Online-Dienste: Haben sie eine Daseinsberechtigung?

(Special)

von Micky Auer (14. Februar 2018)

Die in der Überschrift gestellte Frage würde vermutlich niemand stellen, wenn Online-Dienste gänzlich ohne Kosten für den User angeboten werden würden. Dem ist aber nicht so, daher ist die Frage - wie für jedes kostenpflichtige Produkt - vollkommen gerechtfertigt.

Früher war alles besser, ne? Da habt ihr euch ein Spiel gekauft, habt es gespielt und fertig ist die Laube. Gerne habt ihr auch mal eine Mehrspieler-Session mit wechselnden Teilnehmern gehostet, habt die Firmware eurer Konsole verbessert und diese üblen Bugs im neuen Spiel durch Patches reparieren lassen.

Moment: "Früher" ging das alles gar nicht. Da gab es nämlich kein Internet, keine Online-Anbindung und keine entsprechenden Dienste, die all das zur Verfügung gestellt haben. Aaaaaaber das wurde ja alles eingeführt. Vor allem integrierte Verkaufsplattformen wie im PlayStation Network oder bei Xbox Live Gold waren plötzlich da und finanzieren sich scheinbar aus Luft und Liebe.

Gerade PlayStation-Besitzer hatten anfangs leicht lachen, wurden doch sämtliche PSN-Dienstleistungen sowie die Netzwerkumgebung für Multiplayer-Spiele kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Lager der "Xbox 360"-Spieler gab es das zwar alles auch, die mussten aber dafür bezahlen. Gratis gibt es da nichts.

"Haha!" - So dachten sich damals die glücklichen Käufer einer PlayStation 3 und sahen einen vermeintlichen Sieg im fast wie einen Glaubenskrieg geführten Disput mit Besitzern einer Xbox 360 errungen. Doch dann kam der 29. Juni 2010 und damit der kostenpflichtige Dienst PlayStation Plus. Heute, auf der PlayStation 4, ist PS Plus der Standard für die Nutzung von Mehrspieler-Angeboten. Ja, theoretisch wäre auch ein Leben ohne PS Plus möglich, aber die Anzahl der Leute, die das durchziehen, ist eher gering.

Auf jeden Fall ist der vermeintliche Vorteil gegenüber Microsoft-Usern damit dahin. Vorhang auf für Nintendo! It's a me! Kostenfrei! Nintendo Wii, Wii U, alle Modelle der 3DS-Familie - egal, welche Plattform gerade aktuell war, stets waren die Online-Dienste kostenlos. Da kann man ja getrost davon ausgehen, dass auch für Nintendo Switch alles beim Alten bleiben würde, oder?

Eben nicht! Denn ab September will Nintendo den kostenpflichtigen Online-Service für die Hybrid-Konsole Nintendo Switch anbieten. Tja, die letzte Bastion ist dann wohl auch gefallen. Selbst Nintendo muss sich nach Jahren der Enthaltsamkeit eingestehen, dass ein Online-Dienst nur noch kostenpflichtig umsetzbar ist.

Warum kostet das was?

Was bleibt nun unterm Strich? Wenn ihr die Vorzüge eines Online-Dienstes in Anspruch nehmen wollt, müsst ihr in die Tasche greifen. Aber rechtfertigen die Angebote den Preis? Rechtfertigen die Angebote überhaupt einen Preis? Im Glauben vieler Konsumenten sind die Zusatzgebühren nicht gerechtfertigt und stellen reine Abzocke dar. Dabei wird gerne übersehen, welcher Aufwand für "selbstverständliche" Funktionen nötig ist.

Ein Beispiel: Gerade bei PS Plus wird der Wert des Dienstes auf den am prominentest dargestellten kleinsten Nenner runtergebrochen: Die quasi kostenlosen Spiele. Als Bonus für Abonennten gedacht, sehen viele User darin den einzig wahren Nutzen für einen ansonsten nicht so recht greifbaren Service. Zu abstrakt ist vielen das Konzept eines bezahlpflichtigten Online-Dienstes.

Sleeping Dogs: Abonennten von Xbox Live Gold kriegen mitunter auch so coole Spiele.

Qualitativ haben da die Angebote von Xbox Live Gold die Nase vorn. Oft stehen Gratisspiele im Rahmen von PS Plus in der Kritik, nur "minderwertige Ladenhüter" zu sein. Besonders schlaue User führen ins Feld, dass die Gratisspiele nicht mal gratis seien, da sie ja in Form von Abo-Gebühren bezahlt werden. Aber geht nochmal einen Absatz nach oben: Es handelt sich um einen Bonus, nicht um den tatsächlich bezahlten Dienst.

Denn im Gegensatz zu früher (als alles besser war - ihr versteht ...) bedarf es einer komplexen Infrastruktur, wenn es Beispielsweise um Multiplayer-Spiele geht. Erstmal will der Modus natürlich entwickelt werden. Entwickler arbeiten, wie die meisten Menschen, ungern kostenlos. Sie wollen für ihre Arbeit bezahlt werden. Dann braucht es leistungsfähige Server. Die bringt erstaunlicherweise weder der Storch, noch das Sandmännchen. Sie müssen gekauft werden. Wer wartet die Teile? Richtig: Menschen, die Bezahlung erwarten, um überleben zu können. Wer verbessert die Software? Wer sorgt für Updates? Wer pflegt den Inhalt?

Solche Dinge kosten Geld. Die Art der Bearbeitung wird nicht weniger aufwändig, Hardware ist teuer, Software auch. Solche Werte unterliegen wie so gut wie alles andere den handelsüblichen Preissteigerungen, angepasste Gebühren sind also die Norm. Und das alles betrifft in dieser verkürzten Beschreibung nur einen einzigen Aspekt von Online-Diensten.

Und jetzt überlegt: Quasi alles, was ihr spielerisch als Konsument in einer Online-Umgebung über eine Spielkonsole annehmt, unterliegt solchen Strukturen. Ob es uns und euch schmeckt oder nicht: Kosten entstehen und müssen getragen und gedeckt werden. Das geht nun mal nur dann, wenn sie mit Gebühren angeboten werden.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Wenn ihr kein Interessen an Online-Funktionen habt und eure strikte Einzelspieler-Erfahrung auch problemlos offline erleben wollt, lohnt sich keine Investition in einen Online-Dienst.

Preis und Leistung unter der Lupe

Auf der anderen Seite dürft ihr natürlich auch einen entsprechenden Gegenwert dafür erwarten, wenn ihr euer sauer verdientes Geld in einen virtuellen Dienst investiert. Die gängigen Angebote sind ähnlich, der Teufel liegt aber im Detail. Hier ein Überblick:

Xbox Live Gold

  • Jährlicher Preis: circa 60 Euro

  • Voraussetzung für Online-Spiele: Ja

Der Kaufanreiz liegt klar auf der Hand: Wenn ihr online spielen wollt, so braucht ihr Xbox Live Gold. Das gilt auf für "Free to Play"-Spiele, die zwar kostenlos verfügbar, jedoch in diesem Fall nur kostenpflichtig spielbar sind. Microsoft übernimmt im Konsolenbereich eine gewisse Pionierfunktion. Spieler, die mehrere Dienste kennen, bewerten oft Xbox Live Gold als den besten der gängigen Online-Services.

Im "Lieferumfang enthalten" ist auch eine dedizierte Speicherkapazität. Soll heißen: Für eure Speicherstände steht ein Cloud-Server zur Verfügung. Mittlerweile gibt es auch jeden Monat zwei Spiele, die ohne zusätzliche Kosten heruntergeladen und genutzt werden können (eines für Xbox One, eines für die 360). Hier ist allerdings Vorsicht angesagt, denn die Angebot für Xbox One könnt ihr nur nutzen, solange ihr eine aktive Gold-Mitgliedschaft habt. Die Spiele für 360 bleiben hingegen auch nach Ablauf dieser in eurem Besitz.

PlayStation Plus

  • Jährlicher Preis: cirka 60 Euro

  • Voraussetzung für Online-Spiele: Ja

Ähnlich wie bei Xbox Live Gold bleiben via PlayStation Plus bezogene Spiele nur für euch in eurer Bibliothek verfügbar, wenn ihr eine aktive Mitgliedschaft vorweisen könnt. Soll heißen: Die "kostenlosen" Spiele sind auch hier nicht mehr als eine Leihgabe.

Ansonsten gestaltet sich der Dienst ähnlich wie bei der Konkurrenz von Microsoft, auch wenn mit Einführung der PS4 einige signifikante Änderungen eintraten. So wurde die Anzahl der monatlichen "Gratis"-Spiele von zwei auf vier erhöht. Auch ist mittlerweile PS Plus Voraussetzung für Online-Spiele.

Spezielle Rabatt-Aktionen gibt es ebenso bei PS Plus wie auch Xbox Live Gold. Hier nehmen sich die beiden Konkurrenten nichts. Der Hauptunterschied liegt tatsächlich in der Anzahl der Spiele, die monatlich ohne weitere Kosten heruntergeladen werden können (Punkt für Sony) und deren Qualität (Punkt für Microsoft).

Nintendo Switch

Aktuell befindet sich Nintendos Online-Dienst noch in der kostenlosen Testphase. Laut der offiziellen Webseite des Publishers soll der Dienst ab September 2018 nur noch kostenpflichtig angeboten werden.

Mehrere Kostenmodelle sollen den Dienst tragen. So fallen voraussichtlich 3,99 Euro für einen Monat, 7,99 Euro für drei Monate oder 19,99 Euro für ein Jahr an, um die Online-Features weiterhin nutzen zu können. Ob die Preisgestaltung so bleibt, kann natürlich noch nicht bestätigt werden.

Zur Verfügung steht dann der Online-Multiplayer und ein Sprach-Chat. Anders als bei PlayStation 4 und Xbox One müsst ihr dafür jedoch eine Smartphone-App herunterladen, die bereits im Sommer 2017 veröffentlicht wurde und seitdem genutzt werden kann.

Außerdem sollt ihr Zugriff auf eine Reihe von Spielen bekommen. Nintendos eigentlicher Plan war es, monatlich ein klassisches Videospiel an Abo-Mitglieder zu verschenken. Stattdessen erhaltet ihr nun Zugang zu einer "Vielzahl von klassischen Spielen". Einige davon, wie Dr. Mario, Baloon Fight oder Super Mario Bros. 3 wurden seitens Nintendo schon bestätigt. Das Angebot soll in Zukunft auf SNES-Spiele ausgeweitet werden.

Tags: Online-Zwang  

So sollte das kommende Assassin's Creed sein

Wunschdenken: So sollte das kommende Assassin's Creed sein

Es gab eine Zeit, in der ihr jährlich mit einem neuen Assassin's Creed rechnen konntet. Mit Assassin's Creed - (...) mehr

Weitere Artikel

Bungie verkauft Emote für 10 Euro - und erntet Shitstorm

Destiny 2: Bungie verkauft Emote für 10 Euro - und erntet Shitstorm

Seit der Veröffentlichung im September 2017 kämpft Destiny 2 mit zahlreicher Kritik aus der Spieler-Community (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Special-Übersicht

* gesponsorter Link