Entwickler packen aus: Wenn das eigene Spiel anfängt zu nerven

(Special)

von Chiara Bruno (05. Februar 2018)

In den Köpfen angehender Spieleentwickler schwirr heutzutage ein sehr naives Bild ihrer Traumberufe herum. Wir haben mit Menschen über das Gefühl gesprochen, an der Entwicklung eines Videospiels beteiligt zu sein, das nicht gerade ihren Vorstellungen eines "perfekten" Spiels entspricht - eher gesagt: dem Gegenteil davon.

Jeder von euch kennt dieses frustrierende Gefühl, etwas zu tun, auf das ihr wirklich keinen Bock hat. Ob es nun eine Aufgabe in eurem Beruf ist oder eine Hausarbeit in der Uni oder Schule, die euch gar nicht interessiert. So ungefähr fühlt es sich an, an einem Videospiel beteiligt zu sein, auf das man überhaupt keine Lust hat.

Dann gibt es noch den Fall, an dem sich erst zum Schluss eines Videospiel-Projektes herausstellt, dass das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht. Das kann verschiedene Gründe haben und ist wahrscheinlich ebenso frustrierend.

Vier Menschen erzählen euch, wie es sich anfühlt, an der Entwicklung eines Spiels beteiligt zu sein, das am Ende nicht den eigenen Erwartungen entspricht. (Anm. d. Red.: Die folgenden Interviews wurden nach telefonischen oder persönlichen Gesprächen mithilfe eines Protokolls niedergeschrieben).

Ralf Adam

Ralf betreibt mit Tiger Team Productions seine eigene Diensleistungsfirma im Bereich Games. Zuvor war er an der Produktion von Spielen wie Anno 1602 und Die Siedler beteiligt.

spieletipps: "Hast du im Laufe deiner Karriere im Games-Bereich an einem Spiel gearbeitet, das du schlussendlich nicht gut fandest?"

Ralf Adam: "Es ist schwer, das so pauschal zu sagen. Man ist schlussendlich nie zu 100 Prozent zufrieden. Am Ende weiß man immer, was man hätte besser machen können. Viele Entwickler sind auf der Suche nach dem perfekten Spiel, aber es gelingt niemandem. In meinen 25 Jahren Berufserfahrung habe ich selbst nie sagen können, das ein Spiel perfekt war. Außerdem ist das ganze eine Teamleistung. Wenn es im Nachhinein am Produkt etwas auszusetzen gibt, schieben sich Publisher und Entwickler gegenseitig die Schuld zu. Dennoch fließt in jedes Spiel viel Herzblut. Bei Die Gilde war es allerdings der Fall, dass das Spiel echt super war und zur Veröffentlichung viel zu verbuggt. Vor allem der Mehrspieler-Modus bereitete viele Probleme, die erst ein Jahr später mit einem Patch behoben wurden. Dann war es auch ein Spiel, mit dem ich zufrieden war. Uns ist schlichtweg die Zeit ausgegangen. Der Publisher wollte es allerdings unbedingt veröffentlichen. Ich bin stolz auf Die Gilde, trotzdem waren das Team und ich allerdings auch enttäuscht."

spieletipps: "Wieso hat die Entwicklung länger gedauert als geplant?"

Ralf: "Die Gilde war das erste 3D-animierte Spiel des Entwicklerteams. Sie haben einfach den Aufwand unterschätzt und länger als geplant gebraucht."

spieletipps: "In welcher Position hast du an Die Gilde mitgewirkt und wie lange?"

Ralf: "Ich habe als Producer an der Seite des Publishers gearbeitet. Die Entwicklung hat fast drei Jahre gedauert."

spieletipps: "Hast du Die Gilde dann trotz deiner Enttäuschung selbst gespielt?"

Ralf: "Intensiv und immer wieder. Ich habe auch an Die Gilde 2 gearbeitet. Vor allem als Producer spielst du das Spiel besonders intensiv."

Weiter mit: Heiko Ihde: Autobahn Raser

Tags: Fun  

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