Die brutale Realität: Spiele, die euch mit harten Tatsachen konfrontieren

(Special)

von René Wiesenthal (20. Februar 2018)

Ob Battlefield 1 oder Call of Duty – WW2: Orientieren sich Spiele an bitterer Realität, dann meist nur, um diese ins Vergnügliche zu verzerren. Es gibt aber auch Entwickler, die euch in ihren Spielen unschöne Tatsachen ebenso ungeschönt spüren lassen wollen. Mit ihrer Hilfe weitet sich das Verständnis davon, was Videospiele sein können und wichtige Denkanstöße werden gegeben.

Indem sie Sachverhalte ad absurdum führen, versuchen sich Entwickler oft ihrer Verantwortung zu entbinden, ernsthafte Themen in Videospielen angemessen zu verarbeiten – wie es beispielsweise in Wolfenstein 2 – The New Colossus mit dem NS-Regime geschehen ist. Der Balance-Akt zwischen gebührender Darstellung brisanter Themen und spielerischem Einbeziehen der Person vor dem Bildschirm erfordert Fingerspitzengefühl, das gerade große Studios oft nicht aufbringen können. In den meisten Fällen dienen echte Kriegsschauplätze, die Historie oder schwermütige Themen eben eher der Dramaturgie oder schlicht als "interessantes" Szenario für spaßige Spielelemente.

Manche Entwickler aber hegen andere Ansprüche und möchten euch durch das Aufgreifen schwer verdaulicher Angelegenheiten zum Nachdenken anregen oder eigene Erlebnisse verarbeiten. Die Fluchtbewegung im Zuge des syrischen Bürgerkrieges beispielsweise ist ein heikles Thema, das in keiner Form mit Spaß assoziiert wird. Dennoch gibt es mittlerweile einige Videospiele dazu. Und dabei handelt es sich nicht ausschließlich um so genannte Serious Games, die in erster Linie einen informativen beziehungsweise bildenden Charakter haben. Wir stellen euch ausgewählte Spiele vor, bei denen euch aufgrund ihrer sehr realen und problematischen Hintergründe das Wort „Spiel“ schwer über die Lippen gehen könnte.

That Dragon, Cancer

Eine Krebserkrankung, versinnbildlicht als unbezwingbarer Drache, weckt sofort Gedanken und Gefühle schmerzvoller Kämpfe, die in einer unausweichlichen und erschütternden Niederlage enden. So muss sie sich für Amy und Ryan Green angefühlt haben. Das Paar steckt hinter der Entwicklung von That Dragon, Cancer, in dem sie das gemeinsame Ringen um das Leben ihres Sohnes Joel verarbeiten. Im Alter von einem Jahr erkrankte der Junge an Krebs und verstarb nur drei Jahre später daran. Das Spiel diente Vater Ryan als Ventil seiner Trauer und Ohnmacht und wurde letztendlich zusammen mit einer Dokumentation zum Denkmal an das verstorbene Kind.

Seht hier den offiziellen Trailer zu That Dragon, Cancer

Spielerisch umgesetzt ist die Tragödie in Form eines "Point and Click"-Adventures, in dem die Interaktionen auf ein Minimum reduziert sind. Ihr teilt Freud und Leid mit den Eltern von Joel und ebenso die Hilflosigkeit des Paares gegenüber dem sich verschlechternden Zustand des Kindes. Das ist harte Kost und verlangt euch einiges ab. Besonders durch die persönliche Nähe zu den Eltern, die die Geschichte tatsächlich durchlebten (Mutter Amy ist in der Rolle der Erzählerin zu hören), wird That Dragon, Cancer zur ergreifenden Berg- und Talfahrt. Gleichzeitig half das Spiel, die Geschehnisse zu verarbeiten: Es wurde durch Crowdfunding kofinanziert, Spieler auf der ganzen Welt nahmen Anteil und zogen wichtige Denkanreize zu Problemen wie Verlust, Trauer aber auch Bewältigung aus der Geschichte.

Papo & Yo

Auf die Spielmechanik reduziert ist Papo & Yo ein schlichtes Action-Adventure. Ihr springt in der Rolle eines kleinen Jungen durch ein fiktives Elendsviertel in Brasilien und löst dabei Rätsel, um euch einen Weg durch die Spielwelt zu bahnen. Der Protagonist Quico befindet sich dabei in einer Traumwelt, in der er sich mit einem Mädchen und seinem zum Leben erweckten Spielzeugroboter anfreundet. Die Spielwelt ist abgesehen von ihnen und einer Gestalt namens "Monster" frei von Lebewesen.

Quico, der entgegen der Warnungen seiner Begleiter der Freund von Monster werden möchte, erlangt im Laufe des Abenteuers eine bittere Erkenntnis: Die Welt in der er sich aufhält ist ein Spiegel seines trostlosen realen Lebens. "Monster" ist eine Projektion seines alkoholkranken Vaters, vor dem sich der Junge wegen seiner unberechenbaren Ausbrüche im Schrank versteckt und seine Traumwelt erfindet. Er lernt mit der Zeit, dass er sich nur retten kann, wenn er sich von ihm befreit.

Es ist mutig, den Alkoholmissbrauch eines ärmlichen Vaters und seinen darunter leidenden Sohn in den Mittelpunkt eines Knobelabenteuers zu stellen. Auf fantasievolle Art möchte euch Papo & Yo zeigen, wie der Verstand eines Kindes das unbarmherzige Leben in den Slums zu bewältigen versucht. Dabei gibt das Spiel trotz tragischer Momente auch optimistische Anregungen, missbraucht das Thema also nicht als plumpen Aufhänger für eine spannende Geschichte.

Weiter mit: Papers, Please!, Orwell, Bury me, my Love

Inhalt

Taschenmonsterjagd mit Körpereinsatz

Pokémon - Let's Go: Taschenmonsterjagd mit Körpereinsatz

Auf ein „richtiges“ Pokémon-Abenteuer für den großen HD-Bildschirm warten Fans seit (...) mehr

Weitere Artikel

Aktuell ist keine Mini-Konsole geplant

Nintendo 64: Aktuell ist keine Mini-Konsole geplant

Das NES und das SNES haben bereits eine Mini-Version erhalten, folgt nun also auch der N64? Gerüchte rund um eine (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Special-Übersicht

* gesponsorter Link