auseinandersetzt.

Der durchschnittliche Videospiel-Held ist nach wie vor der muskulöse Mann. Wenn er nicht weiß ist, handelt es sich dann um eine - erfreuliche - Ausnahme. Wenn er nicht heterosexuell ist, handelt es sich dann um eine - erfreuliche - Ausnahme. Aber Ausnahmen bestätigen eben doch die Regel. Und so ist die Regel auch heute noch, dass diese Männer vor allem Ideale sind. Vor allem unerreichbar sein sollen. Euch die Möglichkeit geben sollen, den Perfektionismus von Körper und Charakter durchzuspielen.

Selten in Videospielen: Queere Männer. Hier Dragon Age - Inquisition.
Selten in Videospielen: Queere Männer. Hier Dragon Age - Inquisition.

Alle, die nicht in diese Schemata passen, sind direkt markiert. Sie sind die Bösen. Das zeigen zum Beispiel dicke Figuren sehr gut. Sehr oft symbolisieren sie Gier, das Andere. Das Nicht-Normale, das eurem athletischen Held entgegensteht. Dicke Endgegner explodieren deshalb auch gerne mal direkt, wenn ihr sie bewegt. Ihre Körper werden gleich ganz ausgelöscht. So wird eine Norm konstruiert, die nur den athletischen Körper als valide zulässt.

Doch ebenso gibt es heute sehr viel ausdifferenziertere Männer-Figuren in Videospielen. Nur noch selten handelt es sich um den platten Macho, der mit einem kessen Spruch den Abzug drückt. Öfter denken stattdessen auch diese Männer mal nach. Hinterfragen ihre Taten - und damit auch eure Taten. Sie sind vielschichtiger geworden. Wie etwa ein Nathan Drake, der in inneren Monologen und im Diskurs mit seinem Bruder und seiner Frau in Uncharted 4 durchaus eine gewisse Komplexität erreicht. Und damit auch eine interessantere Geschichte.

Auf dem Weg zur Komplexität. Im Laufe der Uncharted-Spiele wurde Nathan Drake immer interessanter.
Auf dem Weg zur Komplexität. Im Laufe der Uncharted-Spiele wurde Nathan Drake immer interessanter.

Denn genau darauf läuft es doch hinaus. Wenn der stereotype Mann im Videospiel weiter aufgebrochen wird, dann können sich auch ganz neue Geschichten entwickeln. Geschichten, in denen nicht alle Macht von diesen Männern ausgeht. Geschichten, die auch Brüche, Ängste und Resignation zulassen. Dann auch können wieder die stereotypen Männer interessanter werden. Die Geschichten von Heldentum und Macht spannender werden. Dann nämlich, wenn sie nicht die Regel sind, sondern eine Geschichte, ein Mann von vielen ganz unterschiedlichen. Dann, wenn sie einen Kontrast bilden zu den vielen anderen Möglichkeiten, die es gibt. Und hat Kontrast jemals geschadet?

Kommende Woche werdet ihr dann auf spieletipps ein Special über die Evolution von Frauen in Videospielen lesen können.

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