Dieser eine Moment: Als Destiny plötzlich Freude bereitete

(Kolumne)

von René Wiesenthal (29. Januar 2018)

Destiny war für mich immer höchstens "okay". Und dennoch habe ich viele Stunden mit dem Spiel verbracht, da mein Bruder ein großer Fan davon ist. Mein bester Moment hatte dann recht wenig mit dem eigentlichen Spielprinzip zu tun, ist mir aber besonders gut in Erinnerung geblieben.

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Dieses Video zu Destiny schon gesehen?

Es ist meinem Bruder zu verdanken, dass ich überhaupt seit so langer Zeit eine PlayStation 4 besitze. Als ärmlicher Student, der ich hauptberuflich bin, wären wohl sehr viele Mittagessen dafür draufgegangen, mir die Euros dafür stückweise zusammenzusparen. Umso besser also, einen Bruder zu haben, der finanzielle Sicherheit akademischem Firlefanz vorzieht und noch dazu ein großzügiger Mensch ist. Natürlich erhalte ich von ihm nicht einfach Almosen in Form von Konsolen, er schenkte sie mir zum Geburtstag. Und das nicht ganz ohne Eigennutz.

Mein Bruder ist leidenschaftlicher Destiny-Spieler. Und so wie ich stets versuche, Unbeteiligten in meinem Umfeld meine Leidenschaften aufzudrücken, hatte auch er eine Agenda. Destiny sollte das nächste große Ding zwischen uns Brüdern werden. Ein gemeinsames Hobby. Der Grind für die Ewigkeit. Der Braten war so aufdringlich gewürzt, dass ich ihn natürlich roch: Die geschenkte PlayStation 4 war eine Bundle-Edition, in der Destiny bereits enthalten war. Und da ich nicht anders konnte, als die Konsole zu nutzen, tat ich das Naheliegende und startete Destiny. Seine Falle schnappte zu.

Gib dich dem Grind hin!

Mein Bruder wies mich in alles ein, führte mich im Spiel herum, erklärte, was zu tun war. Ich habe bis heute nicht verstanden, was in Destiny genau passiert. Looten und Leveln verstand ich aber und so gab ich mich dem Grind hin. Destiny konnte mich leider nie so richtig begeistern. Ja, das Geballer machte Laune, aber alles andere musste ich eher über mich ergehen lassen. Ich möchte nicht sagen, dass es sich anfühlte wie Pflichterfüllung. Es war eher so, dass ich gern auf alles andere - außer Ballern - verzichtet hätte.

Umnieten und Beute sammeln: So weit, so gut.Umnieten und Beute sammeln: So weit, so gut.

Allerdings wären wir dann wohl nicht besonders weit zusammen gekommen. "Lichtlevel" dies, "Exotische Engramme" das - um nicht auf der Strecke zu bleiben, musste ich mich mit diesem Kram befassen. Also versuchte ich, den gemeinsamen Destiny-Dates dadurch mehr abzugewinnen, dass ich die Gelegenheit erkannte, mich mit meinem Bruder übers Headset auf dem Laufenden zu halten. Da wir räumlich weit voneinander getrennt sind, waren die Destiny-Abende wie längere Telefonate mit beiläufigem Alien-Schnetzeln.

Über den Rohren muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

Eines Tages hatten wir uns besonders viel zu erzählen. Eine Menge war passiert, dafür aber wenig Zeit, um Kontakt aufzunehmen. Also verabredeten wir uns im Turm, um uns gegenseitig aufzufrischen und dann wieder Planeten von deren Lebensformen zu befreien. Doch wir verließen den Turm an diesem Abend nie. Stattdessen zeigte mir mein Bruder eine Kiste, über die es möglich sei, höher gelegene Ebenen im Turm zu erreichen, die eigentlich nicht für Spieler bestimmt sind.

Gebt es zu: Diese Kisten sehen zu einladend aus, um es nicht wenigstens zu versuchen.Gebt es zu: Diese Kisten sehen zu einladend aus, um es nicht wenigstens zu versuchen.

Stunden vergingen, ohne, dass wir uns dessen bewusst waren. Während wir über die Headsets plapperten, passten wir unsere Figuren so an, dass die Sprunghöhe maximal wurde, glitchten uns an Hindernissen vorbei, sprinteten über Rohre, die jenseits der Levelgrenze lagen und deren Betreten somit mit einem Todes-Countdown verbunden war und versuchten, von dort aus auf Sonnensegel zu springen. Wenn wir herunterfielen, versuchten wir es erneut und lernten jedes Mal, wie wir weiter kommen konnten. Das zog sich bis in die späte Nacht hinein. Nebenbei werteten wir aus, was im Leben des jeweils anderen gerade passierte.

Weiter mit: Die Freude an Destiny

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Tags: Dieser eine Moment   Koop-Modus   Multiplayer   Science-Fiction  

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