Sea of Thieves: So reagiert die Community auf die geschlossene Beta

(Special)

von Michael Krüger (30. Januar 2018)

Ob ein guter Pirat eigentlich schlecht sein sollte und mit welchem Leben er glücklicher ist, lässt sich möglicherweise durch ein paar Stunden auf hoher See beantworten. Sea of Thieves macht's möglich!

Seit ein paar Tagen läuft die geschlossene Beta-Phase von Sea of Thieves auf Xbox One und PC. Nachdem die Alpha-Tester über ihre Erfahrungen schweigen mussten, dürfen nun endlich alle ihre Eindrücke vom Spiel miteinander teilen und darüber öffentlich diskutieren. Dabei lassen sich natürlich die üblichen Sorgen ablesen, wie die Frage nach den Inhalten im späteren Spielverlauf oder Kritik an der Feinabstimmung mancher Mechaniken.

Doch im Wesentlichen scheint sich die Community vor allem wegen eines ganz bestimmten Aspektes den Kopf zu zerbrechen, nämlich das Verhalten anderer Spieler. Die Erfahrungen diesbezüglich driften weit auseinander, und während einerseits Berichte über intensive und spaßbringende Erlebnisse kursieren, häufen sich verdrossene Posts über unfaire Praktiken und gemeine Aktionen fremder Spieler. Ein spannendes Thema, das nicht weniger als den Kern des Spiels in sich konzentriert.

Die grenzenlose Freiheit der Piraten

In Sea of Thieves dreht sich alles um das Dasein als Pirat. In der Rolle eines solchen seht ihr euch mit einer zumindest im Spiel nahezu grenzenlosen Freiheit konfrontiert. Einblendungen und abstrakte Menüs findet ihr hier nur selten. Stattdessen bekommt ihr eine Vielzahl von Werkzeugen in die Hand, die ihr innerhalb der physikalischen Gesetze von Sea of Thieves anwendet.

Bereits das Steuern eines Schiffes ist Team-Arbeit.Bereits das Steuern eines Schiffes ist Team-Arbeit.

Möchtet ihr beispielsweise in See stechen, müsst ihr zunächst den Anker lichten und die Segel setzen. Für die Navigation steht euch zwar ein Kompass zur Verfügung, doch ein Blick auf die Karte bedeutet, dass ihr das Ruder verlassen müsst. Hier kommt der soziale Aspekt von Sea of Thieves ins Spiel.

Befindet ihr euch nicht auf einem Boot für eine Person, seid ihr darauf angewiesen, dass alle Crew-Mitglieder zusammenarbeiten. Alleine schon die Navigation eures Schiffs kann zur Herausforderung werden und die wechselnden Wetterbedingungen machen es euch nicht unbedingt leichter. Von hier aus seid ihr im Grunde auf euch gestellt. Eine Handlung oder einen roten Faden gibt es nicht.

Ihr entscheidet, ob und wann ihr zu einer Schatzsuche aufbrecht und selbst die Wahl des nächsten Abenteuers wird nicht über ein Menü, sondern innerhalb der Spielwelt geklärt. In der Kajüte werfen alle anwesenden Piraten eine sogenannte Voyage in Form einer Schriftrolle auf den Tisch. Anschließend wird abgestimmt, indem jeder seinen Dolch neben die Schriftrolle seiner Wahl wirft.

Durch Elemente wie dieses fühlt sich Sea of Thieves schnell wie ein Sandbox-Spiel an, was es im Endeffekt eigentlich auch ist. Ihr könnt zwar auf Schatzsuchen gehen und Gold scheffeln, um euer Aussehen zu verändern oder euch neue Ausrüstung zu sichern, doch ihr müsst es nicht. Da alle anderen Piraten, denen ihr begegnet, ebenfalls menschliche Spieler sind, bietet Sea of Thieves jede Menge interessante Möglichkeiten der Interaktion. Ob ihr nun in Piraten-Manier andere um ihre Schätze erleichtert oder gemeinsam mit ihnen in der Taverne Rum trinkt, liegt bei euch.

So viel Freiheit kommt auch mit einem großen Risiko. Wo sich ein Spielsystem zum Schlechten ausnutzen lässt, sind ein paar Pappnasen, die den Spaß zu weit treiben, oft nicht weit. Hier die richtige Balance zu finden ist für Sea of Thieves zweifellos eine der größten Herausforderungen. Das sieht auch die Spielergemeinschaft so.

Gemeines Verhalten von Spielern sorgt für Unmut

Wühlt ihr euch durch die vielen Stimmen, die in der Community zum Thema Sea of Thieves laut werden, stoßt ihr vor allem auf dieses Thema. Das Verhalten anderer Spieler sorgt scheinbar bei vielen für Unzufriedenheit und beeinflusst den Spielspaß negativ. Dabei verhalten sich besagte Spieler eigentlich genau so wie es das Spiel vorsieht. Als dreckige Piraten verstecken sie sich bei Außenposten, überfallen andere Piraten, die gerade ihre Schätze abgeben wollen und legen jedes fremde Schiff, das ihnen begegnet, in Schutt und Asche.

Manche Spieler lauern kleineren Gruppen extra auf, um ihr Schiff zu zerstören.Manche Spieler lauern kleineren Gruppen extra auf, um ihr Schiff zu zerstören.

Besonders bei Betrachtung des offiziellen "Sea of Thieves"-Forums stechen viele solcher Geschichten ins Auge. In den Beiträgen When does pirating become griefing? (Offizielles Forum) und Sea of Grief (Offizielles Forum) beschweren sich beispielsweise die Spieler hauptsächlich darüber, dass sie immer wieder von anderen Piraten ohne erkennbaren Grund erledigt werden. Dabei scheint der einzige Antrieb der Angreifer häufig bloße Schadenfreude zu sein.

Aus diesem Grund wünschen sich nun einige User sichere Zonen im finalen Spiel. Viele gehen sogar soweit, dass sie PVP-freie Außenposten fordern. In Beiträgen wie PVP-free Outposts (Offizielles Forum) oder Outpost should be a safe zone (Offizielles Forum) sammeln Spieler bereits Ideen für die Umsetzung. So könnten beispielsweise die NPCs in den Außenposten auf gemeine Piraten reagieren, indem sie ihnen für eine bestimmte Zeit nichts mehr verkaufen. Eine andere Idee, die häufiger zu lesen ist, sieht eine Bestrafung vor, wie etwa den Verlust von Ansehen oder Gold.

Alles halb so wild laut Entwickler

Doch sollte überhaupt etwas geändert werden? Immerhin zeigen sich die Entwickler immer wieder recht zuversichtlich, dass die Einführung eines PVE-Modus respektive sicherer Zonen nicht notwendig sei. Da Sea of Thieves einen Großteil seines Spielspaßes aus der Freiheit der Akteure zieht, würden Einschränkungen dem Abenteuer einiges an Reiz nehmen. Dieses Argument kann ein Teil der Spieler nachvollziehen und verteidigt sogar diese Position.

Keine Frage: Die Schlachten gegen andere Piraten sind oft ein herrlicher Nervenkitzel.Keine Frage: Die Schlachten gegen andere Piraten sind oft ein herrlicher Nervenkitzel.

Im Thread Why Solo Playing Isn't Impossible (Offizielles Forum) beschreibt ein Spieler beispielsweise Möglichkeiten, gegen feindlich gesinnte Spieler auch im Alleingang vorzugehen. So ist er sich sicher, dass geübte Piraten mit aggressiven Begegnungen weniger Probleme haben. In den Antworten berichtet ein weiterer Spieler, wie er sein Boot zu einer Bombe umfunktioniert, um sich gegen größerer Schiffe zu wehren.

Ebenfalls ein interessanter Aspekt ist der Umfang der Beta. Da dieser noch geringer als in der Alpha-Phase ausfällt, nennen manche Spieler diesen als Grund für das oft aggressive Verhalten fremder Piraten. Langeweile gepaart mit der Gewissheit, dass der Fortschritt im Moment nur von temporärer Natur ist, soll laut Aussagen wie Griefing : A problem directly linked to the beta content. (Offizielles Forum) einer der tragenden Gründe für fiese Aktionen sein.

Nachvollziehbar klingt das auf alle Fälle. Besonders wenn ihr selbst schon ein paar Stunden mit Sea of Thieves verbracht habt, wird euch schnell klar, dass die spielerische Freiheit einen unheimlich großen Reiz ausmacht. Denn, welches Abenteuer hinter den nächsten Wellen auf euch wartet, liegt zu einem Großteil an euch, eurer Crew und an den Fremden, denen ihr begegnet. Dass dabei durchaus auch positive Erfahrungen gesammelt werden können, lässt sich der Community nämlich ebenfalls entnehmen.

Die Sonnenseite der Piraterie

Auf reddit erzählt ein Nutzer im Beitrag A very “interesting” way to play (Reddit) von einem fremden Piraten, der sich auf das Schiff schlich und die Crew mit Musik überraschte. Die Begegnung endete für alle Beteiligten mit positiven Gefühlen und digitalem Blutvergießen. Ebenfalls in diesem Thread berichtet ein anderer Spieler davon, dass er sogar schon als fünftes Mitglied einer Crew angeheuert wurde. Andere wiederum setzen bewusst darauf, sich mit eigentlich feindlichen Piraten zusammenzuschließen. Wie im Beitrag I just spent the past 2 hours sailing... (Reddit) zu lesen ist, reisen manche gleich zu zehnt oder sogar mehr durch die Spielwelt und teilen sich am Ende die Beute.

Wie groß eure Crew letztendlich ist, hängt davon ab, wie gut ihr verhandeln könnt.Wie groß eure Crew letztendlich ist, hängt davon ab, wie gut ihr verhandeln könnt.

Die bereits erwähnte Freiheit in Sea of Thieves scheint also nicht nur fieses Verhalten an den Tag zu legen. Je nachdem, wie ihr auf Spieler zugeht, erlebt ihr also unter Umständen ganz unterschiedliche Geschichten. Und gibt es im finalen Spiel erst einmal richtig viele Aufgaben und weitere Spielmechaniken, ist die Gefahr, dass Spieler aus Langeweile auf Ärger aus sind, vermutlich wirklich kleiner als zum jetzigen Zeitpunkt. Vielleicht gibt es dann auch weniger Berichte wie Brig abuse (Offizielles Forum), in dem sich ein Spieler darüber beschwert, dass er bereits mehrmals hintereinander von der eigenen Crew beim Betreten der Spiellobby in das Gefängnis des Schiffes geworfen wurde.

Ob Sea of Thieves ein Erfolg wird, hängt schlussendlich sowohl von der Kommunikationsfähigkeit der Spieler, als auch der Balance aus freundlichen und fies gelaunten Spielern ab. Frust und Freude liegen auf der rauen See oft nah beieinander und so wie manche eine tolle Geschichte nach der anderen erleben, hängen andere nach einigen schlechten Erfahrungen den Säbel an den Nagel. In jedem Fall ist es spannend, zu beobachten, wohin sich Sea of Thieves noch entwickelt.

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