Die unglaubliche Geschichte, wie ich in Rust eine Religion gegründet habe

(Kolumne)

von Maximilian Stulle (01. Februar 2018)

Seit Mitte letzten Jahres spiele ich regelmäßig Rust, meistens mit meinem Bruder. Im Spiel haben wir viele verrückte Abenteuer erlebt, doch ein Erlebnis ist mit Abstand das beste: Die Geschichte, wie mein Bruder und ich in Rust eine Religion gegründet und dabei einen Server für immer verändert haben.

Wie alles begann

Zusammen mit meinem Bruder habe ich schon viele Stunden in Rust verbracht. Gemeinsam suchen wir uns dann meist einen Server aus, auf den wir einige Tage oder Wochen spielen, meistens bis zum nächsten Wipe - wenn die Karte und der Fortschritt aller Spieler auf null zurückgesetzt wird. Diese ganz besonders magische Erzählung fing wie jede andere Runde in Rust an. Wir standen nackt an einem Strand und sammelten erst einmal einige Stunden lang die Grundressourcen, die man in Rust zum überleben benötigt.

Mit starker Rüstung und handfesten Waffen konnte uns so leicht keiner was anhaben.Mit starker Rüstung und handfesten Waffen konnte uns so leicht keiner was anhaben.

Also holten wir so viel Holz und Stein wie nur möglich und bauten uns rudimentäre Werkzeuge und Waffen, um unser Überleben für die nächsten paar Stunden zu sichern. Nach einiger Zeit fanden wir ein schickes Plätzchen zwischen einem Bach und einem Wald und deklarierten, dass wir hier unsere Basis errichten wollten. Nachdem der Entschluss gefasst worden war, verbrachten wir etwa eine Woche lang jeden Nachmittag auf dem Server, bis wir zwei große Wohnhäuser, ein Lagerhaus, einen Wachturm und eine Farm, umringt von einer fetten Holzmauer, errichtet hatten. Jetzt fühlten wir uns wohl und sicher, denn wir hatten mittlerweile einen zufriedenstellenden Vorrat an Waffen, hatten schon mehrere Spieler getroffen und getötet und eine starke Verteidigung aufgebaut.

Ein Geschenk des Himmels

So weit so gut, doch so sieht ja eigentlich jede Durchschnittsrunde in Rust aus. Wenn man einigermaßen weiß, was man tut. Richtig interessant wird es nämlich erst jetzt. Eines Nachmittags stehen mein Bruder und ich in unserer Basis und bauen in Ruhe unsere Häuser etwas weiter aus, als wir plötzlich das entfernte Dröhnen einer Flugzeugturbine hören. Zeitgleich richten sich unsere Blicke gen digitalen Himmel und da erblicken wir es: Ein großes, stählernes Flugzeug, das direkt auf uns zu fliegt. Dieses Flugzeug, das wussten wir, lässt auf seinem Weg an einer zufälligen Stelle einen sogenannten "Airdrop" fallen. Das ist im Grunde eine große Militärkiste mit einem Fallschirm, die prall gefüllt ist mit seltenen Waffen und Items.

Ein Airdrop, welcher kurz davor ist, auf dem Boden zu landen.Ein Airdrop, welcher kurz davor ist, auf dem Boden zu landen.

Während mein Bruder dem Flugzeug am Himmel zusieht beginnt er auf einmal über den Sprachchat leise vor sich hin zu murmeln. "Bitte lieber Drop-Gott, oh bitte bitte segne uns mit deinen Gaben, bitte lieber Drop-Gott, oh bitte, bitte..." summte er wie hypnotisiert vor sich hin. Es dauerte einen Moment, bevor ich begriff, dass er betete. Doch sobald der Groschen bei mir gefallen war, stimmte ich leidenschaftlich ein. Und da standen wir nun und beteten. Beteten zum Drop-Gott, dem soeben von uns erfundenen höchsten Richter über die Geschenke des Himmels, dass er uns seine Gaben schenken möge. Denn wir wollten diesen Airdrop unbedingt vor den anderen Spielern in die Hände bekommen. Was wir nicht wussten, war das soeben etwas noch viel Größeres begonnen hatte.

Dropgott, Richter über die Geschenke des Himmels

Während wir gemeinsam zu einer fiktiven Gottheit beteten, lachten wir uns über die Absurdität der Situation schlapp, doch es fühlte sich auch richtig an, wie ein natürlicher Instinkt. Vielleicht ist in uns allen eine angeborene Ehrfurcht vor den weiten des Himmels oder dem Unbekannten, die meinen Bruder und mich in diesem Moment zu unserem Akt der theologischen Unterwerfung inspirierte. Egal was es war, es hatte jedenfalls funktioniert. Denn gerade, als das Flugzeug direkt über den Mauern unseres Lagers hinfortglitt, entsprang ihm ein dunkler Punkt am Himmel.

Hinter diesem Zaun aus Holzpfählen ging einst ein Drop hernieder.Hinter diesem Zaun aus Holzpfählen ging einst ein Drop hernieder.

Der Drop war direkt über unseren Köpfen abgeworfen worden. Wir konnten nicht glauben, was wir da sahen. "Der eiserne Vogel hat uns mit seinen himmlischen Gaben bereichert!" jubilierte ich ungläubig lachend. "Ja! Drop-Gott hat uns erhört!" Mein Bruder hüpfte in seiner Rüstung aus Knochen triumphierend auf und ab. Es war eine surreale Szene, wie aus einem Fiebertraum. Doch der Wahnsinn hatte eben erst begonnen.

Weiter mit: Die Kirche des Drop

Inhalt

  • 1. Die unglaubliche Geschichte, wie ich in Rust eine Religion gegründet habe
  • 2. Die Kirche des Drop
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