Test Crossing Souls: Ein heißer Trip in die 80er

von René Wiesenthal (13. Februar 2018)

80er-Ästhetik, Pop-Kultur-Scharade und Anleihen aus kultigen Kinderfilmen - gute alte Zeit oder doch nur Retro-Gulasch? Im Test zu Crossing Souls verraten wir euch, ob die virtuelle Zeitreise geglückt ist.

Crossing Souls ist die Arbeit eines kleinen Teams von Entwicklern, die damit am Ende eines etwa dreijährigen Kraftaktes ihr erstes vollwertiges Spiel veröffentlichen. Am Anfang stand für das Studio Fourattic nur eine Vision. Die Vision, eine Geschichte über Freundschaft zu erzählen, deren Bühne das Jahrzehnt der eigenen Kindheit sein sollte: Die 80er-Jahre. Diese Geschichte leiht sich demonstrativ allerlei Versatzstücke aus dem großen Fundus der damaligen Pop-Kultur, ist dabei aber erstaunlich eigenständig.

Der Launch-Trailer stimmt euch passend auf das Spiel ein

Das Spiel ist seit 13.02. für PC und PlayStation 4 erhältlich. Getetestet haben wir die PS4-Version.

Neugier ist der Katze Tod

In Tajunga ist die Hölle los: Ein gefährlicher Virus ist ausgebrochen, behauptet die Regierung. Deshalb wird das kleine (fiktive) kalifornische Städtchen in den Ausnahmezustand versetzt. In Wirklichkeit sind die Gesandten des Staates aber hinter einem mächtigen Artefakt her, das wegen deren zu großer Neugier in die Hände einer Gruppe von Teenagern gelangt ist.

Natürlich haben nur die Knirpse den vollen Durchblick durch das Chaos und erkennen, wer oder was die tatsächliche Bedrohung ist. Und so bleibt ihnen nichts übrig, als sich der ganzen Sache selbst anzunehmen.

Dieses Artefekat - der Duat Stone - ist die Ursache allen Übels. Aber vielleicht auch die Rettung.Dieses Artefekat - der Duat Stone - ist die Ursache allen Übels. Aber vielleicht auch die Rettung.

Ihr schlüpft in die Rollen des Fünfergespanns, das sich aus Figurenklischees alter Kinderfilme zusammensetzt: Dem charismatischen Anführer Chris, seinem heimlichen Schwarm, der toughen Charlie, dem korpulenten Big Joe, Superhirn Matt und – wer natürlich nicht fehlen darf - Kevin, der kleine nervige Bruder von Chris. Das klingt ausgelutscht, ist in Crossing Souls aber Methode. Denn das Spiel labt sich an euren Kindheitserinnerungen. Liebenswert ist die Truppe allemal. Sie wird euch mit der Zeit richtig ans Herz wachsen.

"Das Beste aus den 80ern" und gute Ideen von heute

Denn Crossing Souls ist toll geschrieben. Ausgiebige Gespräche nehmen viel Platz ein, und immer wieder auch gezeichnete Trickfilmsequenzen. Das ist alles wohl dosiert, nimmt also niemals überhand, wirkt aber auch nicht zweckmäßig eingestreut. Die von den Ghostbusters, E.T., Stand by Me und anderen Teeny-Filmklassikern der 80er inspirierte Geschichte ist zunehmend spannend, außerdem im richtigen Verhältnis humorvoll wie ergreifend. Ein gelungener Balance-Akt, der zudem genügend eigene Ideen und Überraschungen birgt.

Jedes der Kinder zeichnet sich durch eigene Fähigkeiten sowie Kampfstile aus.Jedes der Kinder zeichnet sich durch eigene Fähigkeiten sowie Kampfstile aus.

Die musikalische Untermalung könnte direkt aus einem frühen "Steven Spielberg"-Film stammen. Egal ob sorglos-freudig oder gruselig: Die Musik im Spiel passt in jeder Situation perfekt zum Erzählton. Die wunderschöne 2D-Grafik erinnert an SNES-Klassiker wie Zombies Ate My Neighbours, nur mit höherem Detailgrad und mehr räumlicher Tiefe. Die hat allerdings ihren Preis: Hin und wieder tauchen Fehler bei der Abfrage von Kollisionen mit der Umwelt auf. Das Gesamtbild bleibt aber stimmig.

Gespielt wird in der Tradition klassischer Action-Adventures wie The Legend of Zelda - A Link to the Past, nur dass Crossing Souls weniger umfangreich und sehr viel linearer ist als das Vorbild. Von schräg oben betrachtet ihr eure aktive Figur, wechselt situationsbedingt per Tastendruck zwischen den Kindern und löst mit deren verschiedenen Talenten Rätsel und Geschicklichkeitsaufgaben.

In der liebevoll gestalteten Pixelwelt sind auch höher- oder tiefergelegene Ebenen zugänglich, die durch "Jump and Run"-Einlagen erreicht werden. Das bringt Abwechslung ins Spielgeschehen, lässt aber manchmal den Feinschliff vermissen: Hin und wieder ist es schwer zu erkennen, auf welcher Ebene sich Objekte oder Plattformen befinden, wodurch ihr mehr als einmal ins Leere oder daneben hüpft.

Keine Gewalt ist auch keine Lösung

Der große Clou der Handlung und der Spielmechanik ist der "Duat Stone", das Artefakt, das die Kinder finden und Objekt der Begierde böser Mächte. Mit seiner Hilfe seid ihr in der Lage, die Toten sehen zu können, die euch oft freundlich, mitunter aber auch feindlich gesonnen sein können. Da bleibt es nicht aus, dass ihr euch neben eurer Kombinationsgabe auch mal körperlicher Gewalt bedienen müsst, um weiterzukommen.

Battletoads meets E.T.: Chris auf der Flucht vor der Polizei.Battletoads meets E.T.: Chris auf der Flucht vor der Polizei.

In Kämpfen kommen ebenfalls die unterschiedlichen Fähigkeiten der Kinder zum Tragen: Anfangs wechselt ihr noch hektisch zwischen ihnen, was durch die etwas aufdringliche Gegner-KI begünstigt wird. Mit der Zeit entwickelt ihr aber ein gutes Gespür für das richtige Timing. Die Steuerung bleibt suboptimal: Mithilfe einer einzigen Taste müsst ihr euch einzeln durch die Figuren klicken, eine direkte Auswahl ist nicht möglich. Auch beispielsweise die Entscheidung, den Kreis-Knopf für Interaktionen festzulegen, während das weitere Blättern durch Texteinblendungen zum Beispiel mithilfe von X passiert, ist unglücklich. Individualisieren lässt sich die Tastenbelegung leider nicht.

Die kleinen Kinderkrankheiten

An vielen Stellen merkt man dem Spiel eben an, dass es ein Pilotprojekt ist - es fehlt die Politur: Dezente Hinweise zum Lösen mancher Aufgaben hätten dem Spielspaß zum Beispiel gutgetan, da oft mehrdeutige Signale zum Angehen von Aufgaben vermittelt werden und das Probieren recht frustrierend sein kann. Manchmal werdet ihr beim Betreten eines Raumes von Gegnern überrumpelt, ohne die Gelegenheit zu haben, euch zu wehren. Hier und da haben sich zudem Bugs eingeschlichen, wie passierbare Hindernisse, einfrierende Figuren oder Gegenstände, die nicht verwendet werden können. Das ist alles unschön aber angesichts der vielen Pluspunkte zu verschmerzen.

Der Humor im Spiel ist wirklich unwiderstehlich.Der Humor im Spiel ist wirklich unwiderstehlich.

Neben der packenden Handlung sind es die überall zu entdeckenden Querverweise auf Musik, Technik, Spiele und Filme aus den 80ern, die den meisten Spaß an Crossing Souls bereiten. Die vielen Anspielungen verfolgen zwar kein tiefgründiges Konzept, sondern sind eher Futter für Nostalgiker, aber die Leichtfüßigkeit und der Humor, mit dem sie aufbereitet wurden, rechtfertigt sie in jedem Fall. Bei einigen der Sammelgegenstände in Form von VHS-Kassetten und Schallplatten werdet ihr euch ein Lachen nicht verkneifen können – sofern ihr alt genug seid, um zu wissen worum es geht oder euch mit der Kultur der 80er-Jahre auskennt.

Meinung von René Wiesenthal

Wer eine Vorliebe für Action-Adventures im Stile klassischer "The Legend of Zelda"-Spiele hat und feuchte Augen bekommt, sobald er an E.T. oder die Goonies denkt, sollte sich mit Crossing Souls befassen. Klar, die Pixeloptik haben viele von euch mittlerweile sicherlich satt und auch die Rückkehr zu anderen Stilelementen aus den 80ern ist nicht mehr neu. Jedoch konnte Entwickler Fourattic das fairerweise nicht unbedingt absehen, als das Team vor etwa drei Jahren begann, Crossing Souls zu erschaffen.

Außerdem steht das Spiel fest genug auf eigenen Beinen, um sich die Referenzparade ohne Abstriche im Gesamteindruck leisten zu können. Alles wirkt in sich stimmig und auch ohne den Nostalgiebonus bleibt eine spannende Handlung mit liebenswerten Charakteren, die euch zum Lachen und vielleicht sogar zum Weinen bringen wird. Wenn Fourattic die Kinderkrankheiten beim nächsten Spiel auskuriert, ist Großes von ihnen für die Zukunft zu erwarten. Ihre erste Reise in der Zeitmaschine ist trotz kleinerer Turbulenzen auf jeden Fall gelungen.

Hat euch dieser Artikel gefallen? Oder habt ihr Anregungen, Kritik, Verbesserungsvorschläge? Lasst es uns gerne wissen! Schreibt uns eine Mail an redaktion@spieletipps.de und verratet unserer Redaktion eure Meinung.

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meint: Humorvolles Retro-Abenteuer mit spannender Geschichte und "80er-Jahre"-Referenzen an jeder Ecke, jedoch fehlt noch die nötige Politur.

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Tags: Retro  

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