Muss das sein? Wie Videospiele psychische Krankheiten stigmatisieren

(Kolumne)

von Daniel Kirschey (15. Februar 2018)

"Hab ich dir schon mal gesagt, was die Definition von Wahnsinn ist? Wahnsinn ist, wenn man exakt dieselbe Scheiße immer und immer wieder macht und erwartet, dass sich was ändert. Das ist irre."

Die berühmten Worte, die Vaas Montenegro in Far Cry 3 aus dem Mund träufeln und spritzen. Der "Wahnsinnige", der über Wahnsinn sinniert. Schneidet ein Videospiel die Thematik psychischer Krankheiten an, dann meist, wenn diese als Charakterisierung des Bösewichts herhalten müssen. Seltener setzt ein Spiel eine psychische Erkrankung als Mechanik ein, wie es etwa in Amnesia oder Eternal Darkness der Fall ist.

Auf der "anderen Seite", also auf der Seite der Protagonisten statt der Antagonisten oder auch bei Nicht-Spieler-Charakteren (NPC) kommen psychische Erkrankugen überwiegend nur dann zum Einsatz, wenn der jeweiligen Person ein Anstrich von Verletzlichkeit verpasst werden soll. Sonst bestätigen Ausnahmen wie Hellblade und Neverending Nightmares die Regel. Das finde ich ziemlich schade.

Neverending Nightmares konfrontiert euch mit den Leiden eines psychisch kranken Mannes

Denn zum einen ist das verschenktes Potenzial. Gerade ein Videospiel als interaktives Medium ist perfekt, um mit damit psychische Erkrankungen fühlbar und erfahrbar zu machen. Zum anderen werden so Videospielern psychische Krankheiten fast ausschließlich als Antrieb von Bösewichten nahegebracht. Für Entwickler und Publisher halten sie als Motivation für so ziemlich alles Negative her. Wenn ein Bösewicht so richtig böse ist, dann liegt das meist daran, dass er - wie im Falle von Vaas - irre, wahnsinnig, sadistisch und sonst noch was ist.

Ein anderes Beispiel ist Batman - Arkham Asylum. Ganz nach der allgemeinen Logik von Bösewichten sitzen die natürlich nicht im Gefängnis, sondern in einer Nervenheilanstalt. In ihrer Fiktionalität und Darstellung bei Joker und Konsorten durchaus nachvollziehbar. Doch kommt es auch immer wieder zu Situationen, in denen ich offensichtlich psychisch erkrankte Kriminelle bewusstlos schlagen muss.

Ähnlich ist die Darstellung der Patienten in der Nervenklinik aus Outlast. Sie sind im Spiel die Gegner und Feinde, denen es auszuweichen gilt. Psychsisch kranke Menschen werden in Videospielen meist als aggressiv und unberechenbar dargestellt. Dabei geht nachweislich, wie Studien bezeugen, von psychisch kranken Menschen weniger Gewalt aus und sie sind viel eher öfters Opfer von Gewalt.

Zudem kommt hinzu, dass psychische Erkrankungen keine Seltenheit sind. Fast jeder vierte Mann und jede dritte Frau leiden nach einer Studie aus dem Jahr 2015 "zumindest zeitweilig unter voll ausgeprägten psychischen Störungen". Und die meisten sind ganz normale Menschen, die sprichwörtlich keiner Fliege etwas zu Leide tun könnten. Die Aussage, die jedoch - wahrscheinlich oft völlig unbedacht - von Entwicklern und Publishern in die Köpfe der Spieler bewusst oder unbewusst eindringt, stigmatisiert Menschen mit psychischen Störungen.

Auch in der heutigen Gesellschaft sind psychische Krankheiten immer noch eine Art Tabu, über das nicht öffentlich diskutiert wird. Menschen verstecken ihre Leiden, damit sie nicht als aggressiv, schwach oder auch nur "merkwürdig" gelten. Hat jemand Schnupfen, sind die Symptome klar zu erkennen und niemand zweifelt die Krankheit an. Psychische Erkrankungen sind anderseits nicht immer zu erkennen. Werden öfters angezweifelt. Hier mit Vorurteilen aufzuräumen, statt sie zu befeuern, wäre ein Vorgehen - auch von Entwicklern und Publishern - das ich mir wünschen würde.

Zum Glück gibt es inzwischen aber auch genügend positive Beispiele von Videospielen, die auf eine sensiblere Art und Weise mit der Thematik umgehen. So dass die negativen Beispiele nicht mehr allein die Sichtweise vieler Videospieler beeinflussen.

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