Warum ich es mag, wenn Videospiele die Schnauze halten

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (07. Februar 2018)

Monster Hunter - World zum Beispiel. Das Spiel redet nicht viel. Es umreißt in wenigen Worten die Geschichte. Gibt euch einen Grund, wieso ihr jetzt zahllose Stunden damit verbringen sollt, Monster zu erlegen. Zu grinden. Dadurch dann bessere Rüstung zu bekommen. Dadurch dann größere Monster erlegen zu können. Dadurch dann …

In Monster Hunter - World WILL ich entdecken

Monster Hunter - World macht Spaß. Mir macht es überraschenderweise sogar sehr viel Spaß. Obwohl ich im Vorfeld - es ist mein erstes Monster Hunter - eigentlich sehr skeptisch an dieses Spiel herangegangen bin. Monster schlachten und wieder Monster schlachten soll Spaß machen? Ja! Für diesen Spaß verlangt es allerdings viel von euch. Denn es redet nicht viel. Aus 14 Waffen-Klassen sollt ihr wählen. Wie die funktionieren? Selbst herausfinden. Es gibt Möglichkeiten, die Rüstung zu verbessern. Ihr können bestimmte Mahlzeiten zu euch nehmen, die den Status für die Runde einer Quest verbessern. Dass das funktioniert? Selbst herausfinden.

Diese Verschwiegenheit macht den Reiz eines Monster Hunter aus. Jedes Zugeständnis muss dem Spiel abgerungen werden. Jeder Zugewinn an Information ist schon ein kleiner Sieg. Die Zeichen der Sprachlosigkeit lesen zu lernen ist der Zugang zum Spiel. Keine Sprache die einlädt, alles ohne warme Worte. Wer aber die Zeichen nicht oder falsch versteht, der wird bestraft. Das funktioniert hier sehr gut.

Ein ähnliches Erlebnis hatte ich auch schon mit Bloodborne. Auch hier werdet ihr direkt in eine feindseelige Welt geworfen. Erklärt wird euch nichts. Daher wird es wohl auch meist so sein, dass die ersten Gegner euch direkt erlegen. Das mag euch dann wütend machen. Bis ihr merkt, dass das Spiel euch doch sehr viel erklärt. Aber nicht durch zahlreiche Wörter. Sondern durch die Umgebung, durch die Gegner, durch die Gegenstände.

Ihr lernt, dass die Gegner sich immer auf bestimmte Art bewegen. Irgendwann untersucht ihr jeden Gegenstand ganz genau, lernt sie zu lesen - die Beschreibungen zu dechiffrieren und aus ihnen zu lernen. Und plötzlich merkt ihr, dass ihr die Welt um euch herum versteht, ohne das sie jemals direkt mit euch geredet hat. Ohne dass das Spiel euch mit einem dicken Finger auf die Geheimnisse hinweisen muss.

Dadurch wird jede Entdeckung zu einem Erlebnis. Spiele wie Monster Hunter - World oder Bloodborne machen euch zu den Entdeckern. Das hat dann auch nichts mit dem unsäglichen Begriff "echte Gamer" zu tun, die diese Spiele bezwingen können. Sondern vielmehr mit dem Urprinzip von Videospielen: spielerisches Entdecken. Diese Spiele, die einfach mal die Schnauze halten, bieten Raum zum Ausprobieren und Staunen. Durch ihr Schweigen machen sie das Videospiel zum Ort des Zeichenlesens. Nehmt das, liebe Pokémon-Spiele.

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