Dieser eine Moment: Ein unerwartetes Wiedersehen in Kingdom Hearts

(Kolumne)

von Micky Auer (18. Februar 2018)

Anstelle einer Einleitung gibt es diesmal ausnahmsweise eine DICKE, FETTE SPOILERWARNUNG!!! Auch wenn die Spiele Final Fantasy 7 und Kingdom Hearts schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, so gibt es dennoch viele Spieler, die vielleicht noch nichts darüber wissen. Und schließlich sind ja Remakes am Start oder geplant. Seid also gewarnt! All jenen, die wissen, was da so passiert sei gesagt: Es wird mal wieder Zeit für ein paar Tränen.

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Dass der Tod ein ständiger Begleiter sowohl im Leben als auch im Spiel ist, hat Kollege René erst vor kurzem äußerst eindrucksvoll dargelegt. In seinem Artikel erklärt er unter anderem die emotionale Verknüpfung des Konzepts "Tod" mit dem Charakter einer Spielfigur. Geht in Gedanken durch, wie viele Tode ihr schon in Videospielen erlebt habt. Und dann resümiert kurz, wie viele euch davon so richtig an die Nieren gegangen sind.

Wer Final Fantasy 7 gespielt hat, wurde mit dem Tod des Mädchens Aerith (manchmal auch: Aeris) konfrontiert. Sie war nicht irgendein generischer NPC, sondern ein spielbares Mitglied eurer Heldentruppe. Nichts deutete darauf hin, dass sie vorzeitig aus der Geschichte genommen würde. Und doch ist es so geschehen.

Der Moment, in dem Aerith von Sephiroth mit seinem Schwert durchbohrt wird, ist der Moment, in dem vermutlich zigtausende Spieler mit offenem Mund vor dem Fernseher saßen und sich dachten: "Nein ... Nein, das kann nicht sein. Sie ist sicher nur schwer verwundet. Oder sie kommt wieder. Aber sie kann nicht tot sein. Das ist unmöglich!"

Und doch war es genau so: Aerith ist tot. Die Entwickler von Final Fantasy 7 haben sie als absolut liebenswerten und sympathischen Charakter eingeführt. Sie hat Beziehungen zu den anderen Figuren entwickelt, sogar zu den Spielern selbst. Sie war ein integraler Bestandteil der Geschichte. Das alles diente zum Aufbau einer ordentlichen Fallhöhe. Denn plötzlich war sie tot.

Diesen Moment zu verarbeiten hat so manchen Fan viele Jahre der Trauerbewältigung gekostet. Und es ist nun mal so: Der Tod von Aerith ist unabänderlich. Und doch gibt es ein Wiedersehen mit ihr ...

In einer Stadt zwischen den Welten ...

Fünf Jahre sollten nach dem tragischen Tod von Aerith ins Land ziehen, da überraschte Publisher Square Enix die Welt mit einem höchst ungewöhnlichen Spiel. Darin sollten sich jede Menge Figuren aus bekannten Spielen der Softwareschmiede tummeln, und zwar im direkten Zusammenspiel mit den weltbekannten Figuren aus der Werkstatt Walt Disneys.

Kingdom Hearts: Eine Welt voller ungeahnter Möglichkeiten.Kingdom Hearts: Eine Welt voller ungeahnter Möglichkeiten.

Micky Maus, Donald Duck, Goofy und die Helden aus großen Animationsfilmen wie Hercules, Tarzan, Die Schöne und das Biest oder Aladdin sollten sich ein Stelldichein mit den bekanntesten Figuren aus dem "Final Fantasy"-Universum geben. Na ja, zumindest mit den lebenden. Mal sehen ...

Das Ergebnis heißt Kingdom Hearts, überzeugte auf ganzer Linie und erhielt aus dem Stand die volle Unterstützung der Fans. Die Geschichte von Sora, der neu ersonnenen Hauptfigur, und seiner Reise durch die unzähligen Abenteuerwelten der Disney-Schmiede, ist heute legendär und zählt als Serie zu den ganz großen Erfolgen aus dem Hause Square Enix.

Verknüpft werden die Welten, die sich thematisch an Disney-Filmen orientieren, durch die Stadt Traverse, die am Knotenpunkt all dieser Geschichten liegt. Dort tummeln sich allerlei Gestalten aus beiden Universen, und es dauert nicht lange, bis Sora die Aufmerksamkeit eines jungen Mannes erweckt. Fans von Final Fantasy 8 setzt an dieser Stelle das Herz für einen Schlag aus, denn es handelt sich dabei um niemand Geringeren als Squall Leonhart, der Hauptfigur des Rollenspiels.

Es kommt zum offenen Konflikt und er legt Sora erstmal gekonnt auf die Bretter. Danach folgt ein kurzer Dialog mit einer jungen Dame namens Yuffie. Das Herzrasen nimmt an Geschwindigkeit zu, denn Yuffie ist eine Figur aus Final Fantasy 7. Was geht hier vor? Nach zwei, drei Sätzen blendet die Szene jedoch aus und ihr verfolgt Donald und Goofy, die sich in Travers verirrt haben. Was dann geschieht, erfahrt ihr ab Minute 5:54 im folgenden Video:

(Quelle: YouTube, Gavaroc)

Mitten ins Herz

Da steht sie. Einfach so, als wäre nichts gewesen. Mit ihren großen, grünen Augen, ihrem rosafarbenen Kleid und der Schleife im Haar. Aerith, das von Sephiroth ermordete Blumenmädchen. Die gute Freundin. Die liebevolle, verständnisvolle Aerith, deren Schicksal noch so viel größer war als ihr Tod. Sie ist am Leben und ... steht einfach so da, als wäre nichts gewesen.

Dieser eine Moment vereint so viele Emotionen in sich. Sofort flammen die Bilder im Kopf auf, wie Aerith von Sephiroths Schwert durchbohrt wird, wie ihr toter Körper von Cloud den tiefen Wassern des weinenden Planeten übergeben wird, wie sie einfach so aus der Geschichte entschwindet.

Und dann steht sie einfach so da, als wäre nichts gewesen.

Es war dieser eine Moment, von dem sich so viele Spieler wünschten, dass er nie enden möge. Sofort kam die Angst: Was wird mit ihr geschehen? Wird sie uns wieder genommen? Welche Grausamkeiten hat Square Enix diesmal geplant?

Doch keine schreckliche Tat sollte folgen. Aerith blieb und trat auch noch in einer Fortsetzung und einem Spin-Off in Erscheinung. So schön und herzlich das Wiedersehen mit ihr für viele gewesen sein mag, so bohrend und nagend verblieb doch das kleine, grüne Monster namens Zweifel in den Herzen der Spieler. Denn allen war klar: Die Welt von Kingdom Hearts und die Stadt Traverse sind Orte, an denen die Geschichten der Menschen am Leben sind, nicht zwangsläufig diese Menschen selbst.

Aber macht sie das weniger real? Ist nicht die Vorstellung davon ebenso real wie das Leben selbst? Und wie real ist die Vorstellung einer Geschichte, die auf der Geschichte einer Vorstellung basiert? Zählt denn nicht im Endeffekt, dass Aerith vor euch steht, mit euch sprecht und ein Teil einer neuen Geschichte ist? Der Trost, den dieser eine Moment spendet, überwiegt letzten Endes den Zweifel. Denn Aerith lebt. Wo ist egal, wie ist egal. Sie lebt und ist im Kreise ihrer Freunde. Das zu erkennen, macht diesen einen Moment zu etwas ganz Besonderem.

Dieser andere Moment ...

1997, gerade mal ein halbes Jahr nach Final Fantasy 7, brachte Square Enix ein Spiel namens Final Fantasy Tactics für die erste PlayStation auf den Markt. Dabei handelt es sich um ein rundenbasiertes Strategiespiel mit einer ebenso komplexen wie gut durchdachten Spielmechanik. Das Abenteuer gilt als Spin-Off zur Hauptreihe und verfügt über alle möglichen Anleihen aus dem großen Fundus des "Final Fantasy"-Universums. Jedoch gilt es als eigenständig und sollte keinerlei Verbindungen mit Teil eins bis sieben aufweisen. Es sei denn ...

...ihr löst eine ganz bestimmte Quest.

Tatsächlich habt ihr die Möglichkeit, Cloud Strife, die Hauptfigur aus Final Fantasy 7 im Spiel zu treffen und als spielbare Figur zu rekrutieren. Heute wäre Cloud wohl ein kostenpflichtiger DLC, damals war er ein versteckter Charakter, der als Lohn für eure spielerischen Bemühungen und euer Können galt. Ja, sowas gab's mal!

Cloud ist nicht nur reiner Fan-Service, sondern auch ein überaus mächtiger Charakter, dem ihr all seine Spezialangriffe aus Final Fantasy 7 beibringen könnt. Wie im Hauptspielt leidet er auch hier an Amnesie und brabbelt oft unverständliches Zeug vor sich hin. Wenn ihr auch aber damit auseinandersetzt und seine eigene Questreihe verfolgt, kommt es spät im Spiel zu einer Szene, die einen ähnlichen Effekt auslöst wie Jahre später in in Kingdom Hearts: Ihr findet Aerith, das Blumenmädchen.

(Quelle: YouTube, A Story of A Love)

Allerdings gibt es bei diesem Zusammentreffen ein paar gewaltige Unterschiede. Das Geschehen ist nicht in einer bunten Märchenwelt angesiedelt, sonder in einem tristen, vom Krieg zerrütteten Land. Cloud und Aerith treffen sich, erkennen sich jedoch zunächst nicht wieder. Als Aerith von ein paar Rüpeln bedroht wird, habt ihr jedoch die Gelegenheit, die euch in Final Fantasy 7 verwehrt wurde: Ihr könnt Aerith retten!

Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Aerith im "Final Fantasy"-Universum auftritt. Sowohl im Film Final Fantasy - Advent Children, als auch in diversen Spielen tritt sie immer wieder in Erscheinung, um euch an diesen Moment zu erinnern, an dem sie plötzlich wieder Teil nicht nur einer, sondern von vielen Geschichten wurde.

Tags: Dieser eine Moment  

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