Ein Geständnis: Auf dem Rücken der Schildkröten zur Spielekonsole

(Kolumne)

von René Wiesenthal (14. Februar 2018)

Manchmal bringt einen die Ungeduld dazu, seltsame Dinge zu tun. Gerade dann, wenn es darum geht, an neue Spiele oder Konsolen zu kommen und die Geldreserven aufgebraucht sind. Für das schnelle Geld gehen manche sogar über Schildkrötenpanzer.

Kürzlich erzählte ich in der Redaktion eine Geschichte, die mir zuvor ein Freund erzählt hat. Es ging darum, auf welche verrückten Arten wir bereits an Videospiele gekommen sind. Die Geschichte handelt von einem Freund eines Freundes und auf keinen Fall von mir, weswegen ich sie ohne Scham erzählen konnte. Auf Drängen der anderen Redakteure habe ich mir nun die Zeit genommen, sie auch für euch etwas näher auszuführen. Der Einfachheit halber bediene ich mich der Ich-Perspektive. (Klingt voll glaubhaft, oder?)

So trug es sich - angeblich - zu:

Im Alter von etwa 15 Jahren wollte ich unbedingt einen Gamecube haben, um The Legend of Zelda – The Wind Waker spielen zu können. Die Zelda-Spiele sind für mich die ultimativen System-Seller, ich würde Nintendo jede Gurke von Konsole blind aus der Hand reißen, wenn sie nötig ist, um ein neues Abenteuer mit Link zu spielen. Da ich aber Schüler war und sowieso chronisch pleite, brauchte ich eine schnelle Geldeinnahmequelle. Denn das Spiel war schon seit ein paar Monaten draußen, die Warterei hatte ich endgültig satt.

So saß ich zusammen mit einem Freund in meinem damaligen Zimmer, stierte auf meinen Schulwochenplaner und ließ die Ideen im Kopf kreisen. Dabei schaute ich tief in die Augen einer Schildkröte, deren Foto das Büchlein zierte. Schildkröten gucken immer so traurig, dachte ich so bei mir. Da kam mir eine geniale Idee.

Spendet für die Schildkröten im Tierpark!

Die armen Schildkröten! Wir haben im Ort nahe meinem Heimatdorf einen Tierpark, in dem seit kurzem auch Schildkröten untergebracht waren. Schildkröten im Tierpark, Frechheit! Die brauchen doch Bewegung, war ich mir sicher. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die genügend Auslauf bekamen. Also riss ich empört das Deckblatt meines Planers herunter, erdachte mir mit meinem Freund eine rührselige Geschichte und wir kritzelten sie mit Buntstiften auf die Rückseite des Blattes. Der Plan: Zum Wohl der Schildkröten im Tierpark Geld einsammeln, auf dass sie ein größeres Gehege bekommen sollten.

Schildkröten sind doch echt abgefahren!

Natürlich war es nie meine Absicht, das Geld dem Tierpark zu spenden. Mein Gamecube wollte finanziert werden und den Schildkröten würde es auch nicht schlechter gehen, wenn ich endlich The Wind Waker zocken konnte. Die hätten das sicher so gewollt. Und so zogen wir los ins Dorf mit dem Klingelbeutel in der Hand. Neben der Aussage eines älteren Herren, er gebe kein Geld für „ausländisches Viehzeuch [sic!]“ erhielten wir tatsächlich ein bisschen Geld von engagierten Bewohnern. Insgesamt so um die 20 Euro. Leider musste ich am Ende also trotzdem einen Ferienjob annehmen, um mir einen Gamecube leisten zu können. Eine kleine Anzahlung war aber zusammengekommen.

Blicke ich heute reuevoll zurück? Nun, ich hoffe natürlich, den Schildkröten ist es gut ergangen, auch ohne unsere Geldspritze. Und dass die Nachbarn erkennen könnten, dass sie trotz der kleinen Schummelei etwas Gutes getan haben. Meine Mutter fand die Aktion weniger lustig: Nachdem Leute aus dem Dorf sie darauf ansprachen, wie nett es von uns sei, für die Schildkröten zu sammeln, gab es eine ordentliche Standpauke. The Wind Waker war das aber wert.

Tags: Fun   Retro  

Die Meinung eines Noobs

Dark Souls - Remastered: Die Meinung eines Noobs

Ein paar Stunden habe ich Dark Souls - Remastered jetzt "genossen". Was halte ich als kompletter "Dark Souls"-Noob von (...) mehr

Weitere Artikel

Entschädigungszahlung für zu Unrecht gebannte Spieler

PUBG: Entschädigungszahlung für zu Unrecht gebannte Spieler

Im Kampf gegen Cheater und Betrüger in Playerunknown's Battlegrounds kämpft die PUBG Corp. mit immer här (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Kolumne-Übersicht

* gesponsorter Link