Vorschau Vampyr: Wird der Blutdurst nun bald mal gestillt?

von Micky Auer (17. Februar 2018)

Es gibt mindestens eine Autorin, die steif und fest behauptet, dass Vampire in der Sonne glitzern würden. Glücklicherweise hat sie absolut nichts mit Vampyr von Entwickler Dontnod zu tun. Der Sommer wird blutig.

Seit geraumer Zeit schon geistert das überaus düstere Spiel Vampyr von Dontnod, den Entwicklern von Life is Strange, durch die Presse. Mit dem arglosen Betrachter wird da ein grausames Spiel getrieben. Denn Vampyr ist ein viktorianischer Horror-Krimi, der sich in Präsentation und Konzept so interessant gestaltet, dass viele Vorab-Fans ihn unbedingt spielen wollen. - So auch wir.

Doch immer wieder wird uns nur ein Happen hingeworfen, mal hier eine Präsentation, mal da ein Anspieltermin, dort ein neues Video ... Leute, das macht die Sache nicht besser! Doch endlich gibt es ein greifbares Datum. Voraussichtlich am 15. Juni 2018 sollt ihr endlich in der Lage sein, die von Gaslaternen nur spärlich erhellte Finsternis einer Version von London zu durchstreifen, wie sie eines Jack the Ripper würdig wäre.

Und ja: Gepaart mit dieser Information durften wir auch mal wieder Hand ans Spiel legen und uns selbst in der hohen Kunst des Blutsaugens üben. Erneut wurde uns dabei klar: Vampyr ist keine 08/15-Vampirgeschichte mit klar definierten Fronten. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind oft nicht so deutlich erkennbar. Vor allem dann nicht, wenn ihr genötigt seid, selbst über das Schicksal eines Menschen zu entscheiden. Wie es dazu kommt, erfahrt ihr gleich.

Gestatten: Doktor Tod

Es hätte alles so schön, so perfekt sein können. Auftritt: Doktor Jonathan Reid, seines Zeichens Arzt und ein Meister seines Faches, erfolgreich, beliebt, gutaussehend, ganz und gar ein Mann der Wissenschaft. Er lebt ein gutes Leben, seine Karriere erscheint makellos. Doch damit ist ganz schnell Schluss.

Nicht mal ein ordentlicher Friedhof ist es, auf dem ihr als Vampir aufwacht. Stattdessen liegt ihr in einem Massengrab.Nicht mal ein ordentlicher Friedhof ist es, auf dem ihr als Vampir aufwacht. Stattdessen liegt ihr in einem Massengrab.

Jetzt liegt er in einem Massengrab in London, rund um ihn herum zahllose Opfer der Spanischen Grippe. Ein anonymer Leichenberg, gezeichnet von Verwesungsgestankt und verrotendem Fleisch. Hat ein Virus den guten Doktor dahingerafft? Nein, so war es nicht. Genau genommen ist er auch nicht tot, aber auch nicht mehr am Leben. Denn vom Durst nach Blut getrieben reißt er die Augen auf und entschwindet in die Nacht.

Hier beginnt die eigentliche Geschichte von Jonathan Reid. Nämlich ab dem Moment, an dem er realisiert, dass er zum Vampir geworden ist. Vampire sind aber so gar nicht angesehen in der gehobenen Gesellschaft Londons, zu der Reid aufgrund seiner Errungenschaften als Arzt zählt. Wer hätte DAS gedacht?

Reid ist kein Einzelfall. In der britischen Hauptstadt wimmelt es wohl nur so von Vampiren. Dementsprechend hat sich auch eine starke Riege von Vampirjägern etabliert, die über das nötige Wissen und die Mittel verfügen, den übermächtigen Untoten den Garaus zu machen.

Vampire mögen stark, jedoch alles andere als unbezwingbar sein. Feuer ist seit jeher eine ihrer größten Schwächen. Sonnenlicht hingegen mindert nur ihre Stärke, ist aber nicht in der Form tödlich, wie ihr es aus alten Erzählungen und Schwarzweiß-Filmen kennt. Zumindest ist das so in der Welt von Vampyr. Wundert euch also nicht, wenn ihr gerade in den finstersten Ecken der Stadt auf Leute trefft, die mit einem ordentlichen Flammenwerfer ausgerüstet sind. Man weiß ja nie, ob man nicht einem Vampir über den Weg läuft.

Alles andere als wehrlos

Ja, Sonnenlicht schwächt Vampire. Ja, Feuer vernichtet sie. Nein, Vampire sind dennoch kein Kanonenfutter. So auch nicht Doktor Jonathan Reid, obwohl er in seiner neuen Rolle noch gar nicht so genau einschätzen kann, über welche Kräfte er verfügt und was man alles an unterhaltsamen Aktionen damit anstellen kann. Aber das soll sich bald ändern, denn bis zur ersten Konfrontation dauert es nicht lange.

Die Macht eines Vampirs. Solche Fähigkeiten kosten jedoch Blut.Die Macht eines Vampirs. Solche Fähigkeiten kosten jedoch Blut.

Hier kommen die spielerischen Aspekte des Vampirdaseins zum Tragen: Doktor Reid kann in Sekundenbruchteilen gegnerischen Angriffen ausweichen, mit seinen tödlichen Klauen Angreifer schwer verwunden und töten, und natürlich - das ist sozusagen der "Signature Move" aller Vampire - das Blut seiner Opfer trinken. Das ist aus mehreren Gründen auch bitter nötig.

Blut ist für einen Vampir nämlich das, was für einen generischen Videospiel-Magier das Mana, oder für einen virtuellen Krieger die Ausdauer-Leiste ist. Doktor Reid braucht Blut, um sich seiner übernatürlichen Fähigkeiten bedienen zu können. Ein großer Teil der besonders mächtigen Aktionen ist ohne Blut sogar gänzlich nutzlos.

Hier stellt euch das Spiel oft vor eine interessante Wahl: Verzichtet ihr auf die Blutsaugerei und stellt euch so wesentlich schwierigeren Kämpfen, bewahrt euch aber bis zu einem gewissen Grad eure Menschlichkeit? Oder saugt ihr wahllos eure Opfer aus, um als mächtiges, übernatürliches Wesen auf ein breites Arsenal effektiver Tötungsfähigkeiten zurückzugreifen? Manchmal müsst ihr nicht lange überlegen, um jemandem die Zähne in den Hals zu schlagen, speziell, wenn es sich um einen Charakter handelt, der selbst nicht gerade ein Vorzeigebürger ist.

Aber nicht alle Londoner sind Jonathan gegenüber feindlich eingestellt. Blutlieferanten können sie dennoch sein. Oder eben nicht. Mal sehen, wie wichtig euch das eigene Überleben als Vampir ist, wenn es nur durch das Blut eines unschuldigen, vielleicht sogar einstmals geliebten Menschen gesichert werden kann ...

Ein Vampir kommt selten allein

Auch wenn sich das Spiel einzig und allein um das Schicksal des zum Vampir gewordenen Arztes dreht, so ganz allein wird er in seinem Dilemma nicht gelassen. Denn schon bald stößt er auf andere Vampire, aber auch auf menschliche Verbündete, die ihm sogar Zuflucht gewähren. Seine Basis ist ein Krankenhaus, in dem Doktor Reid nach wie vor seinem Beruf, wenn nicht sogar seiner Berufung nachgehen kann.

Hygiene sieht anders aus: Wer Krankheiten, Verletzungen und Vampire überlebt, den rafft oft der Dreck in öffentlichen Krankenhäusern dahin.Hygiene sieht anders aus: Wer Krankheiten, Verletzungen und Vampire überlebt, den rafft oft der Dreck in öffentlichen Krankenhäusern dahin.

Hier entsteht auch das eben angesprochene Dilemma. Jonathan Reid, der Arzt, ist jemand, der sich voll und ganz der Wissenschaft verschrieben hat und der nur eines will: Den Menschen helfen. Jonathan Reid, der Vampir, ist jemand, der seinen Blutdurst stillen muss, um zu überleben. Auch wenn es den Tod von Unschuldigen bedeutet. Welche Seite ist nun stärker?

All das allein reicht schon für eine tiefgründige und spannende Geschichte. Doch bleibt dabei eine große Frage offen: Wer hat Jonathan zum Vampir gemacht? Um dies zu ergründen, macht er sich nach Sonnenuntergang auf, um herauszufinden, wem er sein Dasein als Untoter zu verdanken hat. Tagsüber ist London oft ein Sumpf voller fragwürdiger Gestalten, nachts wird dies noch wesentlich schlimmer. Gerade hier ist es vergleichsweise leicht, an frisches Blut zu kommen. Denn bei all den zwielichtigen Figuren stellt sich auch kaum die Frage nach der Moral.

Dennoch solltet ihr eure Blutzufuhr nicht einfach wahllos begehen, denn auch hier gibt es Unterschiede. Schaut euch eure auserwählten Opfer genau an. Beobachtet sie. Findet mehr über sie heraus. Oft sind bestimmte Charaktere mit einer ganz eigenen Quest verbunden. Je weiter ihr diese Quest-Linie abarbeitet, desto hochwertiger fällt im Endeffekt das Blut aus. Damit verbunden sind wiederum mehr Erfahrungspunkte. Jedoch hat auch diese Mechanik, wie fast alles in Vampyr, zwei Seiten.

Denn es kann durchaus vorkommen, dass sich im Zuge eurer vampirischen Detektivarbeit herausstellt, dass zum Beispiel ein vermeintlicher Mörder, der den Tod verdient hat und somit ein leichtes Opfer darstellt, gar nicht der kaltblütige Killer ist, den man vermutet. Schicksale sind selten schwarz und weiß, Geschichten hinter grausamen Taten sind vielleicht sogar noch ein wenig grausamer als die Tat selbst. Erneut steht ihr dann vor der Frage: Opfer oder Täter? Er oder ich? Leben oder Tod?

Würdet ihr zubeißen? Die Frage könnt ihr euch voraussichtlich ab 5. Juni 2018 selbst beantworten, wenn Vampyr für PlayStation 4, Xbox One und PC erscheinen soll.

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Tags: Horror   Singleplayer  

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