Test Metal Gear Survive: Überleben ist nun mal nicht leicht

von Micky Auer (22. Februar 2018)

Wenn ein Spiel "Metal Gear" im Namen trägt und nicht von Hideo Kojima ist, hat es einen schweren Stand im Leben. So auch Metal Gear Survive. Im Test haben wir noch weitere Stolpersteine entdeckt.

Man muss im Internet nicht lange suchen, um auf vernichtende Kritiken zu Metal Gear Survive zu stoßen, das nun für PlayStation 4, Xbox One und PC verfügbar ist. Was dabei auffällt: Das Spiel ist erst seit zwei Tagen auf dem Markt, die härtesten Kritiken sind aber schon ein halbes Jahr alt. Wie kommt's?

Zwei Gründe gibt es, die Metal Gear Survive selbst ums Überleben kämpfen lassen. Da wäre einerseits der immens große Name der Franchise. Fans sehen es nun mal nicht gerne, wenn ihre Lieblingsmarke für Spin-Offs verwendet wird, die augenscheinlich nur eine aufgesetzt und konstruiert wirkende Verbindung zur Hauptreihe haben (dabei ist dies beiweitem nicht die erste Abweichung von der Hauptreihe).

Andererseits schwebt über dem Namen von Publisher Konami der unschöne Streit mit Entwickler Hideo Kojima, dessen Name wiederum untrennbar mit Metal Gear verbunden ist. Er hat die Firma schon vor geraumer Zeit verlassen und hat so rein gar nichts mit der Entwicklung von Survive zu tun.

Aber mal abgesehen davon: Was steckt nun wirklich drin im Spiel? Lassen wir erstmal außen vor, dass hier der Name "Metal Gear" zum Einsatz kommt. Wie der Titel es schon verrät, handelt es sich um ein Survival-Spiel mit actionlastigen Sequenzen, Schleicheinlagen, jeder Menge Ressourcen-Sammelei und überlebenswichtigen Crafting-Mechaniken. Würde nicht "Metal Gear" damit in Verbindung stehen, könnte es sein Dasein als ein Überlebens-Spektakel wie jedes andere fristen. Und als solches wollen wir es auch betrachten. Getestet haben wir die Version für PlayStation 4.

Ganz schön zäher Einstieg

Bereits Anfang des Jahres durften wir bei Konami satte fünf Stunden Spielzeit in Metal Gear Survive investieren. Die vergleichsweise großzügig bemessene Anspiel-Session war auch bitter nötig, denn so richtig in Fahrt wollte das Geschehen selbst nach fünf Stunden nicht kommen. Per Wurmloch landet ihr als Spieler auf einem arg lebensfeindlichen Planeten. Eure Aufgabe: Erstmal überleben, dann vielleicht rausfinden, was hier abläuft, letzten Endes nach Hause kommen.

Uuuuund Wupp: Per Wurmloch geht's ab ins Überlebens-Abenteuer.Uuuuund Wupp: Per Wurmloch geht's ab ins Überlebens-Abenteuer.

Diese fünf Stunden waren ganz schön zäh. Ressourcen sind äußerst knapp bemessen, Gegner sind sehr schnell in überwältigender Zahl hinter euch her, Waffen sind gerade anfangs noch eher schwach und ständig nagen Hunger und Durst an eurer Konstitution. Solltet ihr auch noch verletzt, vergiftet oder sonst wie in Mitleidenschaft gezogen werden, stehen euch zumindest ein paar einfache Heilmittel begrenzt zur Verfügung.

Gleichzeitig wurde uns aber auch versichert, dass nach der Etablierung einer Basis sowie dem Anbau von Nahrungsmitteln und der Möglichkeit, Wasser abzukochen, das Geschehen befriedigender aufbauen würde und ihr nicht bei jedem Schritt damit rechnen müsst, dass euch Wassermangel dahinrafft.

Jetzt mag man berechtigterweise denken: "Es ist ein Survival-Spiel. Klar, dass man da nichts geschenkt bekommt." Ja, das stimmt wohl. Jedoch sollte es auch in einem solchen Szenario eine gewisse Balance geben, die dem Spieler nicht ständig Frustmomente um die Ohren feuert. Genau das geschieht hier nämlich, und noch dazu viel zu lange.

Es gibt viele Einzelmechaniken im Spiel, die erst erlernt, etabliert und aufgebaut werden müssen. Diverse Werkbänke zur Herstellung und Reparatur von Waffen und Ausrüstung, Anbaugebiete für Nahrung, Feuerstellen, Munitionsstationen und so weiter werden Stück für Stück ins Spiel eingeführt. Und zwar jeweils in Form von recht exponiert wirkenden Quests und Missionen.

Da es wie gesagt viele solcher Mechaniken gibt, folgen auch viele entsprechende Missionen. Zu viele, denn während ihr noch nicht mal in der Lage seid, sauberes Wasser herzustellen, sollt ihr euch schon in allergrößte Gefahren begeben. Die Abfolge und die Balance stimmen hier einfach nicht. So verspielt sich Metal Gear Survive die Chance auf einen guten Ersteindruck.

Kampf auf leeren Magen

Während die eine Hälfte des Spiels auf Erkundung, Ressourcenbeschaffung und Crafting fußt, verlässt sich die andere auf Schleich- und Kampfeinlagen. Beides funktioniert, wenngleich auch hier die Umsetzung nicht gänzlich durchdacht wirkt.

Ihr seid nicht allein - leider: Zombis mit Kristall-Dildos statt Köpfen wollen euch ans Leder.Ihr seid nicht allein - leider: Zombis mit Kristall-Dildos statt Köpfen wollen euch ans Leder.

Gerade in den zähen Einstiegsmomenten wollt ihr euch vermutlich lieber auf Geschleiche als offene Konfrontation verlassen. Die kristallhäuptigen Zombie-Gegner treten nämlich gerne mal in Horden auf und stellen sehr schnell eine nicht zu bewältigende Übermacht dar. Dumm nur, dass die Stealth-Mechanik bestenfalls mittelmäßig funktioniert. Oft bemerken euch Gegner ohne ersichtlichen Grund und schon bricht die Hölle los.

Im direkten Kampf seid ihr anfangs mit Stich- und Schlagwaffen ausgerüstet, später kommen Feuerwaffen hinzu. Besonders hervor tut sich hier alles, was einem Speer ähnelt. Denn damit könnt ihr - im Gegensatz zu stumpfen Hiebwaffen - sogar durch Zäune hindurch angreifen. Die Gegner agieren zwar agressiv, oft aber unglaublich dumm. Wenn es euch zum Beispiel gelingt, eine erhöhte Position einzunehmen oder hinter einem Zaun stehend zu agieren, könnt ihr das System übertölpeln und selbst große Gegnerhorden plätten, ohne Schaden zu nehmen.

Immer funktioniert das nicht, und wenn, dann wirkt es irgendwie höchst albern und stümperhaft. Ebenso schnell kann es geschehen, dass ihr einfach von Gegnern übermannt und getötet werdet. Nicht nur müsst ihr dann den Weg von der Basis zum Ziel nochmal antreten, ihr habt auch nur eine Chance, eure verlorenen Ressourcen wiederzubeschaffen. Denn die liegen im Stile von Dark Souls am Ort eures Ablebens rum und verschwinden endgültig, wenn ihr es nicht schafft, sie abzuholen und ins Lager zu schaffen.

Hart erkämpfter Fortschritt

Was sich spielerisch stark bemerkbar macht, sind die Fähigkeiten, die ihr in diversen "Skill Trees" freischalten könnt. Selbst kleine Veränderungen können spielerisch einen großen Unterschied machen. So lernt ihr zum Beispiel relativ früh, im Kampf einen Ausweichschritt zu machen (warum man so etwas lernen muss, sei aus logischer Sicht erstmal dahingestellt). Das verschafft euch in den Auseinandersetzungen mit den Zombies eine zusätzliche Überlebenschance, die ihr auch dringend benötigt.

Bis zum Einsatz von solch futuristischem Kriegsgerät wird sehr viel Zeit vergehen.Bis zum Einsatz von solch futuristischem Kriegsgerät wird sehr viel Zeit vergehen.

Ansonsten decken die Fähigkeiten alle spielerischen Aspekte von Metal Gear Survive ab. In weiterer Folge könnt ihr euch auch stärker spezialisieren und so zum Beispiel dem Kampf, dem Crafting oder diversen Survival-Fähigkeiten den Vorzug geben. Jede Mechanik ist letzten Endes wichtig. Insgesamt leiden jedoch alle Abläufe unter schlecht platzierten Ressourcen und zu viel "Trial and Error".

Zwar gibt das Spiel vor, jede Aufgabenstellung auf unterschiedliche Art lösen zu können, jedoch zeigt sich in der Praxis, dass es oft nur einen idealen und machbaren Weg gibt. Bis ihr den herausgefunden habt, werdet ihr viele Frustmomente erlebt haben. Leider oft zu viele.

Und dann wäre da noch die Sache mit den Mikrotransaktionen. Davon gibt es nämlich zahlreiche. Zwar wurde uns beim Anspieltermin versichert, dass es "nur kosmetische Spielgegenstände" geben wird, tatsächlich könnt ihr euch aber gegen Investition von Echtgeld (für Spielwährung) zum Beispiel erhöhte Produktivität und verbesserte Nahrungsherstellung erkaufen. Besonders fragwürdig: Wenn ihr einen zweiten Speicherstand anlegen wollt, werdet ihr ebenfalls zur Kasse gebeten. Dass ihr mit dem Spiel selbst als strikter Solo-Spieler online sein müsst, macht die Sache auch nicht attraktiver.

Im Angesicht dieser Vermarktungsstrategie liegt ein Schluss nahe: Werft mal einen Blick auf den Anfang dieses Artikels. Dort wird beschrieben, wie Metal Gear Survive von Beginn an für zu lange Zeit ein zähes Stück Software bleibt, dass unter dem Schlagwort "Überleben" seine unausgewogene Spielumgebung rechtfertigt. Überleben also sprichwörtlich um jeden Preis? Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt ...

Meinung von Micky Auer

Metal Gear Survive ist empfehlenswert für zwei Arten von Spielern: Jene, die unglaublich viel Geduld aufbringen und nahezu grenzenlos frustresistent sind, ohne für ihre Bemühungen große spielerische Belohnungen zu erwarten und jene, die nicht zweimal nachdenken müssen, um mehr Geld in Mikrotransaktionen zu investieren als das Spiel selbst kostet. Zu keinem dieser beiden Typen zähle ich mich selbst.

Ich will von einem Spiel unterhalten werden und erwarte mir, dass ich für bewältigte Aufgaben entlohnt werde. Survive stellt mich aber nach jedem großen Schritt vor neue Probleme und verweigert mir die Lösung von bestehenden. Zumindest zu weiten Teilen. Ich habe wirklich den Eindruck, das Spiel ist absichtlich so unausbalanciert aufgebaut, um mich zur Investition in Mikrotransaktionen zu verführen. Das wird jedoch nicht geschehen, zumal mich die rudimentäre Story nicht sonderlich motiviert.

Grafisch ist Survive keine große Leistung, in technischer Hinsicht ist es zumindest blitzsauber. Hohe Framerate, keine erkennbaren Bugs, Steuerung funktioniert einwandfrei: In dieser Hinsicht gibt es keine große Kritik zu üben. Der Preis liegt mit knapp 40 Euro deutlich unter den gängigen Verkaufspreisen. Jedoch scheint sich das Spiel hauptsächlich als Online-Verkaufsplattform zu verstehen. Zum Multiplayer lässt sich zu diesem Zeitpunkt nichts sagen, denn es waren einfach keine Mitspieler aufzutreiben.

Ob und wie Survive sein Dasein als Teil des "Metal Gear"-Universums rechtfertigt, will ich gar nicht erst ausführen. Diese Diskussion führt zu nichts, zumal die Fronten dahingehend recht festgefahren zu sein scheinen. Andererseits sind es vielleicht gerade die alteingesessenen Fans, die dem Spiel eine Chance geben werden. Es ist in seiner Gesamtheit nicht gänzlich schlecht, aber hat zu viele Schwachstellen im Ablauf, wodurch es nicht über ein gepflegtes Mittelmaß hinaus wachsen wird.

66

meint: Survival-Spiel mit großem Namen, das sich durch schlechte Balance und viel zu viele Mikrotransaktionen selbst im Weg steht.

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Tags: Science-Fiction   Singleplayer   Multiplayer   Online-Zwang  

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