Test Final Fantasy Dissidia NT: Familientreffen mit Hindernissen

von Michael Krüger (01. Februar 2018)

Ein Spiel vollgepackt bis zum Anschlag mit Figuren aus dem "Final Fantasy"-Universum. Da sollte ja eigentlich nichts schief gehen. Nun, so ganz einfach ist die Rechnung dann doch nicht.

Mit Final Fantasy Dissidia NT erscheint abseits der regulären Serie ein Spin-Off für PlayStation 4, das auf effektvolle Kämpfe zwischen bekannten Protagonisten und Schurken der Reihe setzt. Ähnlich wie die Ableger Dissidia - Final Fantasy und Dissidia 012 Duodecim - Final Fantasy auf der PSP stehen sich auf diese Weise Figuren gegenüber, die aus völlig unterschiedlichen Geschichten stammen. Dabei reicht die Bandbreite von Final Fantasy bis Final Fantasy 15.

Anstatt eines klassischen Prügelspiels mit Kämpfen zwischen zwei Kontrahenten, wagt Final Fantasy Dissida NT den Versuch spielerischer Experimente. In Gefechten treten zwei Teams zu je drei Charakteren gegeneinander an und wiegen statt Kombos ihren Mut gegeneinander auf. Hier erfahrt ihr nun, wie das funktioniert, welchen Teil die Handlung zur Unterhaltung beiträgt und ob es am Ende Spaß macht.

Es war einmal ...

Wie es sein kann, dass Figuren aus über dreißig Jahren Final Fantasy zusammentreffen? Die naheliegendste Lösung war den Entwicklern von Final Fantasy Dissida NT offensichtlich gut genug, denn wie nicht anders zu erwarten, spielt die Handlung in einer Parallel-Dimension abseits der bisherigen Erzählungen. Ähnlich "innovativ" wie der Auftakt, gestaltet sich auch der weitere Verlauf der Geschichte.

Handlungskonzept: Gut gegen BöseHandlungskonzept: Gut gegen Böse

Dabei sind die Inhalte nicht unbedingt schlecht. Gerade wenn ihr schon Erfahrungen mit der Reihe gesammelt habt, dürftet ihr euch über so manchen Auftritt freuen und kommt zumindest von Seiten der Fan-Liebe ein gutes Stück weit auf eure Kosten. Immerhin befinden sich unter den vielen spielbaren Helden und Fieslingen auch jede Menge Publikumslieblinge.

Dass die Handlung trotzdem nur schwer zu genießen ist, liegt zu einem nicht unerheblichen Teil an den Spielmechaniken. Der Story-Modus besteht nämlich aus einer Reihe von Zwischensequenzen und Kämpfen, die ihr einzeln kaufen müsst. Für je eine Memoria erhaltet ihr Zugriff auf einen neuen Inhalt. Diese Ingame-Währung erhaltet ihr als Belohnung für Arcade-Kämpfe.

Die dadurch entstehende Auftrennung sorgt dafür, dass ihr die Handlung meist nur in äußerst kleinen Häppchen serviert bekommt. Der Aufwand, um eine teilweise eine nur 30 Sekunden lange Szene betrachten zu dürfen, ist deutlich zu hoch und verhindert einen angenehmen Spielfluss. Auch inhaltlich wiegt das Gezeigte kaum den Weg dorthin auf. Ein traditioneller Story-Modus wäre sicherlich keine schlechte Idee gewesen, denn immerhin ist der Rest des Spiels schon außergewöhnlich genug.

Schere, Stein, Donnergrollen

Egal, was ihr spielerisch erwartet, Final Fantasy Dissida NT wird euch überraschen. Ob dieses Gefühl positiver Natur ist, hängt wohl davon ab, wie offen ihr für experimentelle Spielmechaniken seid. Denn hier geht es nicht einfach nur darum, dass ihr eure Gegner mit Attacken adressiert. Um einem Feind schaden zu können, müsst ihr ihn nämlich zunächst durch spezielle Angriffe demoralisieren. Ist seine Moral erst einmal ganz unten, schaltet ihr ihn mit einem mächtigen Schlag aus. Denn je mehr Moral ihr einem Kontrahenten nehmt, umso stärker lädt sich euer Mut und damit euer nächster Schlag auf.

Nur gut vorbereitete Treffer zeigen ihre volle Wirkung.Nur gut vorbereitete Treffer zeigen ihre volle Wirkung.

Ohne es selbst gespielt zu haben, werdet ihr vermutlich nur schwer nachvollziehen können, was euch genau erwartet. Die Kämpfe in Final Fantasy Dissida NT sind unerwartet weitläufig und setzen stark auf einzelne, geplante Angriffe. Vollkörperkontakt bleibt weitestgehend aus. Vielmehr flitzen sechs aufgeheizte Akteure über relativ geräumige Schauplätze und stürzen sich im Wechsel aufeinander.

In einer Gruppe mit nur menschlichen Spielern entfaltet Final Fantasy Dissida NT dabei sogar Tiefgang. Die Entscheidung, welchen eurer drei Gegner ihr angreift, kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Unglücklicherweise ist der Wechsel zwischen den Zielen in der Hitze des Gefechts nicht immer so einfach. Die Schultertasten dürfen hierfür nämlich nur kurz angetippt werden. Und nicht selten benötigt es ein paar Sekunden, bis ihr das gewünschte Opfer im Visier habt.

Die Handhabung ist hier und da etwas sperrig, funktioniert aber im Großen und Ganzen. Habt ihr die Einführungsübungen abgeschlossen, findet ihr euch nach wenigen Stunden zumindest in der Theorie gut zurecht und könnt euch auf die strategischen Aspekte konzentrieren. Um euch immer wieder zu neuen Runden zu motivieren, warten regelmäßige Belohnungen, die ihr für Stufenaufstiege erhaltet. Hierunter befinden sich neben neuen Spezialangriffen und Schätzen auch neue Esper, die ihr auf dem Schlachtfeld gemeinsam mit eurem Team beschwört, um euren Feinden erhebliche Schäden zuzufügen. Solche Manöver wenden nicht selten in letzter Sekunde das Blatt.

Das pinke Einhornposter

Aus gestalterischer Sicht, erhaltet ihr genau das, was ihr von einem "Final Fantasy"-Mashup erwarten würdet. Jede Menge schillernde Farben, gigantische Kristalle und imposante Gesten umreißen das bunte Feuerwerk, das durch das Aufeinandertreffen vieler Generationen Final Fantasy zwangsläufig entsteht. Alles glitzert oder knallt. Auch musikalisch feuert die Darbietung aus allen Rohren und heizt mit gewohnt temporeichen Liedern die Stimmung während der Gefechte an.

Viele der Angriffe sind aufwändig gestaltet.Viele der Angriffe sind aufwändig gestaltet.

Abzug in der B-Note gibt es für die streckenweise etwas arg kargen Umgebungen, die neben gelegentlich eindrucksvollen Szenarien eher zweckdienlich erscheinen. Angesichts des überschaubaren Gesamtumfangs, hätte hier gerne dicker aufgetragen werden können.

Das zieht den Spaß allerdings nicht wirklich herunter und gehört eindeutig auf die "Nice to Have"-Liste. Immerhin ist der Rest der Darstellung gelungen und auch bei schnelleren Sequenzen, in denen viel auf dem Bildschirm passiert, bleibt das Geschehen flüssig und konstant.

Meinung von Michael Krüger

Final Fantasy Dissida NT ist schon irgendwie seltsam. Einerseits ist die grundlegende Idee gar nicht verkehrt und das ungewöhnliche Konzept der Kämpfe vermittelt einen gewissen Unterhaltungswert. Doch auf der anderen Seite mangelt es deutlich an Umfang und Substanz. Neben zwei Kampf-Modi und der Entscheidung, ob die Kämpfe lieber gegen den Computer oder online gegen andere austragen werden, bleibt euch nur der äußerst fragwürdige Story-Modus. Dieser schafft es, das ohnehin schon wacklige Konzept weiter ins Schwanken zu bringen.

Unterm Strich vermittelt Final Fantasy Dissida NT eher den Eindruck eines kleinen Nebenprojekts anstatt den eines Vollpreisspiels. Angesichts der teilweise guten Ideen ist das schade. Nicht nur Fans der Reihe könnten den Kämpfen etwas abgewinnen, wenn das Drumherum zugänglicher wäre.

71

meint: Interessante Ideen und Fan-Feeling wiegen kaum das Defizit an Inhalten und die ungeschickte Verpackung auf.

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Tags: Singleplayer   Fantasy   Multiplayer  

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