Musikalische Gehirnwäsche: Wie euch Entwickler nach ihrer Pfeife tanzen lassen

(Special)

von Emily Schuhmann (28. Februar 2018)

Musik in Videospielen ist nicht nur nettes Hintergrundgedudel, sondern kann euer Gehirn beeinflussen, eine ganz bestimmte Atmosphäre heraufbeschwören oder sogar den Schwierigkeitsgrad erhöhen.

Vom Geräusch, das ihr hört, wenn Link eine Schatztruhe öffnet bis zur Level-Melodie, die euch über Jahrzehnte hinweg begleitet und nicht mehr loslässt - Videospielmusik hat bereits eine lange Reise hinter sich gebracht. Anfangs noch Gepiepse, das in den Ohren wehtat, dürft ihr heute in zahlreichen Spielen Soundtracks lauschen, die klingen, als hätte sie ein ganzes Orchester eingespielt.

Immer mehr Entwickler erkennen, wie wichtig gutes Audio-Design für Spiele tatsächlich ist. Und statt einfach "nur" Lieder zu komponieren, die schön klingen, bedienen sich Komponisten in dieser Mediensparte einiger Tricks, mit denen sie euch nur mit Tönen dazu bringen, genau das zu tun, was sie wollen.

Musikalische Gehirnwäsche

Unterbewusste Beeinflussung ist ein Mythos? Ihr glaubt, dass jede eurer Entscheidungen und jedes eurer Gefühle ausschließlich von euch selbst augeht? Keine Chance! Komponisten können euch tatsächlich wie Marionetten tanzen lassen.

Es gibt etwa Melodien, auf die euer Gehirn automatisch reagiert, ob ihr es wollt oder nicht. Ihr alle kennt vermutlich das Geräusch, wenn ihr in den "Sonic the Hedgehog"-Spielen Ringe einsammelt. Die für diese Pentatonik-Tonfolge verantwortlichen Noten sorgen in jeder Reihenfolge für das klassische Belohnungsgeräusch.

Auch am Ende eines Levels in Super Mario Bros. bekommt ihr so eine "Fünf Ton"-Melodie zu hören.Auch am Ende eines Levels in Super Mario Bros. bekommt ihr so eine "Fünf Ton"-Melodie zu hören.

Düstere Horror-Spiele können ebenfalls von Musiktheorie profitieren. Erinnert euch an den schaurigsten Moment, den ihr jemals in einem Videospiel durchlebt habt. Wäre er noch so beängstigend, wenn statt einer dramatischen Melodie plötzlich das Intro der Gummibärenbande gespielt hätte? Noch interessanter wird es allerdings, wenn sich Entwickler non-linearer Töne bedienen. In der Natur finden sich diese in Rufen verletzter oder verängstigter Tiere. Euer darauf folgendes Unwohlsein ist also eine einprogrammierte, instinktive Reaktion.

Spiele der "Silent Hill"- und "Resident Evil"-Serien beispielsweise bedienen sich dieses Tricks meisterhaft. Non-lineare Töne überschreiten die Grenzen dessen zu was Stimmbänder oder Instrumente normalerweise in der Lage sind und das menschliche Gehirn registriert völlig ohne euer Zutun, dass da etwas nicht stimmt.

Verflixter Wiener-Walzer

Wie gut ist euer Rhythmusgefühl? Rhythmusspiele à la Voez beginnen oft sehr einfach, können Ungeübte allerdings schnell zur Verzweiflung treiben. Profis lassen ihre Finger über die Tasten tanzen, während anderen Otto-Normal-Menschen die Kinnlade herunterfällt. Und ob ihr es glaubt oder nicht, auch Dark Souls lässt sich im Kern als Rhythmusspiel bezeichnen. Erfolgreiche Spieler analysieren die Muster der Gegner und passen sich dem erkannten Rhythmus an.

Rennen, ausweichen, zuschlagen, nicht umkommen und dabei immer schön im Takt bleiben:

Der eine oder andere unter euch dürfte schon Erfahrung mit dem Boss gemacht haben, der diese Anpassung in Dark Souls 3 gegen euch verwendet: Die Tänzerin des Nordwindtals. Dieser elegante, verschleierte Charakter folgt nämlich einem anderen Takt als alle anderen Gegner und das macht sie für viele zu einem der ärgerlichsten Feinde. Von den Wächtern des Abgrunds bis zum brutalen Namenlosen König: Sie alle greifen im "Vier Viertel"-Takt an.

Wenn ihr den Standardrhythmus des Spiels perfektioniert habt, kann es euch ganz schön aus dem Konzept bringen, dass die Angriffe und Bewegungen der Tänzerin im "Drei Viertel"-Takt, also dem Walzer-Takt erfolgen. Die nahezu monotone Hintergrundmusik macht es zusätzlich schwer überhaupt einen Rhythmus zu erkennen. Spieler, die ein Instrument beherrschen haben übrigens wesentlich seltener Probleme mit der Dame.

Braucht ihr Nachhilfe?

Zockend vor dem Fernseher oder Computer zu sitzen wird euch nicht dabei helfen plötzlich zur Intelligenzbestie zu werden. Allerdings unterstützt euch die richtige Musik bewiesenermaßen dabei, Wissen besser abzuspeichern und so beispielsweise effizienter für eure nächste Prüfung zu pauken. Videospielmelodien sind meist darauf ausgelegt, euch im sogenannten Flow zu halten. Dieser Zustand hält euch im Spiel und fokussiert eure Aufmerksamkeit auf das, was ihr gerade tut. Zocken statt Lernen funktioniert also leider trotzdem nicht.

Natürlich kommt es auch darauf an, was genau da aus euren Boxen oder Kopfhörern schallt. Der Metal-Song "Crazy Chocobo" aus Final Fantasy 13-2 wäre keine optimale WahlNatürlich kommt es auch darauf an, was genau da aus euren Boxen oder Kopfhörern schallt. Der Metal-Song "Crazy Chocobo" aus Final Fantasy 13-2 wäre keine optimale Wahl

Musik ist schon lange kein vernachlässigbarer Nebenaspekt mehr. Melodien können Stimmungen verstärken oder abmildern, euer Gehirn austricksen und euch sogar das virtuelle Leben kosten. Insgesamt sollten wir uns wohl einfach glücklich schätzen, dass uns Spiele mittlerweile nicht nur grafisch und mechanisch, sondern eben auch musikalisch verwöhnen.

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