Early Access: So gehört sich das und so eher nicht

(Special)

von Emily Schuhmann (17. Februar 2018)

Machen wir uns nichts vor: Auch wenn viele unter euch es sicher gern anders hätten, Early Access verschwindet nicht einfach wieder. Allerdings sind nicht alle Frühstartphasen gleich.

Wenn ihr Early Access hört, an welches Spiel denkt ihr zuerst? Vermutlich gehört es zu einem von zwei Extremen: Ein überaus gelungener Frühstart oder ein Projekt, das seit Jahren existiert und vermutlich niemals diese Phase verlässt. Eine frühe, unfertige Veröffentlichung verkürzt eure Wartezeit und lässt euch manchmal sogar Geld sparen, aber ist es das wirklich wert?

Eine der bekanntesten Leichen auf dem "Early Access"-Friedhof ist das Spiel Godus von Industrie Legende Peter Molyneux. Knapp 800.000 US-Dollar später gab es immer noch kein fertiges Produkt und irgendwie war daran dann Kickstarter schuld. Doch es ist nicht alles so düster wie es nach diesem Beispiel aussieht. Early Access kann auch eine Möglichkeit sein, großartige Spiele in Zusammenarbeit mit der Community zu erschaffen. Von wem sich Entwickler eine Scheibe abschneiden können und wen sie besser ignorieren sollten, lest ihr im Folgenden.

So bitte nicht

Alles begann mit einer enorm beliebten Modifikation für Arma 2. Das folgende alleinstehende Spiel Day Z gilt als Meilenstein des "Online Survival Horror"-Genres. Am 16. Dezember 2013 veröffentlichte Bohemia Interactive das ambitionierte Projekt auf Steam Early Access. Die Entwicklung befindet sich jetzt also im fünften Jahr. Zahlreiche Spieler beklagen, dass sich seitdem kaum etwas getan hat. Zombies laufen beispielsweise gegen oder sogar durch Wände und zahlreiche Fehler aller Art machen das Spiel bisher zu einer eher unangenehmen Erfahrung.

Es gibt nach wie vor treue Seelen, die von dem Projekt begeistert und überzeugt sind, doch die kürzlichen Bewertungen auf Steam sind größtenteils negativ. Das liegt vermutlich unter anderem daran, dass Updates fast schon schmerzhaft selten sind. Durchschnittlich erhält Day Z ein oder zwei davon im Jahr und große Brocken der Kernmechaniken sind nach wie vor in Arbeit. Dazu zählen beispielsweise die Fähigkeit zu schwimmen und Fahrzeuge.

Die Entwicklung dieses Spiel ist noch nicht eingestellt und alle zwei Wochen versorgt das Studio die verbliebenen Fans mit Informationen zum Prozess hinter den Kulissen. Ursprünglich sollte das Spiel, in dem ihr euch mit Zombies anlegt, bereits 2015 in die Beta-Phase übergehen, aber das soll jetzt doch erst dieses Jahr passieren. Vielleicht schafft es Day Z noch aus dem „Early Access“-Sumpf, aber viele interessierte Spieler hat es bereits abgeschreckt.

So geht das in Ordnung

Wolltet ihr schon immer Teil von Jurassic Park sein? Dinosaurier zähmen, züchten und sogar reiten? Seit Anfang Juni 2015 ist Ark - Survival Evolved als "Early Access"-Version auf Steam vertreten. Ihr strandet in einer merkwürdigen, urzeitlichen Welt und kämpft fortan allein oder im Mehrspielermodus gegeneinander oder gemeinsam um euer Überleben. Der unfertige Entwicklungsstatus hinderte Ark nicht daran, zu einem der meistgespielten Spiele auf Steam zu werden.

Monatelang regnete es kostenlose Updates und Verbesserungen und die Spieler waren glücklich, sowohl mit dem Inhalt, als auch mit der Entwickler-Kommunikation. Im September 2016 veröffentlichte Studio Wildcard dann allerdings einen kostenpflichtigen DLC und die Community war empört. Gerüchte machten die Runde, dass das Studio wegen Rechtsstreitigkeiten in Geldnot war und das Spiel niemals fertig werden würde. Am 8. August 2017 war es dann doch so weit, Ark - Survival Evolved erschien offiziell. Allerdings zu einem Preis, der Spieler erneut auf die Barrikaden brachte. Neueinsteiger sollten knapp 70 Euro zahlen und das für ein noch immer unfertiges Spiel.

Hier seht ihr den neusten DLC Aberration, in dem Dunkelheit und Licht eine wichtige Rolle spielen:

Das Projekt wächst und wächst, erst kürzlich durch zwei DLCs und voraussichtlich am 22. März soll sogar ein VR-Spinoff erscheinen, aber die Spielbasis liegt brach. Unfertige Übersetzungen und undurchsichtige Mechaniken machen Ark nicht unbedingt einsteigerfreundlich. Veteranen schwören jedoch auf das Abenteuer, und wer bereit ist sich richtig einzuarbeiten, wird mit einem umfangreichen, wenn auch teilweise unfertigen Spiel belohnt.

So gehört sich das

"So transparent wie das Wasser durch das ihr euch in unserem Spiel bewegt." Das scheint das Motto von Subnautica-Entwickler Unknown Worlds Entertainment zu sein. Am 23. Januar verließ das Unterwasser-Abenteuer den Early Access nach über drei Jahren. Am 31. Oktober 2014 konnten Spieler erstmals ein Auge auf das neue Projekt der "Natural Selection"-Entwickler werfen und seitdem hat sich unglaublich viel getan.

Das Studio nutzte alle finanziellen Ressourcen, um das Spiel in die Frühstartphase zu bringen. Von da an finanzierte die Community Subnautica und wurde für das Vertrauen belohnt. Der gesamte Prozess gilt als Paradebeispiel für dieses Geschäftsmodell und war nur möglich, indem die Entwickler auf vollkommene Transparenz setzten. Sogar das Trello-Board mit dem sie ihre Aufgaben planten, war während der Entwicklung für alle Interessierten zugänglich. An diese Offenheit mussten sich auch einige Mitarbeiter erst gewöhnen.

So ein aufwändiges Video wäre am Anfang der Entwicklung undenkbar gewesen:

Subnautica selbst folgt lustigerweise dem genauen Gegenteil dieser "Wir sagen euch alles"-Politik, denn das Spiel gibt euch keine Aufgaben oder Ziele. Ihr müsst selbst herausfinden, wie ihr in der gigantischen Unterwasserwelt zurechtkommt, ohne dass euch einer der Tiefseebewohner verspeist. Und genau darin liegt der große Reiz. Während der Entwicklung wie auch beim fertigen Projekt war immer der Weg das Ziel. Im Laufe der letzten Jahre entwickelte sich Subnautica vom kleinen Geheimtipp zu einem weltbekannten Spiel und die erfolgreiche Veröffentlichung im Januar setzte dem Prozess die Krone auf.

So sieht also die Zukunft aus?

Early Access hat die klassische Vorstellung einer Spielveröffentlichung massiv verändert. Vorbei ist die Zeit in der ihr nach einer Ankündigung zwangsläufig noch Monate oder sogar Jahre auf das fertige Spiel warten und euch mit kurzen Ausschnitten in Trailern zufriedengeben müsst. Oft könnt ihr direkt loslegen und auch noch dabei helfen, ein Projekt, an das ihr glaubt, zu einem Erfolg zu machen. Wichtig ist allerdings, dass Videospielunternehmen Early Access richtig einsetzen und Spieler verstehen, was sie da kaufen.

Es sollte sich dabei nie um eine reine Einnahmequelle handeln, sondern den Spielern die Möglichkeit geben Teil des Teams zu sein. Hört ein Entwicklerstudio nicht auf das Feedback der Community, verläuft das Projekt häufig im Sand. Gleichermaßen dürfen Spieler einer Frühstartphase aber auch kein fertiges, perfektes Produkt erwarten. Es ist keine Vorbestellung, sondern ihr kauft euch quasi in die Entwicklung ein. Nur wenn sich beide Parteien ihrer Aufgaben und Privilegien bewusst sind, kann ein Early Access zum Erfolg werden.

Große Themen und persönliche Schicksale

Detroit - Become Human: Große Themen und persönliche Schicksale

Das Potenzial von Künstlichen Intelligenzen ist ein unverändert aktuelles Thema, seitdem es Rechenmaschinen (...) mehr

Weitere Artikel

Mining-Nachfrage geht zurück, Preise könnten wieder sinken

Grafikkarten: Mining-Nachfrage geht zurück, Preise könnten wieder sinken

Es gibt wieder Hoffnung für alle PC-Spieler, die über den Kauf einer neuen Grafikkarte nachdenken: Laut einem (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Special-Übersicht

* gesponsorter Link